Sonntag, 14. August 2022
Dienstag, 5. Juli 2022

TORGAU

"Ein Mann und seine Gitarre" - Helge Schneider spielt erstes Konzert auf Schloss Hartenfels

Helge Schneider 2021 auf der Leipziger Parkbühne. Am Freitag spielt der Entertainer zum erste Mal in Torgau. (Fotos: ) (Christian Modla)

von Olaf Neumann

Deutschlands beliebtester Musiker und Comedian ist auf Tour und besucht Torgau. Im Interview spricht er über Humor in Zeiten von Corona, guten Bühnenshows und seinem Sohn Charlie.

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Torgau Helge Schneider - Musikclown, Jazzer und Filmemacher, bringt sich mit Kreativität und neuen Ideen durch die Krise. Sein neues Live-Album dokumentiert einen beseelten Auftritt inmitten der Corona-Pandemie. Unter dem Motto "Ein Mann und seine Gitarre" geht der begnadete Anarcho-Entertainer jetzt wieder auf Tournee und besucht erstmalig auch Torgau. Am Freitag, den 8. Juli, spielt Schneider das erste Konzert seiner Tournee auf Schloss Hartenfels. Olaf Neumann hat den Künstler in seiner Kreativwerkstatt getroffen und mit ihm über Familie, Humor in Zeiten von Corona und gelungene Bühnenshows gesprochen.

Herr Schneider, eine Pandemie ist alles andere als eine gute Voraussetzung für Live-Alben. Dokumentiert "Live in Luxmbourg" einen ganz eigenen künstlerischen Ausdruck?Es war ein sehr schöner Abend mit einer tollen Atmosphäre im Dezember 2021, den ich mit Mehrkanaltechnik aufgenommen und nachträglich abgemischt habe. Jetzt kann ich mit einer aktuellen Live-CD auf Tour gehen.Was ist für Sie der Maßstab für eine gute Bühnenperformance?Die Atmosphäre. Die Akustik. Die Laune. Ich muss sagen, ich habe eigentlich immer unheimlich gute Laune, vor allem, wenn ich auftreten kann. Bei Corona ist das ja ziemlich kompliziert. Manche Veranstalter sind echt arm dran mittlerweile. Diese immer wieder sich ändernden Vorschriften. Trotzdem hatte ich fast 40 Auftritte letztes Jahr, glaub ich. Und wenn ich schon auftreten darf, macht es nicht nur den Zuschauern, sondern auch mir unheimlichen Spaß.Können Sie diese Hochstimmung halten, wenn Sie nach einem gelungenen Konzert wieder allein sind?Nach dem Auftritt ist plötzlich wieder Alltag, und das ist auch gut so. Ich fahre dann meist mit meinem Wohnmobil wieder nach Hause. Oder geh ins Hotel und freue mich schon auf das Frühstück.Wäre das Leben ohne die Bühne für Sie noch lebenswert?Tja, was für eine Frage. Ich denke, darüber müsste ich erstmal tagelang nachdenken.Sie sind unter dem Motto "Ein Mann und seine Gitarre" auf Tournee. Wer steht mit Ihnen diesmal auf der Bühne?Wir sind zu zweit - Sandro Giampietro (an der Gitarre; Anm. Red.) und ich - und haben irre Spaß daran. Wenn dann noch jemand dazu kommt, wenn er schulfrei bekommt und Lust hat, kann das nur ein lässiger Typ wie mein Sohn Charlie sein, der zur Familie gehört. Dadurch, dass Charlie mit seinem Schlagzeugspiel ein sehr erfolgreiches Ventil hat, gibt er damit anderen Kindern einen Anstoß, auch so etwas zu machen.Haben Sie Ihren Sohn zu seinem Instrument hin geschubst im Rahmen einer musikalischen Frühförderung?Als er ein halbes Jahr alt war, hat er sich an der Stand-Tom hochgezogen und dann im Rhythmus mitgespielt. Er hat einfach dieses metrische Gefühl und hört wahnsinnig gut zu, wenn ich etwas spiele.Wie entwickelt Charlie sich als Schlagzeuger?Ich habe jetzt ein halbes Jahr nicht mehr mit ihm gespielt. Ich glaube, dass er sich im Kopf weiterentwickelt. Alleine am Schlagzeug zu sitzen, macht nicht so viel Spaß, er spielt nur mit mir zusammen. Ansonsten ist es für ein Kind wichtig, mit Freunden zu spielen, sich mit der Schule auseinanderzusetzen, Läuse zu kriegen.Reden Sie mit Charlie viel über Musik?Noch nie. Da muss man nicht drüber reden, das macht man einfach. Je älter ich werde, desto mehr bin ich davon ab, auch wenn ich mit anderen spiele. Manchmal gebe ich einen Wunsch vor. Sandro Giampietro habe ich mal gebeten, schrammelig zu spielen. Mit Schlaggitarre macht man den Rhythmus.Gefällt Charlie das abenteuerliche Leben auf Tour?Wenn wir bei schönem Wetter mit dem Wohnmobil unterwegs sind, ist das Touren gut. Im Hotel sind wir auch ganz gerne und tun so, als wäre man ein Rockstar. Am Frühstückstisch findet man dann morgens eine Pappbox vor mit einem Apfel, einem Donut und einem Snickers - und kein Hotelangestellter ist zu sehen. Das ist auch lustig.Leidet Ihr Humor unter Corona?Im Gegenteil. Ich habe festgestellt, dass es mir besonders Spaß macht, vor wenig Leuten zu spielen, weil die Situation das ja erfordert. Man denkt nicht, dass keiner kommen wollte, sondern: Wieder durfte keiner kommen! Dann hat man eine ganz andere Intention. Die Leute sitzen da mit Maske, was eigentlich eine Zumutung ist, auch für den Künstler. Denn ich sehe ja gar nicht, ob die lachen. Als ich anfing mit der Musik, habe ich auch vor Leuten gespielt, die sich absichtlich überhaupt nicht bewegten, während andere total ausflippten. Ich habe schon immer um mein Publikum gekämpft.Unvergesslich geblieben der Auftritt auf der Popkomm-Messe von 1989 im Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk. Dort spielten Sie vor 30 Personen, die sich bogen vor Lachen.Das war doch in Wuppertal in der "Börse"! Dort habe ich hinter einem Absperrband Halbplayback gespielt mit Liedern wie "Texas" oder "Es hat gefunkt bei mir". Das machte Spaß. Vielleicht mache ich das jetzt wieder wegen Corona. Ist eigentlich eine gute Idee.

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