Freitag, 22. Oktober 2021
Donnerstag, 14. Oktober 2021

TORGAU

Christian Pirl: "Es funktioniert!"

Christian Pirl über Unterschiede zu staatlichen Schulen: „Die Grundidee ist das Anwenden der Pädagogik von Maria Montessori.“ Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau. Christian Pirl ist Geschäftsführer des Pro Montessori e. V., Träger der Freien Grund- und Oberschule Torgau sowie des Montessori-Kinderhauses. Im SWB-Gespräch erklärt er, was sich im Laufe der Jahre entwickelt hat.

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SWB: Welche Intention stand hinter der Idee, im Jahr 1999 eine Freie Schule in Torgau ins Leben zu rufen?
Christian Pirl:
Der Pro Montessori e. V. wurde als reiner Elternverein 1996 gegründet. Im Mittelpunkt stand die Betreuung der eigenen Kinder und der Wille, eine Alternative zum bestehenden Bildungssystem zu schaffen.

Bevor Freie Schule und Kinderhaus ihren angestammten Platz in der Schildauer Straße 20 fanden, mäanderte die Einrichtung quasi durch Torgau …
Das kann man so sagen. Es gab zunächst verschiedene Stationen wie die alte Villa des Notars Hoffmann, die alte Kita in Torgau-Nordwest, auch an der ehemaligen Grundschule Sitzenroda war der Verein bis 2006 eingemietet. Während der Bauzeit waren wir in ganz Torgau verstreut. Im August 2008 konnten wir am jetzigen Standort die Freie Grund- und Oberschule sowie das Kinderhaus eröffnen.

Das war vorher sicherlich keine leichte Zeit.
Und ob! Es waren schwierige Jahre, besonders in der Übergangsphase, als der Bau fertig werden musste. Aufgrund der Unsicherheit sprangen einige Eltern ab: Wir verloren Kinder, die wir uns mühsam im Laufe der  Jahre zurückgewinnen mussten.  

Was sind die augenscheinlichsten Unterschiede zu staatlichen Schulen?
Die Grundidee ist das Anwenden der Pädagogik von Maria Montessori. Unser Bestreben ist es, die Kinder vom ersten Lebensjahr an im Kindergarten bis zum Abschluss der 10. Klasse zu begleiten. Unser Konzept ist individuell auf die Kinder zugeschnitten, berücksichtigt Stärken und Schwächen gleichermaßen. Zudem sind wir eine inklusive Einrichtung, aber nicht besser oder schlechter als andere Einrichtungen. Unser System funktioniert nur in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, die sich in vielen Aspekten mit einbringen können und sollen – sei es beim Verrichten von Arbeitsstunden oder der Durchführung von Neigungsangeboten. Diese Wechselwirkung ist wünschenswert. Da sind in der Vergangenheit gute Sachen entstanden. Zudem gibt es bei uns keine Zensuren im herkömmlichen Sinne.

Was gibt es stattdessen?
Unsere Lernmaterialien ermöglichen immer eine Selbstkontrolle. Es gibt Feedback der Pädagogen und es gibt auch Tests mit einem Punktesystem. Die Schülerinnen und Schüler erhalten halbjährliche Entwicklungsberichte, in denen die im Unterricht bearbeiteten Inhalte und die Leistungen beschrieben sind. Eltern können im Unterricht hospitieren. Es gibt ausführliche Elterngespräche, damit sie wissen: Wo steht mein Kind leistungsmäßig? Auch um Konflikte zu erkennen und sie zu lösen.

Wie sieht es mit der Gleichstellung mit staatlichen Schulen aus?
In den letzten Jahren hat sich vonseiten des Freistaates Sachsen einiges getan, vieles ist besser geworden, auch wenn wir immer noch nicht die gleichen Mittel wie staatliche Schulen erhalten. Wir müssen Elterngebühren erheben, um alle Kosten decken zu können. Um eine bessere Interessenvertretung der Freien Schulträger gegenüber dem Freistaat Sachsen gewährleisten zu können, wird eine Verbandsgründung mit der Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen in Sachsen und anderen Trägern angestrebt.

