Dienstag, 20. November 2018

 
Mittwoch, 19. September 2012

LOKALGESCHEHEN

Im Fleischmarkt 5 öffnet Erzählcafé

Daniela Voigt vom Senioren Selbsthilfe Verein setzt große Hoffnung in die Erzählreihe, die durch den Lokalen Aktionsplan Nordsachsen gefördert wird.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Mit einer Neuerung wartet am morgigen Donnerstag der Senioren-Selbsthilfe-Verein Torgau auf: In der neuen Reihe „Erzählcafé“ geht es um Geschichten, die nicht vergessen werden sollten.

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Torgau (TZ). Mit einer Neuerung wartet am morgigen Donnerstag der Senioren-Selbsthilfe-Verein Torgau auf: In der neuen Reihe „Erzählcafé“ geht es um Geschichten, die nicht vergessen werden sollten. Elke Theuerkorn macht am Nachmittag von 16 bis 18 Uhr den Anfang: Die Torgauerin spricht im Fleischmarkt 5 über die Unwegsamkeiten der Wohnungssuche zu DDR-Zeiten und was sich im Vergleich zu heute alles geändert hat. Dabei will sie unter anderem der Frage nachgehen, wie demokratisch die Wohnraumvergabe im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat war. Daniela Voigt vom Verein setzt große Hoffnung in die Erzählreihe. „Hier besteht die Möglichkeit, dass Jung und Alt ins Gespräch kommen. Geschichte erhält ein Gesicht.“

Zu den Erzählcafés kommen einmal im Monat verschiedene Gesprächspartner, die über spannende, dramatische und lustige Begebenheiten in ihrem Leben berichten. Die Besucher sind eingeladen, sich gleichfalls zu erinnern, sodass Gespräche über Alters- und Erfahrungsunterschiede hinweg entstehen. Am Donnerstag, dem 11. Oktober, folgt Teil zwei der Reihe. An jenem Donnerstag hat sich der Torgauer Hans-Joachim Albrecht angekündigt. Er erlebte nicht nur als neunjähriger Junge die Bombardierung Berlins während des Zweiten Weltkriegs. Als Wahlhelfer im Flachglaskombinat Torgau hatte Albrecht die Strenge des DDR-Systems am eigenen Leib zu spüren bekommen, als er sich mit offensichtlichen Wahlschummeleien nicht abfinden wollte und dies an höhere Stellen meldete. Teil drei entführt die Gäste am Donnerstag, 15. November, in die Punker-Szene der DDR. Mit Geralf Pochop gibt ein Insider Einblick in die damaligen Verhältnisse, die von vielen nur mit Assitum tituliert worden waren.

Pochop dürfte Torgauern vor allem in Verbindung mit dem Brückenkopf und der Punkgruppe „Gleichlaufschwankung“ ein Begriff sein. Bevor am Dienstag dem, 27. November, Günter Fiege zum Thema „Kiwis, D-Mark und Mallorca“ in seinen Erinnerungen kramt, über seine Erwartungen, die politische Wende und die vielen Enttäuschungen spricht, gibt es am 20. November eine Extra-Runde mit Geralf P. und Tanja Trash. Das Duo berichtet dabei über seine Erlebnisse, als es „mit Rucksack und Kind durch China“ streifte. Beide Wahl-Torgauer bereisten China für anderthalb Jahre zu zweit. Anfang 2012 weilten sie wieder für mehrere Monate dort, diesmal mit den Töchtern (1,5 und 5 Jahre alt). Dieses Erzählcafé findet als Diashow statt und beginnt 18 Uhr.  In den Erzählcafés wird das Thema Alzheimer keine Rolle spielen. Umso mehr rückt die schleichende Krankheit an diesem Freitag, dem 21. September, in den Blickpunkt, wenn es in den Räumen des Senioren-Selbsthilfe-Vereins zum Weltalzheimertag zahlreiche Veranstaltungen gibt.

Jener Aktionstag richte sich nach Angabe von Daniela Voigt gleichsam an Demenzbetroffene wie auch an deren Angehörige, aber auch an alle Interessierten. Fachreferenten informieren umfassend über das Krankheitsbild und stellen das Hilfsnetzwerk in unserer Region vor. Eine Rechtsanwältin gibt Hinweise zur Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Weiterhin wird über Palliativpflege informiert, eine spezielle Form der Pflege, die dann angewandt wird, wenn die Heilung des Patienten ausgeschlossen ist und er dennoch würdevoll weiterleben soll. Doreen Bürger stellt das Projekt „Alltagsbegleiter“ vor, das vom Freistaat Sachsen und dem Europäischen Sozialfonds getragen wird. Alltagsbegleiter bieten älteren Personen eine kostenlose Möglichkeit, Unterstützung im Alltag zu erhalten. „Gern informiere ich auch ältere Menschen darüber, ob dieses Angebot etwas für sie wäre,“ nickt Doreen Bürger. Für Daniela Voigt endet dieser Tag mit einer Herzensangelegenheit: „Ich werde 16 Uhr einen Schnupperkurs zum Thema Kommunikation anbieten.“ Schwerpunkt liegt auf der Gesprächsführung mit dementen Menschen. Funktionierende Kommunikation sei aber ein Thema, das alle beträfe, freut sie sich auf viele Teilnehmer.

