Montag, 25. Mai 2020
Donnerstag, 9. April 2020

TORGAU

"Wir haben hier alles, außer Klopapier"

Mit einem Lächeln auf den Lippen wird in der Torgauer Tafel gearbeitet. Auch in der Krise lässt man sich hier die gute Laune nicht verderben. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Während mehr als die Hälfte aller deutschen Tafeln aufgrund der Corona-Krise ihr Pforten schließen mussten, fehlt bei der Tafel Torgau von Krisenstimmung jede Spur. Die Einrichtung hat mehr bedürftige Kunden, mehr freiwillige Helfer und auch mehr gespendete Ware.

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414 von 938. Das ist die Zahl der Tafeln in Deutschland, die aktuell noch geöffnet sind. Alle anderen Einrichtungen mussten, meist mangels an Lebensmittel-Lieferungen, schließen. Doch während es vielerorts, vor allem in den alten Bundesländern, für die Tafeln und damit auch für zahllose bedürftige Menschen schlecht aussieht, herrscht in der Torgauer August-Bebel-Straße alles andere als Krisenstimmung. Wirft man einen Blick in die Räumlichkeiten der Tafel Torgau, dann sieht man volle Regale und strahlende Gesichter. „Uns geht es hier wirklich gut“, sagt Schatzmeisterin Helga Woy.

Mehr Kunden

Kürzer getreten wird dieser Tage an  vielen Stellen. Die Menschen gehen weniger Arbeiten, unternehmen in ihrer Freizeit weniger und beschränken ihre sozialen Kontakte auf das Minimum. Bei der Tafel Torgau sieht das jedoch ganz anders aus. Hier ist seit Beginn der Corona-Krise eigentlich alles mehr geworden. Mehr Bedürftige, mehr Helfer, mehr Waren.

„Es ist deutlich mehr los als noch vor ein paar Monaten“, erzählt Helga Woy. Sie ist fast jeden Tag in den Räumlichkeiten in der August-Bebel-Straße und kümmert sich darum, dass alle reibungslos abläuft. „Wir haben aber auch nahezu damit gerechnet, dass jetzt mehr Leute zu uns kommen. Viele haben Angst, dass sie im Supermarkt nichts mehr kriegen und kommen deshalb jetzt wieder zu uns. Es sind also nicht nur neue Leute, die jetzt dazugekommen sind, sondern auch viele, die wir schon kennen.“ Um ein gutes Drittel habe sich der „Kundenkreis“ der Torgauer Tafel vergrößert, was jedoch überhaupt kein Problem darstelle. „Essen haben wir schließlich genug.“

Denn auch die Menge der Lieferungen für die Tafel hat stark zugenommen. „Erst diese Woche haben wir eine ganze Tonne an verschiedenen Wurstsorten gespendet bekommen und jede Menge Osterschokolade. Das ist wirklich toll.“ Abseits solcher enormen Großlieferungen sei es jedoch das komplette Lebensmittel-Sortiment, das an Zuwachs gewonnen hat. So recht erklären kann man sich diesen glücklichen Umstand bei der Torgauer Tafel zwar nicht, Helga Woy hat aber eine Theorie: „Möglicherweise ordern die Supermärkte jetzt mehr, um für die Krise gewappnet zu sein.“ Und da bleibe dann eben auch mehr übrig. Lachend fügt sie hinzu: „Wir haben hier alles – außer Klopapier.“ Neben einer Vielzahl an Lebensmitteln, die der Tafel Woche für Woche geliefert werden, ist im Moment auch die Zahl der gespendeten Blumen auf einer Rekord-Höhe. Durch die Schließung der Gärtnereien stehen der gemeinnützigen Einrichtungen Dutzende Topfpflanzen und Schnittblumen zur Verfügung, die von den Bedürftigen mit Freuden angenommen werden.

Helga Woy zeigt, wie die Lebensmittelausgabe jetzt funktioniert. Die Kunden bleiben hinter der Schnur und bekommen einfach ein voll gepackte Papiertüte gereicht.Fotos: TZ/Leukhardt

 

Mehr Helfer

Um die mehr gewordenen Waren vorzubereiten und an den Mann/Frau zu bringen, braucht es bei der Tafel Torgau ehrenamtliche Helfer. Und auch deren Anzahl ist konkret gestiegen. Umfasste das Team vor der Krise noch rund 30 Personen, die sich meist nur alle zwei Tage in den Räumlichkeiten in der Torgauer August-Bebel-Straße aufhielten, sind es nun sechs ehrenamtliche Helfer mehr. „Das ist wirklich toll, das wir so eine gute Unterstützung bekommen.“

Die braucht es bei der Tafel aber auch, denn die Corona-Krise hat den kompletten Arbeitsablauf der Einrichtung über den Haufen geworfen und stellt die Mitarbeiter vor ganz neue Herausforderungen. „Wir dürfen die mitgebrachten Behältnisse unserer Kunden nicht mehr mit hinein nehmen und so haben wir jetzt angefangen, Papiertüten zu packen.“ Das mache zwar mehr Arbeit, komme aber bei den Bedürftigen gut an. Denn Helga Woy und ihr Team achten auch darauf, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu beachten.

Mehr Beschränkungen

Die neuen Hygienebestimmungen stellen das Team der Torgauer Tafel jedoch vor keine allzu großen Herausforderungen. „Wir versuchen, unseren Kundenkontakt auf ein absolutes Minimum zu reduzieren“, sagt Helga Woy. „Die Leute stellen sich mit Sicherheitsabstand vor unserem Eingang auf und bekommen dann von uns die Tüten herausgereicht. In Kombination mit regelmäßigem Händewaschen und Desinfizieren ist das so überhaupt kein Problem.“

Und so geht die Arbeit bei der Torgauer Tafel im geregelten Ausnahmezustand ihren Gang. An die neuen Maßnahmen hat man sich langsam gewöhnt und auch die Kunden halten sich diszipliniert daran. Von Hamsterkäufen, sagt Helga Woy, habe man hier noch gar nichts bemerkt. Und auch eine baldige vorübergehende Schließung steht der Torgauer Einrichtung nicht ins Haus, das versichert die Schatzmeisterin. „Wir haben weiterhin für alle Bedürftigen und diejenigen, die sich in Kurzarbeit befinden, geöffnet und freuen uns über den Besuch.“    

 

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