Mittwoch, 14. November 2018

 
Samstag, 10. November 2018

NORDSACHSEN

CDU nominiert Merbitz. Gemkow und Kiesewetter

Mit diesen Kandidaten will die CDU unter ihrem Kreisvorsitzenden Marian Wendt (rechts) in Nordsachsen drei Direktmandate verteidigen (von links): Bernd Merbitz, Jörg Kiesewetter und Sebastian Gemkow. Foto: TZ/Stöber ?

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Bad Düben. Die CDU Nordsachsen hat am Freitag ihre Direktkandidaten für die Landtagswahl 2019 nominiert. Ob der Abend so spannend verlief, wie es viele erwartet hatten, lesen Sie hier:

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Nordsachsens CDU ist ab sofort im Wahlkampfmodus. „Wir haben die meisten Mitglieder, wir stellen die meisten Bürgermeister, wir sind die Nordsachsenpartei“, schwor Kreisvorsitzender Marian Wendt die mit ihm 175 Mitglieder am Freitagabend auf einen „sehr harten Kampf“ ein.

In den Stunden zuvor hatten eben diese Mitglieder darüber abgestimmt, wer für die CDU am 1. September 2019 die drei Direktmandate für den Sächsichen Landtag verteidigen soll.

Am Ende behaupteten sich Jörg Kiesewetter (38) im Wahlkreis 34, Sebastian Gemkow (40) im Wahlkreis 35 und Bernd Merbitz (62) im Wahlkreis 36. In jedem der drei Wahlkreise hatte es Gegenkandidaten beziehungsweise ein Gegenkandidatin gegeben.

Michael Czupalla, Ex-Landrat und nach wie vor bestens vernetzt, freute sich über die hohe Qualität aller Kandidaten: „Wer hat das schon“, fragte er in Richtung der politischen Konkurrenz. Gleichwohl machte er keinen Hehl daraus, dass das gewählte Trio auch so auf seiner Wunschliste gestanden hatte.

Doch zunächst war es gar kein Kandidat, der der Mitgliederversammlung im Heide Spa seinen Stempel aufdrückte. Es waren die klaren Worte des Bad Dübener Pfarrers Andreas Ohle, der auch das letzte CDU-Mitglied ordentlich erdete.

Der Otto-Normal-Bürger verstehe Politik einfach nicht mehr. Die Menschen seien auf der Suche nach jemandem, der Politik für sie mache, formulierte Ohle in seiner Andacht und wünschte sich mehr vom C in der CDU-Politik.

Wahlkreis 34

Jörg Kiesewetter, derzeit noch direkt gewählter Landtagsabgeordneter im Wahlkreis 34 setzte sich hier mit 40:27 Stimmen gegen Bundeswehroffizier René Kinnigkeit durch. Der Rand-Delitzcher gab am Rednerpult so richtig Gas. Wie alle anderen Kandidaten auch, würdigte er die Leistungen der CDU in Vergangenheit, um anschließend mit der gegenwärtigen Christdemokratie abzurechnen.

Mit dem Politikstil der Alternativlosigkeit habe man die AfD groß gemacht, es fehle den Volksparteien an Haltung. Er selbst präsentierte sich als bodenständig, ortsverbunden und Mann klarer Worte – das nahm man ihm ab. Ebenso authentisch der Auftritt von René Kinnigkeit (35).

Der Rackwitzer hatte seine Worte weniger gedrechselt, wollte seine Schwerpunkte auf die Bereiche Schule, Kita und Bildung legen und der kommunalen Ebene mehr Kompetenzen einräumen.

Wahlkreis 35

Auf der einen Seite der Leipziger Polit-Profi und Jurist Sebastian Gemkow (40), auf der anderen Seite der Zscheppliner Basis-Kämpfer und selbstständige Handwerksmeister Thomas Hartmann (51) – das war die Konstellation im Wahlkreis 35. Gemkow setzte sich hier mit 72,5 Prozent der Stimmen durch.

„Ein Nordsachse für Nordsachsen“, ließ Thomas Hartmann gleich zu Beginn seiner Vorstellungsrede wissen, was er seinem Konkurrenten voraus habe. Konkret kündigte er an, dafür einzutreten, dass Dommitzsch Grundzentrum bleibt, für die Klinik Bad Düben zu ringen und sich unter Bürgerbeteiligung um die B 87n bei Taucha zu kümmern.

