Sonntag, 16. Juni 2019
Freitag, 9. September 2011

LOKALGESCHEHEN

Erst mit dem Rad, dann mit dem Einbaum

Der Zinnaer unterwegs in Amazonien. Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Zinna (TZ). Er ist wieder da. Und zwar mit genügend Stoff für ein Buch oder gleich für mehrere Vorträge. Ein halbes Jahr Brasilien brachten selbst für einen routinierten Weltenbummler wie Peter Glöckner ungewöhnlich viele Erlebnisse und Aha-Effekte.

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Zinna (TZ). Er ist wieder da. Und zwar mit genügend Stoff für ein Buch oder gleich für mehrere Vorträge. Ein halbes Jahr Brasilien brachten selbst für einen routinierten Weltenbummler wie Peter Glöckner ungewöhnlich viele Erlebnisse und Aha-Effekte. Nun sitzt der Zinnaer daheim, genießt das Familienleben und lässt die Ereignisse für TZ noch einmal Revue passieren.

 „Mein Sohn Karl (2,5) spricht momentan noch fast ausschließlich portugiesisch. Das wird sich aber rasch ändern.“ Seit August besucht er die Kita in Zinna. Er bekommt auch bald ein Geschwisterchen. „Meine Frau Silvany erwartet voraussichtlich Ende Oktober wieder ein Baby“, schickt Peter Glöckner vorweg und man  bemerkt seine Freude. Während er seine Expeditionen unternahm, lebte die gebürtige Brasilianerin einen Großteil der Zeit bei ihrer Schwester in Manaus und bei den Eltern. Zwei Monate war der Weltenbummler allein mit dem Fahrrad in Amazonien unterwegs, ging unter anderem wirtschaftlichen Großprojekten nach, die in früherer Zeit weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatten. Zum Beispiel der Investition von VW. Der Konzern ließ in den 70er-Jahren gigantische Urwaldflächen roden, um eine riesige Farm aufzubauen. Was nicht gut für das Image des Autobauers war. Heute ist das Areal wieder überwiegend Weideland. Die Regierung kaufte die Flächen auf und gab sie landlosen Familien. Peter Glöckner wählte für seine Tour diesmal die Regenzeit, was ihm zwar weniger Stechmücken und staubige Pisten einbrachte. Dafür musste er sich jedoch teilweise durch Schlamm kämpfen. Ein Zelt sorgte für trockenen Unterschlupf in den Nächten. „Ich habe immer so viel Essen dabei, um mich mindestens drei Tage verpflegen zu können. Das Rezept stammt von einem anderen Weltenbummler. Instantnudeln, eine Zwiebel und eine Büchse Sardinen rein, Salz und scharfe Chilisoße dazu und das ganze 20 Minuten stehen lassen“, verrät Peter Glöckner. Die Umgebungstemperatur von 30 Grad Celsius reiche völlig aus zum Garen. Somit erspare er sich das Kochen.

Die Sierra Pelada war ein weiterer Anlaufpunkt: Hier wurde um 1980 zum ersten Mal Gold gefunden in Amazonien, was einen unheimlichen Rausch zur Folge hatte. Heute sei das Loch vollgelaufen. Eine kanadische Firma baut den begehrten Bodenschatz industriell ab, die typischen Goldsucher findet man nur noch vereinzelt. Peter Glöckner begab sich auf die Spur der Transamazonica – einer Straße, die das Militär in den 70ern in den Urwald schlug, um das Hinterland zu erschließen. Ein Fehlschlag – die Straße sei kaum noch nutzbar.
Am Rio Xingo soll der drittgrößte Stausee der Welt entstehen, was weltweit für einen Sturmlauf der Umweltschützer sorgte. Gigantische Urwaldflächen würden überschwemmt. Vor Ort selbst erlebte der Zinnaer bei Einwohnern überwiegend Desinteresse, was ihn regelrecht schockierte und sprachlos machte. „Die Mentalität der Menschen in Brasilien ist eben anders. Man nimmt das Leben, wie es kommt“, weiß der 42-Jährige.

Nächste Station war Fordlandia. Hier hatte der amerikanische Automobilhersteller Henry Ford in den 20ern gewaltige Urwaldflächen beseitigen lassen, um eine Plantage mit Kautschuk-Bäumen zur Gummigewinnung anlegen zu lassen. Auch das ging schief. Heute stehen in filmreifer Kulisse leer stehende Fabrikanlagen mitten im Urwald. „Spannend zu sehen“, so Peter Glöckner. Mit seinem Weltenbummler-Freund Axel Brümmer, der sich derweil um das gemeinsame Hilfsprojekt für Straßenkinder in Bolivien kümmerte, begab er sich anschließend zwei Monate auf Expedition. Ein Fernsehteam, das einen Film über Brasilien plant, begleitete sie drei Wochen mit dem Boot. Es ging zur Farm von Einsiedler Eberhard, der allerdings verstorben ist. Seine Frau wohnt noch mitten im Dschungel. Glöckner und Brümmer reisten an die Grenze zu Venezuela, fuhren auf dem Casiquiare. Erst mit dem Schlauchboot, später mit einem neun Meter langen Einbaum. Rund 1000 Kilometer paddelten sie. Als sich beide später nach mühsamer Wanderung an die Besteigung des höchsten Bergs von Brasilien, dem Pico da Neblina, machten (knapp 3000 Meter hoch), scheiterte Peter.

„Ich war stark erkältet, lief außerdem schon auf dem blanken Fleisch. Axel hat es aber geschafft.“ Problem: Weil es keine vernünftigen Schuhe gab, mussten sie mit nagelneuen Militärstiefeln losziehen.  Die zwei Weltenbummler werden im nächsten Buch ausführlich berichten. Ihre Dia-Vorträge, die von November bis Februar geplant sind, sollen erst einmal über die Australien-Tour 2010/2011 Aufschluss geben. Nächstes Jahr will Peter Glöckner wieder drei Monate nach Brasilien. Bis dahin bleibt er in Zinna.

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