Sonntag, 26. Juni 2022
Mittwoch, 25. Mai 2022

GESPRÄCH AM SONNTAG

"Vieles können wir gemeinsam verwirklichen"

Ist angetreten, am 12. Juni zur Bürgermeisterwahl den Einzug ins Dahlener Rathaus zu schaffen: Tobias Ballier.Foto: CDU Nordsachsen

Von unserem Redakteur Heiko Betat

Tobias Ballier möchte einen pragamatischen, dienstleistungsgerechten Führungsstil im Dahlener Rathaus einführen

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Dahlen Im Wahlkampf um das Dahlener Bürgermeisteramt beginnt nun die heiße Phase. Tobias Ballier ist einer der drei Kandidaten, die sich am 12. Juni dem Votum der Heidestädter und -städterinnen stellen. Was den gebürtigen Oschatzer antreibt und welche Pläne er als Rathauschef gern verwirklichen würde, schildert der 38-Jährige im Gespräch am Sonntag.

 

SWB: err Ballier, Sie haben viel von der Welt gesehen. Was bewog Sie, wieder an den Ort Ihrer Kindheit und Jugend zurückzukehren?

Tobias Ballier:Nun egal, wo man sich in der Welt herumtreibt, das Herz hängt doch immer an dem Platz, an dem man aufgewachsen ist. Wie sagen die Bayern immer? „Daheim ist's eben doch am schönsten.“ Als mein Vater 2020 verstorben war, hat es nicht lange gedauert, den Entschluss zu fassen, seinen Anker im Heimathafen fallen zu lassen und das heimische Elternnest zum eigenen umzugestalten.

Was veranlasste Sie, mit ins Rennen um den Rathaussessel einzusteigen?

Leider hat sich in den vielen Jahren, meiner Meinung nach, einfach zu wenig getan. Ich war nach dem ersten halben Jahr in der Heimat erschrocken, wie weit die Gemeinde den Nachbargemeinden hinterherhinkt. Sehr viele Aktivitäten von Schule bis Freizeit werden in umliegenden Gemeinden ausgeübt. Ich verstehe natürlich, dass man nur die Gelder ausgeben kann, die man auch hat. In unserer Gemeinde sind doch bedauerlicherweise einige Chancen nicht wahrgenommen oder Prioritäten falsch gesetzt worden, das ist jedenfalls die Meinung vieler Bürger. Ich bin sicher, dass das besser geht und vor allem Richtung mehr Lebensqualität.

Warum wählten Sie die CDU als Ihre politische Heimat?

Ich bin ein großer Freund von Win-win-Situationen. Erstens: Ich brauchte eine Partei, die mich in allen Fragen der politischen Arbeit berät und unterstützt und nicht nur während des Wahlkampfes, sondern in meinem gesamten politischen Werdegang. Die christlichen Werte der CDU sowie die Verbundenheit zur breiten Mitte der Gesellschaft haben mich angesprochen und spiegeln meine Sichtweise. Zweitens: Die Stadt Dahlen braucht dringend ein gutes und starkes Netzwerk zu Nachbarn und allen Regierungsebenen, welches in diesem Maße nur die CDU in unserem Land bieten kann. Wir wissen alle: Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat! Und drittens: Die CDU brauchte wieder eine starke Präsenz in der Region, mit Ortsverband und politischen Kandidaten.

Was ist aus Ihrer Sicht verbesserungswürdig in der Heidestadt?

Vieles. Auf dem Weg in meinem Wahlkampf von Tür zu Tür ist klar geworden, dass die meisten Bürger kleine Themen haben, die sie täglich stören und beschäftigen. Zum Beispiel der kaputte Gehweg, wo nur drei Platten ausgetauscht werden müssten. Die defekte oder fehlende Straßenlampe, das ungepflegte, stinkende Gewässer hinter dem Haus. Die Sauberkeit im Ortsbild, beispielsweise an Leerstandimmobilien. Der nicht dienstleistungsgerechte Umgang der Verwaltung mit den Bürgern und so weiter. Das sind alles Themen, die einfach zu beheben sind. Es braucht für diese Probleme keine Millionen über Millionen. Es braucht einen neuen pragmatischen, organisierten, dienstleistungsgerechten Führungsstil. Punkt für Punkt können diese kleinen Themen alle abgearbeitet werden.

Wären Sie der Wahlgewinner – was hätte für Sie nach dem Einzug ins Rathaus Priorität?

Als Erstes möchte ich die vielen kleinen, nervigen, alltäglichen Ärgernisse beseitigen lassen, wie gerade erwähnt. Ein größeres Thema ist, Mehrheiten finden. Die Wunschliste der Bürger ist lang und die Kassen der Stadt sind klamm. Ich habe zwar einen klaren Weg aufgezeigt, die Finanzmittel über Zuwachs an mittelständischer Bevölkerung zu erhöhen, jedoch braucht es dafür natürlich Klarheiten und Mehrheiten im Stadtrat. Das wird die erste Aufgabe sein, alle Stadträte in Einzelgesprächen für gemeinsame Ziele zu gewinnen. Ich bin mir da sicher, es gibt viel, was wir gemeinsam verwirklichen können.

