Sonntag, 18. April 2021
Donnerstag, 8. April 2021

BELGERN-SCHILDAU

"Hindernisparcours" an der Elbe

Diese Zufahrt und eine weitere sind mit Felsbrocken versperrt.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Und plötzlich lagen da die Brocken des Anstoßes: Hunderte Kilogramm schwere Steine gaben am Mittwochabend im Belgern-Schildauer Stadtrat Anlass für eine Diskussion.

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Nicht nur, dass sich Peter Stracke (für die CDU im Stadtrat sitzend) im Schildauer Volkshaus über eine damit an der Belgeraner Fährzufahrt abgesperrte Fläche entsetzt zeigte. Auch Jochen Werner (Freunde der Feuerwehr) hätte jene Steine – oder zumindest einen davon – gerne gestern als morgen aus dem Weg geräumt gewusst.

Brückenschlag

Nach Angabe von Bauamtsleiterin Ute Simon handelt es sich bei besagter Fläche um ein bundeseigenes Grundstück, das in den Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamts falle. Benötigt werde diese im Notfall für einen Brückenschlag über die Elbe. Doch nun wurden erst einmal die mächtigen Steine an den beiden Zufahrten positioniert, um Mülltouristen von ihrem „Hobby“ abzuhalten. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hatte sich nach Absprache mit der Belgern-Schildauer Stadtverwaltung zu diesem Schritt entschlossen, nachdem die Fläche immer wieder zu einer Müllkippe verkam.

„Das kann ich bestätigen“, sagte Dr. Wolfgang Ender, der für die CDU im Stadtrat sitzt. Besonders Wohnmobile würden hier wild parken und die Fläche in eine Dreckecke verwandeln. Eine  Sperrung sei nach Ansicht des Belgeraners da nur folgerichtig. Sonst eigentlich immer auf gleicher Wellenlänge teilte Peter Stracke diesmal Enders Sichtweise nicht, zumal sich mittlerweile auch herausstellte, dass die Feuerwehr die Fläche als Wasserentnahmestelle dringend benötigt. Darauf machte Stadtrat und Stadtwehrleiter Jochen Werner aufmerksam. Es könne doch nicht sein, dass im Ernstfall die Feuerwehr erst die schweren Steine aus dem Weg räumen müsse, um Elbwasser für den Löscheinsatz zu fördern, schüttelte Werner den Kopf. „Die Elbe ist für die gesamte Altstadt als Löschwasserspender unersätzlich“, sagte er. Im Kampf gegen Flammen biete der Fluss einen entscheidenden taktischen Vorteil. „Ich hoffe, wir finden hier eine Lösung“, lautete seine Aufforderung in Richtung Stadtverwaltung. Doch die schien ohnehin nicht so gut auf Werner zu sprechen zu sein. Grund war ein – Achtung, kein Witz – Brandbrief Werners an die Stadtverwaltung.

Feststellung statt Kritik

Der Stadtwehrleiter hatte darin auf Mängel bei der Ausstattung der Feuerwehren hingewiesen. Den Wortlaut, der unter anderem bei Bürgermeister Matthias Griem (FWG) gar nicht gut ankam, wollte Werner am Mittwochabend dann so aber nicht unkommentiert lassen. „Der Brief sollte keineswegs als Kritik an der Verwaltung – diese hatte sich aufgefordert gefühlt, die Investitionen in das Feuerwehrwesen der vergangenen fünf Jahre aufzulisten – interpretiert werden. „Der Brief ist einfach nur eine Feststellung, wo Nachholbedarf herrscht“, versuchte Werner die hochkochenden Emotionen wieder herunter zu kochen. Er sei als Stadtwehrleiter lediglich seiner Hinweispflicht nachgekommen. Und ja, Feuerwehr koste nun mal Geld. Zugleich kritisierte Werner eine seit Jahren mangelnde Unterstützung durch Land und Bund. Die Wünsche der Feuerwehr seien auch immer die Wünsche der Bürger, die ein Recht auf Schutz hätten. Zudem seien Investitionen im Brandschutzbedarfsplan klar geregelt.

Für Vize-Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) war der von der Feuerwehr verfasste Brandbrief jedenfalls „harter Tobak“. Der Ton mache die Musik, gab er seinem Stadtratskollegen Werner mit auf den Weg. Gläser stärkte gleichzeitig der Verwaltung den Rücken.

Arbeitsauftrag

Doch zurück zur gesperrten Aufstellfläche an der Fähre: Mit Blick auf die Felsbrocken konnte Gläser im Gespräch mit der Torgauer Zeitung jene zähe Diskussion nicht nachvollziehen. „Da gibt es jetzt einen klaren Arbeitsauftrag an die Verwaltung, um diesen möglichen Schnellschuss rückgängig zu machen“, sagte der Plothaer. Nach Ansicht Peter Strackes impliziert dies auch regelmäßige Kontrollgänge des Ordnungsamts, um den angesprochenen Folgen wilden Parkens  Einhalt zu gebieten. Eine andiskutierte Videoüberwachung des Geländes verlief schließlich im Sande. Unterdessen hissten Wohnmobilcamper am Ostersonntag auf der gegenüberliegenden Elbseite das sächsische Wappen. Dort scheint das Parken noch möglich.


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