Können Sie einen kleinen Einblick in den Schulalltag geben?
Gearbeitet wird nach einem Wochenplan, eine Schulstunde dauert 45 Minuten, allerdings gibt es keine Schulklingel. Zudem gibt es lange Pausen, in denen sich die Schüler im Freien beschäftigen und bewegen können. Der normale Schultag dauert von 8 bis 14.30 Uhr. Unterrichtet werden alle Fächer gemäß des Sächsischen Lehrplans, es gibt viermal jährlich eine unterschiedliche Projektwoche in den beiden Schulen. So frei, wie es früher einmal war, ist es sicherlich nicht mehr (lacht). Heute ist alles wesentlich strukturierter.

Schüler denken, sie lernen für die Eltern oder Lehrer.
Unsere Schüler wollen lernen! Unser Ziel ist es, die Kinder dazu zu bringen, „den Schalter umzulegen“, wir wollen ihnen eine Ausrichtung für ihren Lebensweg geben. Diese Entwicklung zu sehen, ist spannend.

Wie sind Kinderhaus und Schule ausgelastet?
Zurzeit haben wir im Kinderhaus 42 Kinder, wofür neun ErzieherInnen zur Verfügung stehen. Wir haben im Krippenbereich noch freie Plätze für Kinder, die ab dem 1. Juli 2020 geboren sind. 70 SchülerInnen sind an der Freien Schule angemeldet. Alle Jahrgänge sind gut belegt, sodass es eine Warteliste gibt. Dreimal jährlich öffnen wir unsere Türen für Interessenten, um Einblicke zu geben.

Wie steht es um das Personal?
Wir wünschen uns, eine zweite Fremdsprache unterrichten zu können. Sei es Spanisch, Französisch oder Russisch. Dafür benötigen wir einen Lehrer oder eine Lehrerin. Außerdem haben wir noch eine Stelle für Förderpädagogen zu besetzen.

Im Laufe der Jahre gab es am Standort immer bauliche Veränderungen?
Bereits 2013 erfolgte die Erweiterung des Kindergartens und des Krippenbereichs. Im laufenden Jahr konnten wir eine alte Halle dank LEADER-Förderung umbauen. Dort entstanden eine Aula als Treffpunkt und Angebotsraum, ein Kabinett für naturwissenschaftliche Fächer und ein Kunst-Atelier sowie ein Hausmeisterraum.  

Was steht baulich noch auf der Agenda?
Im kommenden Jahr wollen wir uns dem Thema Grünes Klassenzimmer – ein Bereich, wo wir im Freien unterrichten können – widmen. Auch unsere Schülerwerkstatt benötigt mehr Platz.

Ergeben sich für die Schüler Nachteile für den weiteren Lebensweg, wenn sie zum Gymnasium wechseln oder eine Ausbildung beginnen?
Nein. Im Gegenteil. Ziel ist es, einen guten Realschulabschluss zu machen. Die Prüfungen werden an staatlichen Schulen abgelegt. Und es finden alle den Ausbildungsplatz, den sie möchten. Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum, der Gutenbergschule in Leipzig und der Heimerer Schule. Der gymnasiale Bildungsweg steht den Realschulabgängern regulär offen. Wir bekommen Rückmeldungen, dass unsere Schüler sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet sind.

Wie wird das Thema Digitalisierung behandelt?
Wir haben ein medienpädagogisches Konzept erstellt und Gelder bewilligt bekommen, die wir aktuell in Netzwerk- und Servertechnik investieren. Geplant ist, digitale Tafeln anzuschaffen und Laptops zu erwerben.

¦    Kontakt und Informationen unter Telefon 03421 703551 und auf www.pro-montessori.de

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