  Weitere Informationen:
    Fleischmarkt 5, Torgau, 03421 776 806
    oder www.seniorenzentrum-torgau.de

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TORGAU. „Was nicht gepasst hat, wurde passend gemacht!“ Scharf dringen diese Worte in der Grußansprache von Roland Jahn durch die dichtbesetzten Sitzreihen der Alltagskirche in die Ohren der Frauen und Ma¨nner. Alle wissen: Er meint nicht etwa einen groben Holzklotz oder ein Werkstu¨ck. Der Bundesbeauftragte fu¨r die Unterlagen des Staatssicherheits- dienstes der ehemaligen DDR spricht von jenen 4046 Jugendlichen, die zwischen 1964 und 1989 zur „Umerziehung“ in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen wurden. Diese jungen Menschen zwischen 14 und 18 Jahren wur- den „passend gemacht“. Mit ko¨rperlicher Gewalt, Drill, Repressalien, Demu¨tigung, Intrigen, entwu¨rdigenden Ritualen, auch mit sexueller Gewalt. So artete sozialistische Erziehung im DDR-Regime aus.

 

... und keiner hat was mitbekommen

 

Genau 29 Jahre, nachdem der letzte Jugendliche am 17. November 1989 aus der Torgauer Anstalt entlassen wurde, gab es am Samstag, 17. November 2018, eine Festveranstaltung zum 20ja¨hrigen Bestehen der „Gedenksta¨tte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“ (GJWH). Sie umrahmte das nunmehr 16. Treffen ehemaliger Heimkinder und begann mit einem Festakt am Vormittag in der Torgauer Alltagskirche. Roland Jahn erinnerte an zehntausende Biografien, die von der Willku¨r der DDR-Diktatur gezeichnet wurden und bis heute gescha¨digt sind. Und: Von allen Jugendwerkho¨fen und Heimen sei Torgau jedoch am Ha¨rtesten, Unbarmherzigsten gewesen, bekannt als „Ho¨lle von Torgau“. Und er fragt, was in vielen Ko¨pfen weiterhin rumort: Was war los in Torgau, dass anscheinend keiner etwas mitbekommen hat?“

 

Eine Antwort bleibt aus. Sie ist wohl auch ku¨nftig nur mit den diktatorischen DDR-Scheuklappen zu erkla¨ren, die jeden intensiveren Blick als staatsfeindlich gewertet ha¨tten.

 

Gabriele Beyler, Vorstandsvorsitzende der Initiativgruppe, hatte die Ga¨ste herzlich begrüßt. Und gleichwohl sie aus unza¨hligen Gespra¨chen die Schicksale ehemaliger Heimkinder kennt und weiß, was sich hinter den Mauern, in den Arrestzellen, bei der sportlichen Ertu¨chtigung an der „Sturmbahn“ und in den „Sanita¨rra¨umen“ zugetragen hat, ist sie wa¨hrend des Festaktes und auch anschließend in der Gedenkstätte sichtlich beru¨hrt von den herzlichen Begegnungen – und den allzu schmerzlichen Erinnerungen. Die Ehrenga¨ste, vor allem Politiker und

 

Vertraute, die den langen und beschwerlichen Weg des einstigen Jugendwerkhofes hin zur bundesweit einzigartigen Gedenksta¨tte fo¨rdernd begleiteten, haben die Einladung zum Festakt sehr gern angenommen. Doch im Mittelpunkt ste- hen die Betroffenen. Denn hauptsa¨chlich ihr Mut war der Auslöser dafür, dass die unfassbar leidvolle DDR-Heimerziehung überhaupt zum Thema wurde. 

 

 

Bundesweit etabliert

 

Dr. Eva-Maria Stange, Staatsministerin fu¨r Wissenschaft und Kunst, wu¨rdigte das ehrenamtliche Engagement der Initiativgruppe. Sie überbrachte herzliche Grüße von Ministerpra¨sident Kretschmer. Er hatte die Gedenksta¨tte unla¨ngst be- sucht. Dr. Stange ku¨ndigte an, dass der Freistaat ku¨nftig noch besser unterstu¨tzen wolle. Schließlich sei es dem hartna¨ckigen Dranbleiben von Gabriele Beyler und ihren Mitstreitern zu verdanken, dass die Institution als wichtiger Erinnerungsort der DDR-Geschichte innerhalb der Gedenksta¨ttenlandschaft auch bundesweit etabliert werden konnte.

 

Torgaus Oberbu¨rgermeisterin Romina Barth nutzte die Chance, vor allem das ehrenamtliche Wirken zu wu¨rdigen. Die Einrichtung habe im heutigen Torgau, der Stadt der Renaissance und der Begegnung, einen festen, mahnenden Platz erhalten. Dieser Teil der Geschichte sei dunkel und brauche deshalb O¨ffentlich- keit.

 

Prof. Bernd Neumann, Staatsminister a. D., schloss sich diesem Gedanken an: Es mu¨sse noch mehr zur Aufgabe gemacht werden, solche Orte und Geschehnisse in die Wahrnehmung der Menschen zu ru¨cken. Er sprach aus eigener Erfahrung: Fu¨r ihn habe der 3. September 2008, der Tag, an dem er zum ersten Mal die Torgauer Gedenksta¨tte besucht habe, Grundsa¨tzliches vera¨ndert. Damals er- kla¨rte er sich spontan bereit zu unterstu¨t- zen – und er tat es vielfach, wie Gabriele Beyler bekra¨ftigte.

 

Markus Meckel, Vorsitzender des Stiftungsrates der Bundesstiftung zur Aufar- beitung der SED-Diktatur: „Wer das hier einmal erlebt hat, den la¨sst das nicht mehr los.“ Die Opfer kommunistischer Herrschaft mu¨ssten viel mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft geru¨ckt werden. Das sei la¨ngst nicht in vollem Umfang geschehen. Meckel pla¨diert zudem fu¨r eine Gesetzesa¨nderung, die auch DDR-Heim-Kindern, die bis zu einem halben Jahr zwangseingewiesen wurden, eine Opferrente ermo¨glicht.