Sonntag, 16. Juni 2019
Sonntag, 24. März 2019

TORGAU

Auf den Spuren Samuel Hahnemanns nach Torgau

Schriften aus unterschiedlichen Schaffensperioden Hahnemanns. Foto: TZ/Gabi Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Torgau. Am 10. April, Hahnemanns 263. Geburtstag, wird die Elbestadt  zum Begegnungsort von Menschen, die sich der Homöopathie verbunden fühlen. Die TZ war mit Carola Scheuren vom Internationalen Hahnemannzentrum Torgau im Gespräch.

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Das Internationale Hahnemannzentrum Torgau (IHZT) bereitet für den 10. April einen Aktionstag in der Wintergrüne 4 vor. Es ist der 263. Geburtstag von Samuel Hahnemann (1755-1843), des Begründers der Homöopathie. Er forschte und praktizierte sechs Jahre in Torgau. Wir sprachen darüber mit Carola Scheuren, der 1. Vorsitzenden des Vereins.

Frau Scheuren,  der 10. April  hat Tradition für Ihren Verein. Seit wie vielen Jahren schon?

Seit der Gründung des Internationalen Hahnemannzentrums Torgau e.V. in 2014 feiern wir mit Gleichgesinnten, vor allem aber auch mit befreundeten indischen Ärzten, Hahnemanns Geburtstag.

Warum nehmen Inder den langen Weg nach Torgau auf sich?

Auf den Spuren großer Homöopathen zu reisen und die Geburtstagszeremonie in Torgau zu besuchen – das wird immer beliebter. In Indien sind Schul- und Alternativmedizin gleichgestellt. Die Homöopathie hat einen hohen Stellenwert. Unser Kurator Siegfried Letzel findet immer wieder „Trüffelstücke“, die auch für langjährige Homöopathen eine Sensation sind. Zudem ist das Ereignis für viele Gäste in eine Fortbildungsreise eingebunden. In Berlin besuchen wir unter anderem die Charité und in Stuttgart das Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch -Stiftung.

Haben sich schon Gäste angemeldet? 

Ja. Es werden von Jahr zu Jahr mehr. Erstmals begrüßen wir sogar zwei Reisegruppen zur gleichen Zeit. Die größere Gruppe hole ich persönlich in Berlin am Flughafen ab und begleite bereits am 9. April etwa 40 Ärzte samt Familienangehörige nach Torgau. Am 10. kommen kommen noch weitere Gäste. Auch die knapp 5000 Mitglieder in unserer Facebookgruppe werden das Geschehen online mitverfolgen können.

Wie sieht das Programm am 10. April aus? Was wird in den Räumen des Geschichtsvereins – Stadt- und Kulturgeschichtliches Museum – und was in der Wintergrüne 4 geboten?

Nachdem die Besucher unsere Ausstellung in der Wintergrüne 4 besichtigt haben, werden wir die Geburtstagszeremonie quasi gegenüber in den Räumen des Geschichtsvereins beginnen. Dabei werden neue und sehr interessante Ausstellungsstücke vorgestellt. Unter anderem dürfen unsere Gäste gespannt sein auf einen Artikel, den Hahnemann 1831 über die Behandlung der Cholera geschrieben hat.

Es wird einige Gastredner geben. Herr Letzel zeigt eine Powerpoint-Präsentation. Er hat auch das Thema „Zurück zu den Wurzeln“ für den diesjährigen Kongress vorgeschlagen und wird über die Problematik der divers ausgelegten Praxis der gegenwärtigen Homöopathie mit ihren Seitenstämme und Verästelungen sprechen, und auch darüber, wie entscheidend Hahnemann die moderne Chemie, Pharmazie und Medizin beeinflusst und geprägt hat. Also von der zum Teil verworren ausgelegten heutigen Homöopathie zurück zu ihren Wurzeln und dann hin zum stabilen, unverfälschten Stamm der Homöopathie

Wer kann daran teilnehmen?

Jeder der sich für das Thema interessiert kann an der Geburtstagszeremonie teilnehmen. Bitte beachten: Die Reden werden in englischer Sprache gehalten.

Es soll auch ein Theaterstück geben?

Genau –  allerdings zum Abschluss der Konferenz. Darauf freue ich mich persönlich sehr. Unsere  Gäste dürfen sich davon überraschen lassen.

Warum sollten sich vor allem auch Menschen aus Torgau und Umgebung die Ausstellung in der Wintergrüne 4 anschauen?

Die Ausstellung  ist interessant für Jedermann. Hier kann man sich in gut verständlicher Form über den Arzt, Chemiker und Autor Hahnemann informieren und eintauchen in die Anfänge der Homöopathie Anfang des 19. Jahrhunderts. Als Arzt und Forscher war für ihn die sesshafte Zeit in Torgau sehr produktiv und prägt heute noch die Medizin. Zuvor hatte er übrigens  eine Zeitlang in Schildau gelebt! Weg von der Vier-Säfte-Medizin des Mittelalters hat Hahnemann geforscht, geprüft und Erkenntnisse gesammelt. Er war unzufrieden mit den aggressiven  Methoden der Heroischen Medizin, mit Aderlässen und Quecksilberverreibungen der damaligen Zeit, und fand neue Wege. Hahnemann schrieb auch wortwörtlich alles mit, was die Patienten ihm mitteilten. Er legte Akten an, die bis heute Zeugnis über seine Behandlungen ablegen. Wichtig zu wissen: Die Homöopathie ist hier in Sachsen geboren. Das Organon, sein Hauptwerk, wurde in Torgau geschrieben.

