Dienstag, 26. September 2017

 
Samstag, 4. August 2012

UMWELT

Die Faszination der Segler

Ein junger mit der Hand aufgezogener Mauersegler.Foto: Selter

Von Dieter Selter

Torgau (TZ). Die Stadt Torgau ist eine der Hochburgen der Mauersegler im Größenvergleich zu anderen Städten in Sachsen. Genauere Zahlenangaben aus dem Bundesland sind zurzeit nicht möglich, da ein neuer Brutvogelatlas noch nicht erschienen ist.

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Torgau (TZ). Die Stadt Torgau ist eine der Hochburgen der Mauersegler im Größenvergleich zu anderen Städten in Sachsen. Genauere Zahlenangaben aus dem Bundesland sind zurzeit nicht möglich, da ein neuer Brutvogelatlas noch nicht erschienen ist. Angaben aus dem Atlas der Brutvögel Sachsens, erstellt von unzähligen Ornithologen aus dem Bundesland, und veröffentlicht im Jahre 1998, beziffert einen Brutbestand damals von 15 000 bis 30 000 Brutpaaren, Tendenz fallend. Damals! Die Stadt Torgau gehört heute in puncto Schutz von Gebäude bewohnenden Arten mit zu den führenden Städten im Bundesland. Verantwortliche Beamte arbeiten eng mit Wohneigentümern zusammen, um Vogelarten, die Gebäude als Brutstätte nutzen, zu schützen. Eberhard Leich, Mitarbeiter beim Umweltamt und Artenkenner, beziffert die Brutpaare auf etwa 400. Genaue Angaben lassen sich jedoch nicht machen, sagt er. Wer aber mit offenen Augen durch die Stadt geht kann in den Häuserschluchten im Sommer die lauten Flüge des Mauerseglers vernehmen. Trupps bis zu 18 Tieren und mehr jagen unter lauten „srieh, srieh, srieh“-Rufen dahin. In den Wohngebieten bieten unzählige Brutmöglichkeiten den Seglern Nistmöglichkeit.

Segler sind eine faszinierende, weltweit verbreitete Vogelartengruppe. Mit zurzeit noch 92 Arten sind sie auf fast jedem Kontinent vertreten. Arten wie Schwarzsegler aus Nordamerika, Weißnestsalangane aus Malaysia, Eilsegler aus Südostasien, Schornsteinsegler aus Südkanada, Wießbrustsegler verbreitet über Nordamerika bis Guatemala, Schwalbensegler aus Mexiko, Palmensegler aus Afrika, Alpensegler aus dem Mittelmeerraum bis Zentralasien und Kronenbaumsegler aus Indochina sind als Beispiel zu nennen. Die Vogelart ist an den Luftraum hervorragend angepasst. Ihre besondere Körperform mit den äußerst langen Flügeln lässt sie hervorragend den Himmel beherrschen und weite Strecken mit nur geringem Energieverbrauch zurücklegen. Ihre Brutplätze befinden sich in Felsen, in Baumhöhlen oder bei Kulturfolgerarten im Siedlungsraum des Menschen. Die Nester werden entweder napfförmig aus mit Speichel zusammengeklebten Material an Felswänden, Ästen oder Blättern, oder in Felsspalten und Baumhöhlen gebaut. Je nach Art legen die Segler ein bis sechs Eier und haben eine Nestlingszeit von 34 bis 72 Tagen. Die Geschlechter sind gleich gefärbt.

Bei uns, das heißt in der Stadt Torgau erscheinen die ersten Segler so um den 1. Mai. In den nächsten 10 Tagen werden dann fast alle Reviere besetzt. Die Vögel brüten in Kolonien. Je nach Nistmöglichkeiten können bis zu 20 Brutpaare in einem Wohnblock oder Haus brüten. In Prettin, Sachsenanhalt, kannte ich einen Wohnblock mit etwa 30 Brutpaaren. Sie fanden Einschlupf im Dachkasten des Hauses. Für die Mauersegler ist der Sommer kurz. Nur drei Monate verbleiben für ihn. Sofort nach der Ankunft reinigen sie die Nester, entfernen Kongruenzarten und beginnen mit dem Brutgeschäft. Beide Geschlechter bleiben über Jahre zusammen, das haben Beringungen ergeben, und nehmen denselben Brutplatz oftmals über lange Zeit an. Nach dem Ausbrüten der Jungvögel, an dem sich beide Partner beteiligen, werden die ein bis zwei Nestlinge mit Insekten, die aus der Luft im zügigen Fluge gefangen werden, gefüttert. Bei gutem Wetter und Nahrung wachsen die Vögel relativ schnell.

Es vergeht wohl kein verregneter Juli, wo man nicht halbwüchsige, aus dem Nest gefallene Segler, finden kann. Namentlich dann, wenn längere Zeit hindurch kaltes und nasses Wetter geherrscht hat, und somit die Alten für ihre „Kleinen“ keine oder nur knappe Nahrung erwerben konnten. In ihrer Verzweiflung krabbeln die Jungvögel über den Nestrand und fallen zu Boden. Viele verhungern oder verklammen im Nest. Trotzdem überleben viele der Segler wenn sie einmal ausgeflogen sind. Sie sind dann sofort selbstständig. Ab der ersten Augustwoche verschwinden die Mauersegler schlagartig aus unserer Region. Einige Brutnachzügler kann man natürlich noch hier und da beobachten. In den Überwinterungsgebieten in Afrika oder Madagaskar verbleiben die Vögel nur im Luftraum. Sie lassen sich von der Thermik tragen und sollen sogar im Fluge schlafen.   

Wissenswertes:
Auf dem Foto ist ein mit der Hand aufgezogener Mauersegler zu sehen. Das Tier haben mir Schüler der Montessori-Grundschule Torgau gegeben. Der Vogel ist seit dem 13. Juli sehr gut gewachsen und ich glaube, dass er bis Anfang August abfliegen wird. Der kleine Segler benutzt seine langen Flügel erst, wenn er „starten“ wird. Solange bleiben sie geschlossen. Wenn die Flügellänge 16 bis 17 cm erreicht hat, fliegt er in die Lüfte, er schafft dies sogar von der Erde aus. Beim Füttern kriecht er unbeholfen auf der Hand umher. Die Pflege des Vogels macht aber trotz allem sehr viel Arbeit, lohnt sich aber weil die Vögel ein sehr hohes Alter erreichen können.


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