Mittwoch, 25. November 2020
Freitag, 20. November 2020

TORGAU

"Ein bisschen Mut machen"

Günter Fiege: „Aus Dankbarkeit ein Aquarell.“ Foto: Henrick Landschreiber

Von unserem Redakteur Henrick Landschreiber

Torgau. Günter Fiege über eine Bildergalerie am Fenster, Hobbys und Wehwehchen

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Corona hat vieles verändert in unserem täglichen Tun und Miteinander. Wie der 82-jährige Torgauer Günter Fiege diese Zeit erlebt, erklärt er im SonntagsWochenBlatt Torgau.

SWB: Wie erleben Sie die Corona-Situation seit März?
Günter Fiege:
Mir ist wichtig, dass man auch während Corona etwas tut, aktiv ist. In Gesprächen mit vielen Gleichaltrigen erfahre ich, wie mutlos doch viele mittlerweile sind. Sie können nicht Reisen, haben keine Hobbys, die Kinder und Enkel sind weit verstreut. Viele reden nur über Krankheiten. Ich möchte ein bisschen Mut machen, auch wenn vieles schwieriger geworden ist. Ein Familienmitglied war 14 Tage in Quarantäne – ohne Symptome. Das war eine nervlich belastende Zeit.

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?
Beim täglichen Einkaufen erlebe ich die Regeln mit Maske tragen und Abstand halten. Langeweile kommt bei mir nicht auf. Mit Beginn der Corona-Krise gestaltete ich eine Bildergalerie an meinen Fenstern in der Eilenburger Straße, die von Passanten gern betrachtet wurde.

Was machen Sie als vielseitig Interessierter Tag für Tag?
Es ist tatsächlich etwas ruhiger in meinem Leben geworden. Allerdings ist mein Interesse für Literatur und Kunst nach wie vor vorhanden und ungebrochen, dazu kommt die Malerei.  Zurzeit fertige ich Bleistiftzeichnungen von meiner Tochter und meinen Enkeln sowie Aquarelle von Stadtansichten Torgaus. Ich habe meine ganze Familie auf Papier gebannt und bei meinen Enkeln das Interesse für die Malerei geweckt.

Nun hat nicht jeder das Talent zum Zeichnen.
Andere Rentner basteln, stricken, klöppeln, lesen oder verrichten Gartenarbeit. Man muss als Rentner also nicht in ein Loch fallen, wenn man offen für Neues ist und weiter seine Hobbys und Vorlieben pflegt.

Welche kleinen Gesten begleiten  Sie durch Ihren Alltag?
Ich bedanke mich auf diesem Weg ganz herzlich bei den Fahrern der Volkssolidarität, die mir täglich das Mittagessen bringen und bei den fleißigen Verkäuferinnen, denen ich schon mal ein Aquarell aus Dankbarkeit von mir schenke.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben sich Abläufe in Ihrem Alltag doch geändert?
Leider, ja. Wie gern besuchte ich Kunstausstellungen, Konzerte des Torgauer Singekreises und Torgauer Männerchors oder die Rathauskonzerte.

Wer Sie kennt, kennt einen pflichtbewussten, optimistischen und aktiven Zeitgenossen. Woher rührt das?
Sicherlich aus meiner Zeit bei der Diakonie in Torgau, wo ich als Betreuer mit psychisch Kranken und Alkoholikern  arbeitete. Bereut hatte ich die Arbeit nie.  Bis zum Renteneintritt führte ich die Tätigkeit noch ehrenamtlich aus, zeigte Patienten die Maltechnik für Aquarelle und gründete mit einigen das Kabarett „Die Psychoten“ und später „Die Spaßvögel“. Während dieser Zeit kam auch mein erstes Buch „Frohkost“ heraus.

Sie sind vielseitig interessiert und waren immer aktiv.
Richtig. Ein rollender Stein setzt kein Moos an (lacht). Als ich dann meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Diakonie beendete, wurde mir nie langweilig. Dafür sorgten in erster Linie meine Frau, meine Kinder und Enkel. Ich schrieb sieben weitere Bücher, heute schreibe ich immer noch Artikel für die Historienseite in der Torgauer Zeitung. Einige Jahre war ich Mitglied des Torgauer Schreibzirkels, führte viele Buchlesungen durch. Um fit zu bleiben, ging ich 17 Jahre ins Fitness-Studio „Fit & Fun“.  

Haben Sie zum Schluss noch einen Ratschlag parat?
Nach Eintritt in den Ruhestand sollte man sich eine Tätigkeit mit einem gewissen Verpflichtungsgrad suchen. Sonst fordert das Nichtstun seinen gesundheitlichen Tribut. Sicherlich habe ich einige Wehwehchen, aber die sind mit 82 Jahren doch normal.

 


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