Trotzdem blieb Hahnemann nur sechs Jahre in Torgau. Warum?

Hätte Napoleon die Stadt Torgau 1811 nicht zur Festung umbauen lassen, wäre Hahnemann hier geblieben. So aber verließ er Torgau. Dennoch ist für Homöopathen auf der ganzen Welt die Zeit Hahnemanns in Torgau sehr wichtig. Die Einwohner können stolz auf diesen genialen Mediziner sein.

Frau Scheuren, Sie sind Heilpraktikerin. Wie nehmen Sie die Entwicklung der Homöopathie in Deutschland wahr?

Es gibt immer mehr Anhänger und auch immer mehr Gegner. Von Beginn an gab es diese, aber auch zahlreiche Prominente, die ihr vertrauen. Zahlreiche physikalische Untersuchungen zeigen, dass homöopathische Arzneimittel auch in höchsten Verdünnungen anders als reine Lösungsmittel sind.

Wer zählte oder zählt zu diesen prominenten Homöopathie-Verfechtern?

Bekannt sind Paganini und Clara Schumann. Später folgte Charles Darwin. Auch namhafte Schriftsteller befürworteten die Homöopathie, so etwa Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane, Charles Dickens oder Bernhard Shaw. Der approbierte Apotheker Fontane schrieb: „ ... .erst von der Vielpraxis her datierte der nicht mehr anzuzweifelnde Sieg der Homöopathie.“ Das englische Königshaus lässt sich heute noch homöopathisch behandeln. Paul McCartney verreist nie ohne seine homöopathischen Arzneimittel.

In einer Talk-Sendung des NRD hatte sich 2018 auch Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt des FC Bayern München, einer der bekanntesten Sportärzte der Welt, zur Homöopathie bekannt ...

Das haben wir wohlwollend vernommen. Er sagte, ich zitiere: „Ich habe ein Prinzip mir zu eigen gemacht, ich möchte dem Patienten nicht schaden, und so bin ich zur Homöopathie gelangt, von der ich absolut überzeugt war und immer gewesen bin.“

Wie positionieren Sie sich?

Ich habe viele Fälle gesehen, die sehr gut verlaufen sind. Wer homöopathisch behandelt werden möchte, der findet seinen Homöopathen. Und die anderen finden ihren Schulmediziner. Ich für meinen Teil bin glücklich, dass ich die Wirksamkeit der Homöopathie kenne und nutzen kann. Manchmal frage ich mich allerdings, wenn die Homöopathie angeblich nichts bewirken soll, warum gibt es dann so viel Gegner?

Wie haben Sie sich mit den neuen Räumlichkeiten in der Wintergrüne 4 arrangiert?

Wir sind Herrn Schumann sehr dankbar, dass er uns nach dem unfreiwilligen Auszug aus dem Original-Hahnemann-Wohnhaus in der Pfarrgasse 3 die neuen Räume überlassen hat. Wir blicken nun in die Zukunft. Ja, wir konnten die neuen Räumlichkeiten unseren Bedürfnissen anpassen und ausbauen, aber es wird langsam eng. So haben wir wichtige Exponate im Wechsel in der Ausstellung oder gänzlich einlagern müssen.

Wer kann dem Internationalen Hahnemannzentrum Torgau beitreten?

Jeder, der sich dafür interessiert. Wir haben Mitglieder aus der ganzen Welt. Jeder, der die Geschichte bewahren möchte, der Interesse an der Homöopathie hat oder uns einfach personell unterstützen möchte, kann entweder Mitglied bei uns werden oder im aktiven Team mitwirken.

Also unterstützen, auch ohne Mitgliedschaft im IHZT?

Natürlich! Wir suchen zum Beispiel Unterstützung, um die Öffnungszeiten der Ausstellung wieder ausdehnen zu können. Wer also Freude daran hat, Besucher zu empfangen und in einem netten Team zu arbeiten, wird herzlichst aufgenommen. In diesem Zusammenhang freuen wir uns sehr, dass es auf den Artikel in der Torgauer Zeitung mit der Bitte um Hilfe bei den Feierlichkeiten am 10. April bereits entsprechende Resonanz gab. Und vielleicht melden sich noch weitere  potentielle Helfer!

Wie ist die Ausstellung gegenwärtig geöffnet?

Wir starten leider mit verkürzten Öffnungszeiten. Dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr kann die Ausstellung in der Wintergrüne 4 ohne Anmeldung besichtigt werden. Wir freuen uns über interessierte Besucher und stehen zum Gespräch zur Verfügung. Auch außerhalb der Öffnungszeiten ist eine Besichtigung mit Voranmeldung über Telefon 03421 74131 möglich. 


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