Donnerstag, 17. Januar 2019

 
Dienstag, 8. Januar 2013

KULTUR

Ein ahnend zu erfahrendes Geheimnis

Christiana Heidemann (Mitte) am vergangenen Freitagabend im Rahmen der Vernissage zu ihrer Ausstellung in der Kleinen Galerie im angeregten Gespräch mit Besuchern. Foto: TZ/Lehmann

Von Dr. Anneliese Hübscher, Kunsthistorikerin

Torgau (TZ). Die neue Ausstellung in Torgaus Kleiner Galerie „Der stumme Dialog“ – sprachlos – wortlos – aber sehend – über die optisch- sinnliche Wahrnungsfähigkeit erschließt sich dem Betrachter die ästhetische Formensprache ...

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Torgau (TZ). Die neue Ausstellung in Torgaus Kleiner Galerie „Der stumme Dialog“ – sprachlos – wortlos – aber sehend – über die optisch- sinnliche Wahrnungsfähigkeit erschließt sich dem Betrachter die ästhetische Formensprache und emotionale Ausdruckskraft der Werke Christiana Heidemanns. Aber auch die Gemälde und Plastiken ihrer aktuellen Ausstellung in Torgaus Kleiner Galerie stehen in unterschiedlichen Beziehungen – Dialogen – zueinander. So beschäftigt sich die Künstlerin schon über einen längeren Zeitraum mit der Darstellung von Narren.

Der Narr ist aber für sie nicht die Kasperlfigur, sondern er steht für menschliche Charaktereigenschaften. So begegnet uns in dem Gemälde „Der goldene Narr“ eine schillernde Persönlichkeit, er präsentiert sich uns in vollendeter Grazie, ein wenig arrogant und herablassend. Aber der strahlende Glanz, der von seinem goldenen Gewand ausgeht, ist nicht das Strahlen seiner Seele, sondern ein oberflächlicher blendener modischer Effekt. Aber auch heraustretend aus dem Bildraum bleibt er in der Plastik die gleiche faszinierende, aber eben nur blendende Persönlichkeit. In den verschiedenen Porträtköpfen fängt die Künstlerin verschiedene emotionale Situationen ein. Eine so weitgehende Identität zwischen Gemälde und Plastik wie bei dem „Goldenen Narren“ oder auch der „Königin der Herzen“ ist selten in einem Gesamtwerk.

Zu den weitreichenden und tief im mythologischen Bewusstsein der Menschheit verankerten philosophischen Themenkomplex der „Vier Elemente“ Feuer, Wasser, Erde und Luft schuf Christiana Heidemann vier großformatige Gemälde und vier Plastiken, die denkmalhaft auf hohen Sockeln postiert sind. Die vier Urelemente waren die Grundlage des „Kosmologischen Weltbildes“ der altgriechischen vorsokratischen Philosophie. Diese Elemente waren die alleinigen Bestandteile aller sichtbaren Dinge. Unter unterschiedliche Existenz- und Erscheinungsform ergibt sich deren Mischung und Zusammensetzung. Mit dem Beginn der naturwissenschaftlichen Forschung verlor das kosmologische Weltbild seine Bedeutung. Aus den Urelementen gingen die vier Allegorien hervor. In der Geschichte der bildenden Kunst erfuhren sie seit der Renaissance eine wechselvolle rationale und ästhetische Ausdeutung, die ihre Erscheinungsform bestimmte, wobei ihre soziologische und philosophische Integration in die Zeitgeschichte eine Rolle spielte.

Christiana Heidemann berücksichtigt bei der Darstellung der vier Elemente in ihren Gemälden einerseits deren bedrohenden, zerstörenden Charakter (zum Beispiel Feuer), andererseits deren lebenserhaltenden erneuernden Charakter (zum Beispiel Erde, Wasser). Alle vier Personifikationen haben Flügel, die sie aus dem Bereich der Realität in den einer Transszendenz erheben. Das Feuer ist eine massige, kraftgewaltige Gestalt, die den Bildraum zum Bersten ausfüllt und ihn zu sprengen droht, sich zur Katastrophe entfaltend, das Gemälde, von dem die stärkste emotionale Bedrohung des Betrachters ausgeht. Eine der originellsten Ausdeutungen ist die sich in einem kraftvollen Wirbelsturm entfaltende Luft. Eine lyrisch zarte Poesie blüht in den beiden Gemälden „Wasser“ und „Erde“ auf und entfaltet sich in einem lichten Blau, der Sehnsuchtsfarbe der deutschen Romantik. Eine bewusste Antithese zu den Kräften „Feuer“ und Luft“, die Gewalt und Zerstörung beeinhaltend, dargestellt sind.

