Samstag, 4. Juli 2020
Dienstag, 30. Juni 2020

TORGAU

Stadt Land Flucht - Alte Gefilde und jede Menge neuer Wege

Aus insgesamt sechs Musikern besteht die Band 100 Kilo Herz: Rodi (Gesang/Bass), Falk (Drums), Flecki (Trompete), Claas (Saxophon), Marco (Gitarre), Clemens (Gitarre). Foto: Mario Hausmann

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Das neue Album der Leipziger Punkband 100 Kilo Herz steht in den Startlöchern und vermischt wieder einmal Punkrock mit Blasmusik

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Auch wenn die deutsche Punkband 100 Kilo Herz ihren jetzigen Mittelpunkt in der großen Stadt Leipzig hat, sollte sie doch auch dem einen oder anderen Torgauer ein Begriff sein. Schließlich hat die Gruppe in der Vergangenheit nicht nur bereits mehrmals, zuletzt 2019, im Brückenkopf Konzerte gespielt, zwei der Mitglieder stammen auch aus einer der bekannteren Torgauer Punkbands, den BlumentoPferden. Deren Comeback lässt im Moment zwar noch auf sich warten, neue Musik gibt es kommenden Monat jedoch von 100 Kilo Herz hören. Das neue Album „Stadt Land Flucht“ steht bereits in den Startlöchern und soll mehr von dem bieten, was die Vorgänger-Platte schon lieferte: Politisch aufgeladener Punkrock mit Bläsern. Doch auch neue Wege will man gehen.

„Wenn es brennt, passen wir auf uns auf!“ Mit diesen Worten beenden 100 Kilo Herz ihr zweites Album „Stadt Land Flucht“. Zwischen klaren linkspolitischen Statements gibt es dieses mal auch persönliche Themen, alles verpackt in dem bekannten Sound aus knackigem Punkrock und Ohrwurmmelodien von Saxophon und Trompete. Aufgenommen und bearbeitet wurde das Album im Winter 2019/2020 in einer Zeit, in der Rechter Terror in vielen Teilen Deutschlands und das Versagen demokratischer Parteien in Thüringen den Themen auf „Stadt Land Flucht“ einen sehr bitteren und brandaktuellen Hintergrund bieten.

Der Opener „Drei Jahre ausgebrannt“, welcher gleichzeitig als erste Single fungiert und jetzt schon auf YouTube und Spotify angehört werden kann, ist wohl als lupenreines Punkrock- und 100-Kilo-Herz-Stück zu bezeichnen. Kritik an der Gesellschaft und deren klassischen Alltagsrassismen und -sexismen, die immer wieder als Scherze oder Missverständnisse entschuldigt werden. Dazu wohl eine der spielerischsten Bläsermelodien der Bandgeschichte und einer der bösesten Refrains der Band.

Direkt mit dem zweiten Song „Tresenfrist“ geht es in weniger ‚klassische‘ Gefilde. Hier wird ein kritischer Blick auf übermäßigen Alkoholkonsum geworfen, eine Problematik, die vor allem in der Punkszene sehr selten angesprochen wird (und vielleicht gerade deshalb wichtig ist).

Dieser Wechsel zwischen bekannten, aber neu gedachten und nicht so offensichtlichen Themen zieht sich durch das gesamte Album. Zwischen kritischen Blicken auf die gesamte und kleine Gesellschaft(en) und Beobachtungen von zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es musikalisch und textlich gänzlich neue Haltepunkte in den Themen, die die Band hier anspricht. Hier ist vor allem „Sowas wie ein Testament“ zu erwähnen. Musikalisch das wohl eingängiste Stück, wird im Kontrast dazu im Text eine Beerdigung geschildert. Auch „Träume (Reprise)“ stellt als erste Ballade mit ebenfalls balladenuntypischem Liedtext eine Neuerung dar.

In die Dörfer zurück geht es in „Nur für eine Nacht“. Hierzu sagt Rodi, der Sänger der Band: „Obwohl es im Refrain heißt ,und so treiben wir, von Stadt zu Stadt’ geht es dort vor allem um die Dörfer. Wir sind selbst dort aufgewachsen und kennen das Gefühl, für einen Abend viel Kraft durch Musik zu bekommen und danach wieder in den Alltag zurückzumüssen und die alten Kämpfe, auch gegen die heimischen faschistischen Strukturen, schlagen zu müssen. Jetzt standen und stehen wir selbst oft auf den Bühnen, die wir teilweise von früher kennen. Manchmal bekommen wir gesagt, dass wir den Menschen helfen. Aber es bleibt auch immer das Gefühl, sie mit dem Wegfahren wieder allein zu lassen.“
Aus all diesen verschiedenen Songs hat es die Band geschaft, eine in sich schlüssige Platte aufzunehmen, die nur logisch in dem Finale aus „Scheren fressen“ und „Wenn es brennt“ mündet. Beide bieten nochmal ein volles musikalisches und politisches Brett. Ersteres wird dabei unterstützt von Planlos-Sänger Pino, ist eine Abrechnung mit AfD und Pegida und „Wenn es brennt“ als Abschluss der Platte bietet einen dystopischen Blick auf einen totalitären Staat und die beängstigenden Folgen davon.


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