Gemkow erklärte zunächst, warum er in Nordsachsen antreten wolle. Er wolle die Zukunft gestalten und die mache nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen halt. Leipzig und Nordsachsen bilden aus seiner Sicht einen eng verwobenen regionalen Großraum.

Im ländlichen Nordsachsen werde er sich für Infrastruktur, Schulen und einfacheres Bauen einsetzen. In puncto innere Sicherheit lieferte der Justizminister alles, was die CDU-Politik aktuell im Köcher hat, von verschärfter Strafverfolgungspraxis bis zu beschleunigten Verfahren.

Wahlkreis 36

Hier fiel die Entscheidung knapp aus. Mit 32:26 Stimmen nominierten die CDU-Mitglieder aus der Region Torgau-Oschatz Bernd Merbitz. Der Leipziger Polizeipräsident tat das, wofür ihm zuletzt immer wieder Anerkennung gezollt wurde: Er sprach Klartext.

Die CDU habe in Sachsen viel erreicht, zuletzt sei das Vertrauen in die Partei jedoch verschwunden. Er will das ändern. Nordsachsen gehöre zu seinem Aufgabenbereich als Polizeipräsident, deshalb stelle er sich hier der Nominierung. Im Eiltempo arbeitete sich Merbitz durch die Politikfelder.

Er kündigte an, sich für eine Änderung der Polizeirevier-Struktur einzusetzen, will sich für eine Feuerwehrrente stark machen und dafür sorgen, dass es der mittelständischen Wirtschaft besser geht. Für die B 87 müsse endlich eine Lösung her und Bürokratie müsse auch verschwinden. Vertrauen, Dialogbereitschaft, Ehrlichkeit – auf dieser Basis wolle er arbeiten.

Dr. Christiane Schenderlein (37) verpackte noch ein paar Punkte mehr in ihrer Redezeit. Wie Hartmann verwies auch sie auf ihren nordsächsischen Wohnort (Taucha) und ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Region.

Unter anderem habe ein von ihr begleitetes Projekt zur Integration von Geflüchteten aber auch Deutschen am Rande der Gesellschaft gerade den Sächsischen Integrationspreis erhalten. An verschiedenen Stellen schaffte es die 37-Jährige, den für die junge Generation so wichtigen Punkt Nachhaltigkeit zu platzieren – so bei den Themen Pflege, ÖPNV sowie Natur und Landwirtschaft. Bei der inneren Sicherheit machte sie klar: 1000 neue Polizisten seien gut, die Zahl aber ausbaufähig.

 

Kommentar

Die Zeiten, in denen eine CDU-Nominierung im ländlichen Sachsen den Freifahrtschein in den Landtag bedeutete, sind vorbei. Blickt man auf die Ergebnisse der Bundestagswahl in Nordsachsen und auf aktuelle Trends im Land, müssen sich die Christdemokraten warm anziehen, wollen sie stärkste Kraft bleiben.

Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass die Mitglieder am Freitagabend die nominierten, die sie nominierten. Den kantigen Kiesewetter, den staatsmännischen Gemkow und den Haudegen Merbitz.

Alle drei betonten ihre christdemokratischen Wurzeln, alle drei wollen, in Abstufungen, kein „weiter so“, alle drei haben das Thema innere Sicherheit weit oben auf der Agenda. Und strategisch betrachtet, haben die Nicht-Nordsachsen Gemkow und Merbitz sicherlich größere Chancen, im Wahlkampf zu bestehen, als ihre parteiinternen Konkurrenz.

Aus nordsächsischer Perspektive sieht es also, auch mithilfe des Kandidaten-Imports, gut aus für die CDU und ihre Bemühungen, die drei Direktmandate zu verteidigen. Und irgendwie sahen das wohl auch die Parteimitglieder so, die nicht für Merbitz oder Gemkow stimmen wollten. Denn eine peinlich Befragung blieb am Freitag aus. Niemand nahm den vom Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Kolbe geprägten Begriff „Politik-Tourismus“ in den Mund, niemand suchte in diesem Punkt die Konfrontation.

So erklärten Gemkow gut und Merbitz kurz, wie sie auf Nordsachsen kamen, ihre Flucht aus Leipzig mussten sie nicht begründen. Sebastian Stöber

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