Freitag, 20. September 2019
Mittwoch, 4. September 2019

TORGAU

Die 13: Alles andere als eine Unglückszahl

Heidi Peterson auf der grünen Terrasse des Kulturhauses.Foto: TZ/J. Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Mit über 2000 Zuschauern ging vor Kurzem die 13. Auflage des Torgauer Kultursommers zuende. Wie ihr Fazit zu zwei Premieren und einem Drahtseilakt ausfällt, erklärt Kulturhauschefin Heidi Peterson im TZ-Gespräch.

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Torgau. Mit der Organisation von Spielzeitprogrammen und der Ansprache von Veranstaltungsagenturen, Ensembles und Solokünstlern verschiedener Sparten kennt Heidi Peterson sich aus. Die studierte Kulturwissenschaftlerin und Chefin des Torgauer Kulturhauses hat trotzdem bei jedem der inzwischen 13 Kultursommer ein wenig Lampenfieber gehabt. In diesem Jahr ganz besonders – und das nicht aus Gründen des Aberglaubens.

 

„Jeder weiß, was er zutun hat.“

 

„Im Grunde genommen kann ich mich inzwischen sogar ein bissen entspannen, denn über die Jahre haben wir eine gewisse Routine mit den Veranstaltungspartnern aufgebaut. Das Sicherheitskonzept steht dank der Zusammenarbeit mit dem SWD auf stabilen Grundpfeilern, die je nach Veranstaltungscharakter um zusätzliche Maßnahmen erweitert werden können. Das Schloss als Location ist uns mit allen Bestimmungen und Auflagen zu Brand- und Katastrophenschutz sowie mit allen Fluchtwegen und den sanitären Einrichtungen bestens bekannt. Wenn wir mit den ersten Planungen für diese Reihe jeweils im Vorjahr beginnen, weiß eigentlich schon jeder Beteiligte, was er im Groben zutun haben wird. Das ist im Vergleich zum Beginn vor 13 Jahren eine enorme Erleichterung.“, sagt Heidi Peterson. Dafür dankt sie vor allem der Stadt Torgau und dem Kulturraum Leipzig, denn die Fördermittel aus beiden Richtungen sowie die Sponsorengelder der Wohnstätten GmbH und der Stadtwerke Torgau machen das Planen, das fürs Jahr 2020 in Kürze wieder beginnen wird, um einiges einfacher. Wer aber macht dem Organisationsteam dann diese Zeit zur Zitterpartie?

 

Leuchtende Premiere

 

Ganz einfach: das kritische Torgauer Publikum. In diesem Jahr eröffnete das erste hiesige Taschenlampenkonzert mit der Berliner Band „Rumpelstil“ den Kultursommer auf dem Hofe von Hartenfels. Ob das Konzept eines Mitsingabends unter freiem Himmel und mit Hunderten funkelnder Lämpchen im Besucherraum aufgehen würde, daran hatte Heidi Peterson keinen Zweifel. „In der Bundeshauptstadt funktioniert das Event schon seit mehreren Jahren und es wurden immer mehr Familien mit Kindern, die sich diese gemeinsame Sommererfahrung nicht mehr nehmen lassen.“ Aber, was der Torgauer nicht kennt ... „Das prüft er auf Herz und Nieren. Uns kam zugute, dass diese Berliner Konzerte unter anderem auf der Videoplattform Youtube zu finden sind und  viele unserer Besucher haben uns verraten, dass sie die Küstentour der Band in den einschlägigen Ferienorten entlang der Ostsee schon erlebt und als Highlight empfunden haben. Sie haben sich riesig gefreut, das jetzt auch hier in historischer Kulisse und mit der einzigartigen Atmosphäre am Fuße des Wendelsteins neu zu erleben und mit Freunden und Bekannten teilen zu können.“
Demenstprechend ist sie auch mit den fast 500 verkauften Karten ganz zufrieden. Dafür, dass es eine Premiere gewesen sei, sei diese Zahl sehr erfreulich. Und so finden in Kürze auch erste Gespräche mit „Rumpelstil“ zu einem möglichen Kinderweihnachtskonzert zum Mitmachen für das Jahr 2020 statt. Um den Zauber der Taschenlampennacht wirken zu lassen, sei ein nächstes Sommerkonzert aber frühestens 2021 angedacht.

