Donnerstag, 30. Juni 2022
Dienstag, 21. Juni 2022

TORGAU

Cranach-Werk "Heiliger Rochus" kommt zurück nach Torgau

Die Altartafel Heiliger Rochus von Lucas Cranach d. Ä., gemalt kurz vor der Reformation um 1515, kehrt zurück nach Torgau. Der Heilige gilt als Schutzpatron gegen die Pest. (Foto: ) (Museum)

von Silke Kasten

Das Cranach-Werk "Heiliger Rochus" war im Krieg entwendet worden und befand sich zuletzt in der Schweiz. Demnächst wird es im Torgauer Museum ausgestellt. Aber wie kam es dazu?

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Torgau Lange galt sie als verschollen. Jetzt ist sie wieder da - und kehrt sogar nach Torgau zurück: Die Altartafel Heiliger Rochus von Lucas Cranach dem Älteren wird am 1. Juli wieder in Torgau erwartet, teilt die Leiterin des Stadt- und Kulturgeschichtliches Museums, Cornelia König, mit.

Seit 1979 war die Tafel Bestandteil der Schweizer Sammlung der Stiftung Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG). Stiftungsratspräsidentin Bettina Stefanini, die Tochter des Sammlers, und Geschäftsführer Christoph Lichtin werden nach Torgau reisen, um das Gemälde persönlich dem Geschichtsverein zu überreichen. Als Gast wird die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, anwesend sein.

"Wir freuen uns riesig", sagte König auf Anfrage. "So kann die Tafel wieder in ihrer ursprünglichen Form gemeinsam mit einem zweiten Altarflügel im Museum ausgestellt werden." Dr. Jürgen Herzog, Vorsitzender des Torgauer Geschichtsvereins, ist ebenfalls beglückt: "Das ist ein wunderbares Ereignis mit großer Bedeutung für Torgau."

Der Altarflügel Heiliger Rochus von Lucas Cranach d. Ä. (1472 bis 1553) war ursprünglich Teil eines Altartriptychons in der Franziskanerkirche Torgau. Er wurde während der Kriegswirren am Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Sammlung des Torgauer Altertumsvereins entwendet, die im Schloss Torgau deponiert war. Gemäß der Datenbank Lost Art wurden beide Altarflügel nach 1945 getrennt und 1979 einzeln in Zürich versteigert.

Der Heilige Rochus (1295-1379) aus Montpellier galt als Schutzpatron gegen die Pest, weil er während einer Pilgerreise 1317 auf dem Weg nach Rom Pestkranken geholfen haben soll. Auf seiner Rückreise erkrankte er in Piacenza 1322 selbst an Pest und wurde von niemandem gepflegt. Er betete, zog sich in einen Wald zurück und wurde der Legende nach dort von einem Engel gepflegt. Der Hund eines Junkers brachte ihm so lange Brot, bis er wieder genesen war. Er heilte weiterhin Kranke, bis er in Piacenza die Pest besiegte.

Danach kehrte er nach Montpellier zurück. Dort erkannte ihn aber niemand wieder, weil er aufgrund seiner Erkrankung entstellende Narben davongetragen hatte. Unter dem Verdacht der Spionage warf man ihn ins Gefängnis. Rochus dankte Gott für die Prüfung und verbrachte bis zu seinem Tod fünf Jahre geduldig hinter Gittern. Die Altartafel zeigt den Heiligen als Pilger mit Pilgerhut und Jakobsmuschel. Auf seinem entblößten Oberschenkel ist eine Pestbeule zu sehen.

Während der Inventarisierung stellte die Stiftung 2020 fest, dass die Tafel vom Torgauer Geschichtsverein als vermisst gemeldet worden war. Eine handschriftliche Notiz auf der Rückseite des Altarflügels in der Sammlung der SKKG, vermutlich erstellt vom Stifter Bruno Stefanini, verweist darauf, dass er das Werk 1979 beim Auktionshaus Koller in Zürich für 82 000 Franken angekauft hatte.

Bei der Altartafel handelt es sich nicht um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998, kurz NS-Raubgut genannt. Trotzdem hat sich die SKKG für eine Schenkung des Werkes an den Torgauer Geschichtsverein entschieden. "Damit erkennt sie die kulturhistorische Bedeutung des Werkes in seinem ursprünglichen Kontext an, ebenso wie den unverschuldeten Verlust im Jahr 1945," freut sich Museumsleiterin König.

Diese Schenkung ergänzt die im Jahr 2009 von der Siemens-Stiftung gemachte Dauerleihgabe. Der zweite Altarflügel, der den Heiligen Nikolaus von Bari zeigt, konnte Ende 2008 nach Torgau zurückgegeben werden. Zuvor war dieser bei einer Auktion in Luzern aufgetaucht. Die Siemens-Stiftung hatte den Erwerb ermöglicht und übergab die Tafel als Dauerleihgabe.

Im Mai 2021 informierte der Geschäftsführer der SKKG den Vorsitzenden des Torgauer Geschichtsvereins, Dr. Jürgen Herzog, über den Standort der gesuchten zweiten Tafel mit dem Heiligen Rochus. "Es folgten freundschaftliche Gespräche, die am Ende in den Schenkungsvertrag mündeten", erläuterte Herzog.

Die SKKG versteht ihre Sammlung als Vermächtnis und Teil des gemeinschaftlichen Erbes. Und sie verpflichtet sich, Provenienzen - also die Herkunft der Kunstwerke - offenzulegen. "Wir möchten, dass die Menschen an der Kunst teilhaben können", erläuterte die Sprecherin der SKKG auf TZ-Anfrage. Die Sammlung der Stiftung umfasse rund 80 000 Werke. Nach der Inventarisierung sei begonnen worden, über deren Zukunft zu entscheiden. "Wir möchten, dass Kunst erlebbar wird und wollen uns nicht an einzelne Objekte klammern. Es kommen sowohl Schenkungen als auch Dauerleihgaben in Betracht."

Tatsächlich sei der Heilige Rochus das erste Kunstwerk, das die Schweiz als Schenkung verlasse. Da das Werk sowohl Teil der Sammlungsgeschichte der SKKG als auch des Torgauer Geschichtsvereins ist, fühlen sich beide Seiten diesem verbunden. Die Torgauer und die Schweizer wollen deshalb weiter im Hinblick auf die Provenienz und die Erforschung des Werks zusammenarbeiten. "Für die Stadt Torgau ist die Rückkehr des Gemäldes eine große Freude und Verpflichtung, sie für künftige Generationen zu bewahren", so König. Herzog betont, dass die Stadt somit um eine weitere Attraktion reicher sei. Der Geschichtsverein fühle sich der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte in Winterthur dauerhaft verpflichtet.

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