Die Erde ist der ruhende, beharrende Pol. Die Flügel entfalten sich weit geöffnet am Rücken, bilden gleichsam eine Mandorla. Sie blickt als einzige nach oben. Einen ruhigen Fluss des „Wassers“ verkörpert eine schlanke lang gestreckte Figur in ihrer geschmeidigen Körperlichkeit. Auf dem langen, wellenförmig herabfließenden Gewand zeichnen sich, diese reflektierend, die kleineren Wellen des Wassers ab. Sie hat nur einen sichtbaren Flügel. Wohingegen die Figur der „Luft“ gleich über vier Flügel verfügt, die wie Windmühlenflügel am Rücken angeordnet sind, aber zwei schließen sich als Arme eng um die Figur, die leicht in die Hocke gegangen ist, um den auf sie zukommenden Wind aufzunehmen.

Obwohl sich die Plastiken und das Gemälde, die thematisch „Flora“ umkreisen, einen engen künstlerischen Komplex bilden, sind die Beziehungen zur „Erde“ – einem der vier Elemente - unleugbar. Darüber hinaus wurzelt sie als Symbolfigur ebenfalls im Mythenschatz der Menschheit, und die Naturwissenschaft hat ihren Namen als Gattungsbegriff für die Pflanzenwelt der Erde eingesetzt. In der griechischen Mythologie ist „Flora“ die Göttin der Blumen, aber auch die Göttin des Frühlings, des kosmischen Neubeginns. Mit dem Sieg der Sonne über den Winter beginnt es allenthalben üppig zu blühen. Mit der Plastik „Flora“ gelingt es Christiana Heidemann, jenen Zauber der üppigen Blütenpracht im Frühling und die zu erwartende Zeit des Reifens darzustellen. Ein geheimnisvolles anmutiges Wesen, gehüllt in ein dunkelgrünes über und über mit Ornamenten durchwebtes Schleiergewand, breitet die Arme weit aus, um mit dem auf den Boden herabfallenden Gewand die Erde zu erwecken. Dem stellt die Künstlerin mit dem Gemälde „Floras Traum“ eine erschreckende Endzeitvision gegenüber. Noch voller Hoffnung, wenn auch schon gezeichnet, „Flora II“. Aus einer Bandage mit eingeschnürter Hand wächst das leidvolle, aber noch unendlich schöne Antlitz der Göttin empor. Auf ihrem Haupt – an eine  Dornenkrone erinnernd – breitet sich ein gestutztes abgestorbenes Astwerk aus, darinnen noch einige wenige vertrocknete Früchte. Neben der Plastik liegen bunt eingefärbte Keramikblätter.

Christiana Heidemann wendet sich mit der künstlerischen Gestaltung der „Sieben Planeten“ der Astrologie zu.  Obwohl eine Frühkulturideologie, hat sie bis in die Gegenwart ihre Bedeutung nicht verloren. Sie beruht auf dem dunklen Gefühl eines ungeheuren Weltganzen. Ihre Grundannahme ist die Lehre der Allverbundenheit, einer machtvollen Analogie zwischen Kosmos und Menschenwelt, wobei jede Ebene das Symbol der anderen ist. Das, was auf Erden geschieht, ist im Himmel vorgebildet. Noch heute hofft man, aufgrund von Horoskopen sein individuelles Schicksal und die eigene Zukunft zu erfahren. Doch wie fügen sich die „Sieben Planeten“ in ihrer gnomenhaft dämonischen Erscheinungsform in das von astralen Gesetzen bestimmte astrologische Weltbild?

Die sieben Planeten – Sonne und Mond, Mars, Jupiter, Venus, Merkur und Saturn – sind im astrologischen Weltbild keine toten Körper, sondern Manifestationen, Symbole und Träger übermenschlicher Wesenheiten und Seelenkräfte. Ihre Ausdeutung hat im Verlauf ihrer tausendjährigen Geschichte in den unterschiedlichen Weltkulturen Wandlungen vollzogen und neue Aspekte hinzugewonnen. Einer künstlerischen Gestaltung ist mit rationalen Überlegungen nicht beizukommen, um eine assoziativ anregende Metapher für jene mythisch-seelische Symbolik zu schaffen. Christiana Heidemann findet intuitiv die magischen Gestaltungsräume mit ihrem Unbewussten zu verbinden. So sind die sieben Personifikationen ausgesprochen individuell und letztlich rational auch nicht erklärbar. Man muss sich emotional erlebend auf die einlassen. Das Geheimnis ahnend erfahren. Die Ausstellung in der Kleinen Galerie des Torgauer Kunst- und Kulturvereins ist noch bis zum 21. Februar zu besichtigen.

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