Samstag, 4. April 2020
Mittwoch, 18. März 2020

TORGAU

Als erste Frau an der Spitze

Karsta Niejaki ist gespannt auf die neue Aufgabe, die in ein paar Wochen auf sie zukommt. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Dreibheide. Karsta Niejaki wurde zu Dreiheides neuer Bürgermeisterin gewählt. Das sagen ihre Kontrahenten und ihr Stellvertreter zum souveränen Wahlsieg.

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So etwas hat es in Dreiheide noch nie gegeben. Am Sonntag wurde die Großwigerin Karsta Niejaki zur neuen Bürgermeisterin der Gemeinde gewählt und steht damit als erste Frau an ihrer Spitze. Und auch wenn sich der Wahlkampf in den Wochen vor der großen Entscheidung durchaus spannend gestaltete und deutlich weniger eindeutig als das jetzige Wahlergebnis ausfiel,  standen doch auch bereits im Vorfeld die Zeichen für Gewinnerin Karsta Niejaki alles andere als schlecht.

Eindeutiges Ergebnis

73,5 Prozent aller Stimmen für Karsta Niejaki! Mit einem solch eindeutigen Ergebnis hatte im Vorfeld wohl kaum jemand gerechnet. Auch sie selbst nicht. „Ich war mir tatsächlich bis zum Schluss unsicher, ob ich das Rennen machen werde“, gibt die Großwigerin am Tag der Wahl zu. Vor allem ihr ehemaliger Schulkamerad Guido Manske habe in der Zeit kurz vor der Wahl noch einmal seine Wahlkampfanstrengungen dermaßen erhöht, dass Niejaki bis zu dem Moment, an dem ihr dann am Sonntag das Ergebnis verkündet wurde, das Herz raste.

Und auch danach fiel die Anspannung nur teilweise von ihr ab. „Dann war ich nämlich mit meinem Kopf schon in der Zukunft und meine Gedanken drehten sich nur noch um meine neue Aufgabe. Denn auch wenn jetzt bis zu meiner eigentlichen Berufung in frühestens fünf Wochen noch ein bisschen Zeit ins Land geht, wird es jetzt richtig ernst.“

Wahlleiter Mirko Franke kippte zusammen mit seinen Wahlhelfern im Großwiger Wahllokal die Wahlurne aus. Schon beim Sortieren der Stimmzettel wurde dem Team klar: Karsta Niejaki macht das Rennen.

Faire Verlierer

Auch wenn Gudio Manske (20,4 Prozent) und André Burkhardt (6,1 Prozent) bei der Wahl deutlich hinter Gewinnerin Karsta Niejaki lagen, zeigen sich ihre männlichen Kontrahenten kein bisschen enttäuscht. „Wenn man zu einer solchen Wahl antritt, dann muss man auch verlieren können“, brachte es Gudio Manske am gestrigen Dienstag im Gespräch mit der TZ auf den Punkt. „Das Leben geht jetzt genau so weiter wie vor dem Wahlkampf. Auf mich hat das keine Auswirkungen“.

Ähnlich sportsmännisch zeigte sich auch FDP-Mann André Burkhardt am Tag nach der Wahl. Er hatte im Wahlkampf vor allem mit seinem jungen Alter punkten wollen, was bei den Dreiheider Wählern wohl nicht den gewünschten Effekt hatte. Enttäuscht zeigt jedoch auch er sich nicht. „So, wie es nun gekommen ist, ist es gut“, sagt er. „Ich bin zusammen mit Karsta im Wichtelverein und kenne sie schon sehr lange. Sie vertritt einige gute Ansichten und wir haben auch gemeinsame Ziele. Darauf lässt sich aufbauen und ich freue mich auf ein gutes und gesundes Miteinander.“

Diese Reaktion ihrer Kontrahenten zaubert ein Lächeln auf Karsta Niejakis Gesicht. Denn auch der 50-jährigen Mutter zweier Kinder ist vor allem eine harmonische Zusammenarbeit mit allen Akteuren, sei es Gemeinderat, Vereine oder ortsansässige Firmen, enorm wichtig. „Ich bin froh darüber, dass unser Wahlkampf so fair abgelaufen ist. Natürlich kämpft jeder mit seinen eigenen Mitteln und versucht irgendwie, die Wähler für sich zu gewinnen, aber am Ende kam ich mit allen gut klar und möchte das auch in Zukunft beibehalten.“ Generell sieht sie die Zeit des Wahlkampfes als eine „schöne Erfahrung, bei der ich viele Gespräche nach der Arbeit führen durfte.“

Zwei entscheidende Punkte

Ihrer Aufgabe als Dreiheides Bürgermeisterin möchte Karsta Niejaki jedoch nicht nach der Arbeit nachkommen, sondern die Stelle hauptberuflich bekleiden. Dazu wird sie demnächst ihr Arbeitsverhältnis mit dem PEP Torgau, wo sie seit 25 Jahren als Assistentin der Geschäftsleitung arbeitet, kündigen, um sich voll und ganz dem Wohl der Gemeinde widmen. Dies sei wohl auch einer der entscheidenden Punkte gewesen, der Niejaki am Ende den Wahlsieg einbrachte.