Welche Ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten wären aus Ihrer Sicht bei der Führung der Amtsgeschäfte besonders nützlich?

Ich habe gute Erfahrung in Führen von großen Teams und bleibe doch immer ein Teamplayer. Habe den Atem, langwierige Prozesse durchzustehen und erfolgreich zu beenden. Ich beherrsche verschiedene Prozesse, um viele verschiedene komplizierte und langwierige Arbeiten strukturiert und priorisiert abzuarbeiten. Vermittlung und Moderationsaufgaben mit vielen schwierigen internationalen Partnern und allen deutschen Behörden sind tägliche Aufgaben in meinem Beruf. Ich trenne nicht zwischen Privat und Beruf, meine Auffassung ist, „mein Beruf gleich meine Berufung“, und das 24 Stunden, 365 Tage im Jahr.

Welche Erkenntnisse haben Sie bei den zahlreichen Begegnungen im Wahlkampf mit den Einwohnerinnen und Einwohnern Dahlens und seiner Ortsteile gewonnen?

Viele Bürger fühlen sich durch die momentane Lage missverstanden, ungehört und abgehängt, andere wiederum haben aufgegeben, an Besserung zu glauben. Es gibt auch viele, die mit der momentanen Situation zufrieden sind, weil sie sich damit einfach abgefunden haben. Alles in allem konnte ich jedoch mitnehmen, dass es den Wunsch zur Verbesserung gibt.

Welche Hinweise und Anregungen aus der örtlichen Wirtschaft fänden im Falle einer gewonnenen Wahl Eingang in Ihre To-do-Liste?

Es gibt das Thema Fachkräftemangel, welches sich mit dem Zuwachs an mittelständischer Bevölkerung relativieren wird. Es wurde das Thema Hebesatz in der Gemeinde angesprochen, da wird es einen Vergleich geben müssen zu unseren umliegenden Gemeinden. Ich denke, dass es zur Sicherung der heimischen Arbeitsplätze die eine oder andere Anpassung geben kann.

Der Ausbau der Anbindungen auf die Schiene wird sicherlich die nächsten Jahre durch die Preisentwicklung auf dem Kraftstoffmarkt Auswirkungen haben. Ebenfalls wird es für den Umbau der Mobilität E-Ladesäulen in allen Ortsteilen sowie verstärkt am Bahnhof geben müssen. Diese Aufgaben stehen vor uns. Jedoch so traurig das Thema Kraftstoffpreise auch sein mag. Dahlen hat durch die Anbindung an die Trasse Leipzig–Dresden eine hervorragende Ausgangsposition. Wir müssen aufpassen, dass wir diese Trends nicht wieder verschlafen.

Welche Vision haben Sie für das künftige Miteinander der Kernstadt und ihrer Ortsteile?

Mein oberster Punkt auf meiner Agenda ist die Gleichberechtigung aller Ortsteile, damit auch aller Vereine und aller gemeinnützigen Einrichtungen. Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen und als Vertreter der Stadt und Gemeindeteile alle Veranstaltungen und Einladungen wahrnehmen. Denn nur durch die Teilhabe kann man zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen und vernetzte Strukturen schaffen. Das daraus entstehende gegenseitige Helfen der Vereine kann und wird unsere Ortsteile weiter zusammenschweißen. Ich als Bürgermeister möchte zwischen den Vereinen vermitteln und mehr Hilfe zur Selbsthilfe geben. Viele Vereine und Orte stehen in direkter Konkurrenz um Leistungen und Gelder. Ich hoffe, ich kann durch mein Wirken ein „wir zuerst“ in ein „wir zusammen“ ändern. Denn gerade Freundschaften braucht man in unserer Zeit umso mehr.

Wie nutzen Sie die verbleibende Zeit bis zum Wahltag?

Ich werde weiterhin von Tür zu Tür gehen, bis ich alle Ortsteile und alle Klingeln kenne und mit den Bürgerinnen und Bürgern sprechen konnte. Ich bin der Meinung, so erfährt man wirklich, was ansteht. Diese Methode ist natürlich auch die aufwendigste und anstrengendste, aber es hat auch niemand gesagt, es wird einfach, in Dahlen Bürgermeister zu werden.

Woraus schöpfen Sie Kraft, um den Spagat von Wahlkampf, Berufs- und Familienleben durchzustehen?

Nun, es gibt zum Glück keinen Spagat bei mir. Ich bin immer privat und ich bin immer im Beruf und somit auch im Wahlkampf 24 Stunden 365 Tage im Jahr. Meine Frau hat mich so als Workaholic kennen und lieben gelernt. Vor allem sie, meine Familie und Freunde geben mir den Ruhepol und die Erdung, die ich brauche. Dafür bin ich Gott sehr dankbar, dass ich dieses Glück habe, und wünsche es jedem Menschen auf der Welt.

Wo und womit werden Sie den 12. Juni verbringen?

Das ist eine gute Frage, wir alle kennen diese Momente. Ein Schüler wartet auf die Prüfungsergebnisse vor der Tür des Prüfungskomitees. Die Mannschaft, die vor dem Pokalspiel in der Kabine auf ihr Go wartet. Die Aufregung werde ich nicht abstellen können. Jedoch hoffe ich, es wird ein schöner Sonntag mit meiner Familie.

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