Samstag, 13. August 2022
Freitag, 29. Juli 2022

TORGAU

Altenburger Safran wächst bald im Torgauer Schlossgarten

Einige Hundert dieser Safranknollen werden am 14. August im Torgauer Schlossgarten in den Boden kommen. Safran-Experte Dr. Frank Spieth (Mitte) zeigt sie stolz. Er forscht seit 2016 zum Safran-Anbau in unseren Breiten. (Foto: Bärbel Schumann)

von Bärbel Schumann

Nachweislich wurde Safran im Torgauer Schlossgarten um 1516/1517 angebaut. Damit der dort wieder gedeihen kann, wollen Altenburger Safran-Experten und der Förderverein der Landesgartenschau sorgen.

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Torgau Zu den im Kräuterbuch von Dr. Johann Kentmann 1563 beschriebenen Pflanzen gehört auch Crocus sativus, der Safran. Nachweislich wurde die als Gewürz, Heil- und Färbemittel verwendbare Pflanze bereits 1516/1517 in der Region Torgau und Annaburg nicht nur in Gärten, sondern auch auf Feldern angebaut.

"Der Herzog von Altenburg hat 1516 das erste Mal Safran als Pflanzgut zu Friedrich dem Weisen nach Annaburg und Torgau geliefert. Das wollen wir wieder beleben! Die Lieferungen fielen auf fruchtbaren Boden, denn für Döbrichau ist der Anbau um 1540 belegt, 2,5 Scheffel wurden geerntet", weiß der Gartenexperte und stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Landesgartenschau Torgau Dr. Harald Alex. Aber auch in Kräuter- und den Schlossgärten von Torgau und Annaburg waren die Knollen zu finden. Kurfürstin Anna, die eine Pflanzen- und Kräuterliebhaberin war, hatte dafür gesorgt.

"Dass im Torgauer Schlossgarten das edle Gewürz wieder einen Platz erhält, dafür wollen wir am 14. August sorgen und werden um das Pflanzen der Safran-Knollen ein kleines Fest organisieren. Die Besucher können nach der Pflanzung im Schlossgarten bei uns im Kräutergarten allerhand rund um den Safran kennenlernen und natürlich auch kulinarisches probieren", ergänzt Dr. Volkmar Harzer, Vorsitzender des Fördervereins.

Rund 1000 Safran-Knollen werden am 14. August in den Boden kommen. Diese werden zwei Tage zuvor in Altenburg auf Feldern geerntet, wo die Tradition des Safrananbaus seit 2015 durch Andrea Wagner und Dr. Frank Spieth durch die gegründete W³ Wandel - Werte - Wege gemeinnützige GmbH wieder auflebte.

"Wandel - Werte - Wege" ist eine gemeinnützige Einrichtung mit dem Schwerpunkt der Erforschung des Wiederanbaus von Safran in Deutschland, insbesondere in Thüringen. Dazu wird Wissen gesammelt, werden Versuche und Analysen durchgeführt sowie Impulse für die Produktentwicklung gegeben. 2016 bis 2021 wurde die Forschung zum Safran im Rahmen des Programms "Neue Produkte der Bioökonomie" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Aber auch andere Fördermittelgeber unterstützen die Idee des Anbaus von Safran, so wie die Robert-Bosch-Stiftung oder das LEADER-Programm. Ziel ist es, dass sich der Anbau von Safran wieder als Teil der regionalen Landwirtschaft und des Gartenbaus etabliert. Dabei werden insbesondere ökologische Aspekte und die Anpassung an den Klimawandel berücksichtigt. Mit einer groß angelegten Machbarkeitsstudie wird versucht, den Safrananbau lokalen Produzenten wieder schmackhaft zu machen.

Denn bereits vor 500 Jahren wuchs Crocus sativus auch im Altenburger Land. Laut einem Rechnungsbuch aus dem Jahre 1500 nahm die Stadtkasse Altenburg "mehrere Tausend Taler aus den Safrangärten" rund um die Stadt ein. Historische Urkunden belegen, dass zu dieser Zeit ein "köstlich Land-Saffran" großflächig in Ostthüringen angebaut und "die Gegend daher die güldene Aue" genannt wurde.

Safran ist eines der teuersten Gewürze in der Welt. Die dünnen Gewürz-Fäden wachsen im Safran-Krokus. Die Knollenpflanze kann auch in unseren Gärten angebaut werden. Sie blüht wunderschön im Spätherbst und bildet den Winter über sattgrünes Gras aus.