Zumindest laut der Aussage des stellvertretenden Bürgermeisters Hans-Jürgen Fink. Für ihn kam der Sieg Niejakis am Sonntag wenig überraschend. „Man kriegt ja im Vorfeld einer solchen Wahl in den Orten immer schon einiges mit. Dass sie tatsächlich so eindeutig ausfällt und bereits im ersten Wahlgang entschieden wird, das hätte ich nicht unbedingt gedacht.“ Für ihn sei es, neben der Entscheidung Niejakis, ihren Job zu kündigen und sich voll auf das Bürgermeisteramt zu konzentrieren, vor allem die bürotechnische Erfahrung, die sie ihren Kontrahenten voraus hatte. „Wir leben in einer kleinen Gemeinde, in der sich nicht viel Arbeit verteilen lässt. Da ist es gut, wenn man gut eingearbeitet ist.“

Um der zukünftigen Bürgermeisterin den Einstieg in die Arbeit an der Spitze der Gemeinde zu erleichtern, wird Fink ihr von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite stehen. In der kommenden Woche treffen sich die beiden zu einem ersten Termin und werden das weitere Vorgehen besprechen. „Da Frau Niejaki (im Gegensatz zu Guido Manske und André Burkhardt; Anm. d. Red.)  kein Mitglied des Gemeinderats ist, muss sie deutlich mehr Dinge nachholen. Aber ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass sie gerne jeden Rat annimmt und auch alles andere als beratungsresistent ist.“

Wichtige Themen

Ein bisschen Zeit muss zwar noch vergehen, bis Karsta Niejaki tatsächlich als Dreiheides Bürgermeisterin eingesetzt wird, doch schon jetzt hat sie einige Themen  auf dem Schirm, die sie, sobald sie im Amt ist, angehen möchte.Ganz oben auf ihrer Liste steht dabei der Breitbandausbau. Dieser steckt für Dreiheide zwar aktuell bereits mitten in der Planung, trotzdem brenne das Thema einem Großteil der Bürger aktuell auf den Nägeln. Auch die Vorfreude auf den für dieses Jahr geplanten Spatenstich für die Erweiterung von Torgau Kuvert und die anstehende Erweiterung der Kita Süptitz beschäftigen Karsta Niejaki bereits jetzt. „Und natürlich müssen wir auch schauen, wie wir jetzt in unserer Gemeinde mit der Corona-Krise umgehen. Das betrifft uns alle und dementsprechend müssen wir auch alles dafür tun, um uns bestmöglich zu schützen.“

Auch eine Bestandsaufnahme des Gemeindeeigentums sowie Rundgänge mit den Ortschaftsräten durch die jeweiligen Dörfer hat die angehende Bürgermeister auf ihrem Zettel und möchte sie schnellstmöglich nach ihrer Berufung umsetzen.
„Die Arbeit als Bürgermeisterin ist für mich völliges Neuland“ sagt Karsta Niejaki mit einem Unterton, dem sowohl Respekt als auch Vorfreude innewohnt. „Ich freue mich schon auf meine neue Aufgabe und darauf, im Dorf mitzugestalten. Wenn ich mir eine Idee in den Kopf gesetzt habe, dann setze ich die auch um und mache auch mal den Mund auf, wenn es irgendwo klemmt.“

Guido Manske: 244 Stimmen; Karsta Niejaki: 877 Stimmen; André Burkhardt: 73 Stimmen;
Zahl der Wahlberechtigten: 1748
abgegebene, gültige Stimmen: 1194
Eregbnisse der einzelnen Wahllokale:
Süptitz
Niejaki: 364 Stimmen
Manske: 99
Burkhardt: 28
Großwig
Niejaki: 200 Stimmen
Manske: 80
Burkhardt: 26
Weidenhain
Niejaki: 313 Stimmen
Manske: 65
Burkhardt: 19

 


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