 

Der Abräumer

 

Das war unangefochten Kabarettist Uwe Steimle. „Die Leute in der Region kennen ihn als jemanden, der auch unangenehme Themen ganz offen anspricht und keine Angst hat, sich auch mal zu „vermaulieren“, weiß Heidi Peterson. Dass ihm inzwischen vorgeworfen werden kann, sich nicht allzu stark vom rechten Rand der Gesellschaft in Sachsen abzugrenzen, könne sie verstehen, dennoch gelte die Kunstfreiheit. „In seinen Auftritten liegt die Chance, miteinander zu reden.“, sagt sie. Heidi Peterson hoffe, dass genau das auch nach solchen Abenden, an denen, wie in Torgau fast 1000 Zuschauer seiner Sicht auf „Steimles Welt“ gelauscht haben, passiert. Über ein entsprechendes vom Kulturhaus moderiertes Diskussionsforum im Nachgang nächster Steimle-Auftritte denke sie ernsthaft nach, um den Diskurs zwischen den verschiedenen Positionen der gespaltenen Bevölkerung zu unterstützen. Im Februar kommt der „kleene Saggse“ wieder nach Torgau – geht man davon aus, dass seine Kunst nah am Menschen entsteht, könnte Uwe Steimle nichts besseres passieren, als ein Stammtischgespräch mit authentischen Torgauern verschiedener Couleur.

 

Von einem demokratischen Träumchen zum märchenhaften Däum(elin)chen: Das Kindermusical hatte am 25. August mit zwei großen Gegnern zu kämpfen. Einmal fand in Döbrichau an jenem Tag ein gut besuchtes Bikertreffen statt und zum anderen lockten hochsommerliche Temperaturen die Kids ab drei Jahren und ihre Familien um 15.30 Uhr eher ins Freibad, denn auf den Hof des einstigen DEFA-Dornröschen-Schlosses. Knapp 200 kleine und große  Besucher hatten dennoch SPaß an der Aufführung der Naturbühne Dornreichenbach, einem Ensemble, das ausnahmslos aus Laien besteht, aber vor allem durch die zauberhaften Kostüme und die selbstkomponierte Bühnenmusik kleinere Längen in der Inszenierung vergessen lässt. „Hier darf das Publikum mitmachen, am Schluss zum großen Finale jeder noch so kleine mutige Knopf sich mit verbeugen. Das macht hier den großen Reiz aus, egal ob 100 oder 1000 Menschen dabei zusehen.“ Dennoch werde es im nächsten Jahr den „Gestiefelten Kater“ des Theaters COCOMICO zum Kultursommer geben.

 

Perspektive geschaffen

 

Und dann war da noch die große Premiere als neuer Veranstalter des „Hörnerklangs am Wendelstein“. Über 500 Menschen wollten dem Gesang des Männerchors und dem majestätischen Klang der Parforce-Hörner aus Taucha zuhören und gleichzeitig mit dem Kauf ihrer Eintrittskarte etwas gutes tun: ein Euro pro Ticket wird an die Torgauer Bären gespendet und demnächst offiziell auch übergeben.

„Ich bin sehr froh darüber, dass wir mit dem Männerchor und der Stadt dieser Veranstaltung eine Perspektive geben können und möchte an dieser Stelle unbedingt allen Beteiligten, auch Sarah Lippert von der Stadtverwaltung und dem Chorleiter Tobias Orzeszkow ganz herzlich Danke für die unkomplizierte und zuverlässige Zusammenarbeit sagen! Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!“. Und mit einer kleinen Mahnung an die Torgauer Wirtschaftsakteure zieht Heidi Peterson ihr Fazit für den Kultursommer 2019 ab:

„Mit insgesamt fast 2200 Gästen hat der Kultursommer für uns sehr gut geendet. und wir wissen jetzt, dass wir gerade für die jüngsten und jüngeren Zielgruppen noch einiges anbieten können, die Familien durchaus Lust auf Musical, Theater und vor allem viel Spaß als Teil eines lebhaften Programms haben. Deshalb befinden wir uns auch ständig in Gesprächen mit Jugendbühnen, um angemessene Stücke hierher zu holen und den Kindern zu zeigen, was die Kulturszene auch für sie schon bereit hält. Die Torgauer Erwachsenen sind ein kritisches Publikum, dass den Mief der immer gleichen Gäste satt hat und trotzdem ist mir bewusst, dass sich allein durch Veränderungen im Programm unseres Kulturhausbetriebs hier kaum große positive Veränderungen in Sachen Zuschauerzahlen ergeben werden. Für Veränderungen braucht es Unterstützung und ich finde es traurig, dass die großen Torgauer Unternehmen die hauptsächlich Vereinen im sportlichen Bereich selbstverständlich zukommen lassen. Wie und wo auch immer es mit einem Kulturhaus in Torgau weitergeht: Wir möchten Veranstaltungen für die Menschen hier unter Berücksichtigung ihrer Interessene und Vorlieben organisieren, Stars herholen, die sie sich wünschen und die hier eine super Energie verbreiten. Dafür brauchen wir als Kulturschaffende aber mitunter auch Unterstützung von außen.“

 

Das nächste Veranstaltungshighlight im Kulturhaus findet am  Freitag, dem 27. September um 20 Uhr statt. Dann fordert das Kabarett academixer „Geht auf‘s Zimmer!“. Karten gibt es unter Tel. 03421 903523, TIC: 03421 70140 und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, auf www.kulturhaus-torgau.de und www.eventim.de.


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