Bereits seit 4000 Jahren wird Safran als Gewürz-, Heil- und Färbepflanze kultiviert. Dabei ist der Safrankrokus durch eine Mutation einer auf den griechischen Inseln beheimateten Krokusart entstanden. Wegen seines dreifachen Chromosomensatz ist der Safrankrokus unfruchtbar und vermehrt sich nur vegetativ, nicht aber durch Samen. Weltweit gibt es also nur eine einzige Art des Safrankrokus. Verwendet werden nur die Griffel der Krokusblüte. Es braucht etwa 150 000 bis 200 000 Blüten, um ein Kilo Safranfäden zu gewinnen. Die Blüten müssen zudem in Handarbeit geerntet werden. Dieser große Aufwand erklärt auch den hohen Preis des Gewürzes, der bei etwa 17 000 Euro pro Kilogramm liegt. 95 Prozent der Weltproduktion des Gewürzes stammen aus dem Iran.

Doch auch im eigenen Garten lässt sich Safran gut kultivieren, erklärt Frank Spieht: "Entgegen der landläufigen Meinung übersteht die Pflanze problemlos Minusgrade im Winter." Safran mag am liebsten tief aufgelockerten, humusreichen Boden. Staunässe verträgt er überhaupt nicht. Auf Lehmböden tut er sich schwer. Die Knollen werden von August bis September zehn bis 15 Zentimeter tief in den Boden gesetzt. Zuvor sollte man ihn tief umgraben.

Sonne ist das oberste Gebot beim Safrankrokus. Dabei sollten Gärtner bei der Wahl des Standortes in erster Linie den Stand der Wintersonne beachten. Als azyklisch wachsende Pflanze braucht Safran selbst zur Zeit der Wintersonnenwende mindestens vier Sonnenstunden pro Tag, idealerweise Nachmittagssonne.

Auf einen Quadratmeter können 100 Safranknollen gesetzt werden. Es müssen natürlich nicht so viele sein, wenn der Safran in erster Linie als Zierpflanze kultiviert werden soll. Wer jedoch Safran für den Eigenbedarf anbaut, sollte etwa mit fünf Quadratmeter à 100 Knollen kalkulieren. Unter diesen Bedingungen ist pro Quadratmeter eine Ernte von ein bis drei Gramm getrockneter Safranfäden zu erwarten. Mit etwa zehn Gramm ist der Jahresbedarf in der Regel gedeckt.

Die Safranknollen bilden Brutknollen aus, auf diese Weise wird der Krokus vegetativ vermehrt. Alle vier bis fünf Jahre sollte das Safranbeet umziehen, weil dann der Boden ausgelaugt ist. Eine Ruhephase von etwa zehn Jahren sollte folgen bevor an derselben Stelle wieder Safran angebaut wird. In der Blütezeit von Oktober bis November können die Blüten jeden Morgen gepflückt werden, jedoch bevor sie sich öffnen. Bereits aufgegangene Blüten sollten aber nicht gepflückt werden. Die Pflanze treibt dann immer neue Blüten nach. Im warmen Zimmer öffnen sich dann die Blüten und die Safranfäden können entnommen werden.

Schon von alters her wird dem Safran eine stimmungsaufhellende, geradezu aphrodisierende Wirkung zugesagt. Im Übermaß genossen, kann das Gewürz allerdings tödlich sein. Dafür müsste man allerdings zehn bis 20 Gramm Safran konsumieren, was sehr unwahrscheinlich ist.

Übrigens: Die Idee, Safran wieder in den Schlossgarten von Hartenfels zu bringen, hat auch noch einen anderen Grund. "Wir haben die Idee, mit der Straße des Safrans Herrscherhäuser, kulinarische und gärtnerische Traditionen zusammen als touristisches Angebot zu entwickeln. Von Thüringen aus über Sachsen bis nach Sachsen-Anhalt ist eine solche Straße denkbar und lässt sich mit allerlei Angeboten umsetzen", sagt Andrea Wagner überzeugt. Dem können sich die Mitglieder des Fördervereins nur anschließen, sehen hier für Torgau, ja die gesamte Region neue Chancen. Auch hinsichtlich regionaler Unternehmen, die sich einbringen können.

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