Freitag, 19. April 2019
Freitag, 23. Dezember 2011

HISTORIE

Geharkt werden durfte im Wald nur am Mittwoch und Sonnabend

Das einstige Pfarrhaus ist neben der Kirche eines der ältesten Gebäude Tauras (hinterer Teil wurde später angebauter).Foto: Paul Hampel

Von Paul Hampel

Taura (TZ). Wir blicken auf das Jahr 1835 zurück. Der Ort am Heiderand gehörte bereits seit 1815 zum Königreich Preußen. In 49 Häusern wohnten 294 Einwohner. Es gab keinen elektrischen Strom, und das Trinkwasser wurde dem eigenen Brunnen entnommen. Die Dorfstraße war unbefestigt, und in andere Ortschaften gelangte man zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk.

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Taura (TZ). Wir blicken auf das Jahr 1835 zurück. Der Ort am Heiderand gehörte bereits seit 1815 zum Königreich Preußen. In 49 Häusern wohnten 294 Einwohner. Es gab keinen elektrischen Strom, und das Trinkwasser wurde dem eigenen Brunnen entnommen. Die Dorfstraße war unbefestigt, und in andere Ortschaften gelangte man zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk. Die meisten Ortsansässigen waren Bauern. Sie wurden Hüfner genannt. Abgeleitet von dem damaligen landwirtschaftlichen Flächenmaß Hufe. Eine Hufe entsprach 19,9 Hektar. Bei Auflistungen der Hüfner des Ortes konnte man durch die obligatorische Hinzufügung 1/2 oder 3/4 die Größe des Grundbesitzes erkennen. Neben einer  Gärtnerei gab es im Dorf drei Getreidemühlen, welche mit Wasserkraft angetrieben wurden. Jene waren auch in der Lage, mit zusätzlichen eingebauten  Schneidwerken aus den Baumstämmen des Bauernwaldes Bretter zu fertigen.

Unentbehrliche Dienstleister der Bauern waren ein Stellmacher und zwei Schmiede. Der Gemeindeschäfer wäre auch noch zu erwähnen. Wenn die Männer ihren Bierdurst stillen wollten, konnten sie beim Schankpächter einkehren. Im Dorf gab es weder einen Bäcker noch einen Fleischer oder einen Kolonialwarenhändler. Auf den Bauernhöfen versorgte man sich weitestgehend selbst. Das tägliche Brot sowie Butter, Käse, Fleisch und Gemüse kam aus eigener Produktion. In Haus und Hof, auf der Wiese und dem Feld dominierte die teils auch sehr schwere Handarbeit. Die dazu benötigten Arbeitsgeräte sind in einer Sammlung im örtlichen Museum Taura für die Nachwelt ausgestellt. Blicken wir weiter in der Ortsgeschichte zurück: Das Dorfoberhaupt war der Hüfner, und als Ortsrichter fungierte Gottlieb David Schneider. In Personalunion war er ebenfalls Richter der Mark Weißig. Gleichzeitig war er Richter der Mark Weißig. Der Pastor Ernst Laun war seit 1829 als Prediger angestellt. Als Schulmeister, Küster und Ortschronist ging Johann Christian Hering in die Dorfgeschichte ein. Er war 1827 von Probsthain, wo er bereits seit 1818 Kinder unterrichtet hatte, nach Taura gekommen. Nun gab er in einem Klassenraum im historischen, ersten Schulgebäude des Ortes 38 Knaben und 37 Mädchen Unterricht. Für die Ortschronik brachte der Lehrer Hering handschriftlich Nachstehendes zu Papier: Ab 1823 wurde das Zusammenharken von Streumaterial aus der königlichen Waldung für den Streubedarf in den Ställen der Bauernhöfe neu geregelt. Geharkt werden durfte nur Mittwoch und auch am Sonnabend, von September bis März, und 30 Taler waren zu berappen.

1832 hat die Regierung die von der Gemeinde zu stellenden königlichen Hoffuhren (wöchentlich sechs vierspännige Wagen) durch jährliche Zahlungen in der Höhe von vier Talern, 28 Silbergroschen und vier Pfennigen abgelöst. Im gleichen Jahr wurden durch Veranlassung von Ortsrichter Schneider in der Mitte des Dorfes, entlang der Straße, Linden für eine Allee gepflanzt. Unverständlich, aus heutiger Sicht, dass erst 1832 das hohe Gehege um die gesamte Feldflur entfernt wurde. Es erinnerte an Sachsens Kurfürstliche Jagd, wo ganze Herden von Wildtieren die mühsam bebauten Äcker verwüsteten. Die Bauern waren dagegen machtlos. Wer sich gewagt hätte, ein Wildschwein oder gar ein Stück Rotwild zu töten, der musste mit einer Zuchthausstrafe rechnen.

Im Dezember 1833 tobte über dem Heidedorf ein heftiger Orkan. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt. Auch das Kirchendach und der Turm erlitten großen Schaden. Das Müllersche Häuslergebäude stand plötzlich in Flammen und brannte bis auf die Grundmauern ab.
Der Wald wurde streckenweise zu Bruchholz. Das Dorfoberhaupt schätzte den Schaden auf 1000 zerborstene Baumstämme. Im darauffolgenden Jahr 1834 machte ein Spätfrost im Mai und danach ein sehr heißer und extrem trockener Sommer den Tauraern arg zu schaffen. Der Schulmeister Hering setzte seine chronistischen Aufzeichnungen bis 1868 fort. Im gleichen Jahr beging er sein 50-jähriges Lehrerjubiläum. Das, was er einst aufgeschrieben hatte, wurde 1932 bei Reparaturarbeiten dem Kirchturm entnommen.

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