Sonntag, 14. August 2022
Freitag, 1. Juli 2022

TORGAU

Der Heilige Rochus ist wieder daheim

„Ein wunderbares Werk von Cranach“: Stiftungspräsidentin Bettina Stefanini vor den beiden Altartafeln Heiliger Rochus (l.) und dem Heiligen Nikolaus. Die beiden Tafeln waren einst vereint als rechte Seitentafel eines Altartriptychons – wobei der Nikolaus die Vorderseite zierte und Rochus die Rückseite. (Foto) (: Silke Kasten)

von Silke Kasten

Torgau. Große Freude und Dankbarkeit im Museum: Eine zweite Tafel des Altartriptychons von Lucas Cranach d. Ä. kehrt als Schenkung nach Torgau zurück.

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Torgau Große Freude im Museum: Die Altartafel Heiliger Rochus von Lucas Cranach d. Ä. ist nach 77 Jahren wieder zurück in Torgau. "Das ist ein besonderer Tag", freute sich Dr. Jürgen Herzog, der Vorsitzende des Torgauer Geschichtsvereins. In Beisein von Kultusministerin Barbara Klepsch (CDU) und Museumsleiterin Cornelia König enthüllten die Präsidentin der Schweizer Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Dr. Bettina Stefanini, und Oberbürgermeisterin Romina Barth das wertvolle Bild.

"Wir wollen etwas bewegen und Wirkung erzielen", begründete Stefanini die Großzügigkeit ihrer Stiftung. Wie berichtet, verschenkt diese das Bild an die Torgauer.

Von einer Sensation spricht Prof. Dr. Elke Werner, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Städteverbundes "Wege zu Cranach" von der Universität Mainz auf TZ-Anfrage: "Der Heilige Rochus ist wie der Heilige Nicolaus ein ganz besonders qualitätsvolles Werk aus der Cranach-Werkstatt." Wie berichtet, gilt der aus Montpellier stammende Rochus (1295-1379) als Pest-Heiliger, weil er sich um Erkrankte kümmerte und selbst an der Seuche erkrankte.

Die Altartafel weise typische Stilelemente der Zeit um 1515 auf, darunter die kontrastreiche Farbigkeit des Gewands. "Im Gegensatz zum Heiligen Nikolaus, der förmlich erscheint, sieht der Heilige Rochus eher altertümlich aus", so Werner. Besonders beeindruckt sie der Ausdruck: "Blick und Gestik erzielen im Zusammenspiel eine sehr eindringliche Wirkung."

Vermutlich sei das Werk im Zuge der Erneuerung der Klosterkirche der Franziskaner, die zwischen 1490 und 1517 stattfand, in Auftrag gegeben worden - also noch in vorreformatorischer Zeit. "Zwischen 1510 und 1520 sind im kursächsischen Raum viele neue Altäre entstanden", weiß die Expertin. Der Altar mit dem Heiligen Rochus wurde entweder vom Kurfürsten oder vom Franziskaner-Orden in Auftrag gegeben. "Die Franziskaner waren als Bettelorden besonders der Seelsorge der Armen verpflichtet, die großenteils von der Pest betroffen waren."

Die Pest sei damals allgegenwärtig gewesen. "Allein in Wittenberg wurden 13 Pestwellen zwischen 1500 und 1600 gezählt. Die Sorge der Menschen war groß." Es sei bekannt, dass auch die Familie Cranach um 1550 aus Wittenberg vor der Pest floh und sich zwischenzeitlich in Weimar in Sicherheit brachte. Im nahen Torgau sei die Lage vermutlich kaum besser gewesen. Die Parallelen angesichts der aktuellen Corona-Pandemie seien frappierend, so Werner.

Altäre mit den Bildnissen der Schutzheiligen seien deshalb nicht selten gewesen. "Im Mittelpunkt standen das Leiden an der Krankheit und das Erdulden."

Es war üblich, dass Altartafeln bestückt wurden und umklappbar waren. Der Heilige Rochus befand sich auf der Rückseite am Seitenflügel der Altartafel, die bereits 2008 als Dauerleihgabe nach Torgau zurückkehrte.

Auf der Vorderseite der Altartafel befand sich der Heilige Nikolaus. Dieser wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof in Myra; um seine Wohltätigkeit und Wunder rankten sich zahlreiche Legenden.

Auf der Mitteltafel war Hiob dargestellt. Er hatte nach den göttlichen Regeln gelebt, wurde jedoch von verschiedenen Schicksalsschlägen und Leiden heimgesucht. Diese erträgt er geduldig, darunter auch eine Infektion mit schwerem Hautausschlag. Diese Erkrankung Hiobs wird häufig um 1500 dargestellt. Hiob gilt als ein Vorbild für das geduldige, weil gläubige Ertragen von Schicksalsschlägen. Eine ähnliche Szene war auf der Mitteltafel in Torgau dargestellt.

Das Mittelteil des Altartriptychons ist schon seit längerer Zeit verschollen. Der Vorgänger des heutigen Geschichtsvereins, der Altertumsverein, hatte bereits nur den Heiligen Rochus und den Heiligen Nikolaus im Bestand aufgeführt.

Das Bild Heiliger Rochus, dessen Wert Fachleute auf über eine Million Euro schätzen, wird in der ehemaligen Hauskapelle des Museums im Erdgeschoss präsentiert. Dort befinden sich bereits zwei Cranach-Bilder, die als Dauerleihgaben überlassen wurden.

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