Donnerstag, 1. Oktober 2020
Sonntag, 9. August 2020

OSTELBIEN

30 Hektar Wald in Flammen

Entlang der Bahnstrecke fraß sich das Feuer in den Wald. Foto: Tobias Mielich

von unserem Redakteur Christian Wendt

Beilrode/Rehfeld. Vermutlich ein Heißläufer (eine feste Bremse am Waggon eines Güterzugs) ist der Grund für den Waldbrand in Ostelbien, der seit Samstagmittag Einsatzkräfte aus drei Bundesländern in Atem hält.

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Entlang der Bahntrasse zwischen Rehfeld und der Beilroder Falkenstruth war auf einer Länge von 9 Kilometern das Feuer ausgebrochen. Wegen des Einsatzes kommt es nach wie vor zu Behinderungen im Bahnverkehr. Möglicherweise könne erst ab Montagabend der Zugverkehr wieder aufgenommen werden, hieß es am Sonntag von der Einsatzführung.

Nach Informationen der Deutschen Bahn ist die Strecke Torgau-Falkenberg seit Samstag 12.46 Uhr für Löscharbeiten nach gesperrt. Die Regionalzüge der Linien RE 10 und S 4 wurden auf diesem Abschnitt durch Busse ersetzt.

Der Feueralarm für die Beilroder Feuerwehr sowie die Kameraden aus Döbrichau erging am Samstag gegen 12.30 Uhr. „Zuerst sind wir von einem Bahndammbrand ausgegangen“, sagte Beilrodes Vize-Wehrleiter Remo Springer im Gespräch mit der Torgauer Zeitung. Von Kreischau aus bis zur Falkenstruth habe man sich den züngelnden Flammen gestellt. Doch vom Bahndamm aus habe sich das Feuer über angrenzende Wiesen und Felder ausgebreitet. Am späten Nachmittag hatte es dann auf Waldflächen übergegriffen. Rund 40 Einsatzfahrzeuge waren vor Ort, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte noch am Samstagnachmittag. Rund 200 Kameraden aus Nordsachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Leipzig sowie zwei  Puma-Löschhubschrauber der Bundespolizei (diese nahmen Wasser in der Elbe im Bereich des Torgauer Hafens auf) waren zwischenzeitlich im Einsatz. In der Nacht zu Sonntag überwachte ein weiterer Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera das am Sonntagmorgen von Vize-Kreisbrandmeister Frank Dörschmann (Mockrehna) auf zuerst 40 bis 50 Hektar geschätzte Brandareal. Wenig später korrigierte Timo Grieser vom Forstbezirk Taura (er wohnt im Forsthaus Falkenstruth) die Größenordnung auf etwa 30 Hektar leicht nach unten. Die Rauchentwicklung sei über das automatische Waldbranderkennungssystem registriert worden, das die Rettungsleitstelle informiert habe, sagte Grieser.

Auch Dietrich Münchmeyer vom Flugsportverein Torgau-Beilrode hatte die 112 gewählt. „Am Samstag sind wir an unserem Flugplatz in Beilrode haarscharf einer Brandkatastrophe entkommen. Ein durchfahrender Zug hatte an vielen Stellen nahezu gleichzeitig zwischen Torgau und Falkenberg am Bahngleis Feuer verursacht“, schrieb Münchmeyer auf der Facebook-Plattform. Nur dank der vielen anwesenden Piloten habe man das Feuer zumindest im Bereich des Flugplatzes in einer frühen Phase löschen können. „Zwischen unserem Fluggelände sowie den dort aufgebauten Zelten und Wohnmobilen lag nur noch eine Wegbreite. Die Feuerwehr war erst eine Stunde nach dem Alarm bei uns, denn an anderen Stellen entwickelte sich das Feuer viel schneller“, teilte Münchmeyer mit.

Ob es tatsächlich ein Heißläufer war, der für das Feuer verantwortlich zeichnet, werde sich nach Einschätzung von Frank Dörschmann auf Grund der umfangreichen Löscharbeiten wohl nicht mehr ermitteln lassen. Dörschmann zeigte sich im Gespräch mit der Torgauer Zeitung froh darüber, dass  kein Kamerad bei den Löscharbeiten zu Schaden gekommen sei. „Eine weitere Ausbreitung der Flammen war bereits am Samstagabend gestoppt“, sagte der Mockrehnaer. Derzeit würde eine Vielzahl an Glutnestern den Kameraden dennoch alles abfordern. Ortschaften seien zu keiner Zeit von den Flammen bedroht worden. Jedoch warnte Dörschmann vor allzu viel Optimismus: „Ein wenig Wind und alles fängt wieder von vorne an.“

Auf dem Hof des Forsthauses in der Falkenstruth wurde eine provisorische Einsatzleitstelle eingerichtet, die die Koordinierung der Arbeiten in den vier Brandabschnitten übernahm. Hier übernahm auch die Versorgungs- und Sanitätseinheit des DRK-Kreisverbands Torgau-Oschatz mit 17 Leuten die Versorgung der Kameraden. Nach Angabe des Torgauers Michael Bagusat-Sehrt wurden am Samstagabend 350 Essensportionen, in der Nachtversorgung 200 Portionen, zum Frühstück am Sonntag 200 Portionen und zum Mittag am Sonntag 250 Essenportionen bereitgestellt. Noch in der Nacht von Samstag zu Sonntag sei ohne Probleme der Nachschub an Lebensmitteln aus dem Kaufland im Torgauer PEP-Center erfolgt.

Am Sonntag wurden die Torgau-Oschatzer DRK-Leute dann vom Sanitätszug Eilenburg abgelöst. Die in der Falkenstruth aufgebaute Feldküche ist auf bis zu 500 Portionen pro Essensdurchgang ausgelegt.

Angesichts des Ausmaßes des Feuers appellierte der Bundestagsabgeordnete Marian Wendt für eine noch bessere Vernetzung von Behörden und Einsatzkräften. Ein Baustein dazu könnte die Einrichtung eines Waldbrandkompetenzzentrums werden, das nicht nur für spezielle Ausbildungsaufgaben Rechnung trage sondern auch Löschtechnik vorhalte. In diesem Zusammenhang sei es dringend erforderlich, so Wendt, unter anderem die Anzahl zum Löschen geeigneter Hubschrauber aufzustocken.

Die Wasserversorgung in der Falkenstruther Waldfläche war über mehrere Wasserentnahmestellen im Wald sowie in Beilrode per Pendelverkehr sichergestellt. Zum Einsatz kamen unter anderem ein Traktor aus Authausen, der ein 10000-Liter Fass bewegte, sowie die beiden Wechsellader der Oschatzer und Dommitzscher Feuerwehr mit jeweils 10000 Litern. Am Sonntagmorgen hatte der Forstbezirk Taura zudem begonnen, die Brandschneisen im Wald mit einer Scheibenegge zu erneuern.


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