Mittwoch, 17. Juli 2019
Mittwoch, 10. Juli 2019

KULTUR

Die Liebe beherrschte den Abend

„Kein Chor“ ganz in Zivil: Nach dem offiziellen Konzert gaben die sechs Musiker David Ostermann, Lukas Doleschal, Patrick Ostermann, Jakob Auer, Georg Pfeiffer und Johannes Doleschal (v.l.n.r.) noch einmal ein Ständchen.Foto: TZ/Jack

von unserer Sport-Redakteurin Eileen Jack

Beilrode. Die sechs Jungs von „Kein Chor“ sorgten für einen beschwingten und zauberhaften musikalischen Abend in der Beilroder Heilandskirche

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Helden der Musik sehen anders aus. Obwohl Drei-Tage- und Vollbärte ja fast schon wieder in sind. Und selbst Brille tragen inzwischen zahlreiche Musiker, egal ob als Sehhilfe oder als schickes Accessoire. Aber dunkelblaue Anzüge, weiße Hemden und purpurfarbene Fliegen? Nein, musikalische Helden, sogenannte Chartstürmer, echte Unterhaltungskünstler eben, stelle ich mir wirklich ganz anders vor – soweit meine ersten Gedanken beim Konzert von „Kein Chor“ am vergangenen Samstag in der Heilandskirche.

Die aber verflüchtigen sich ganz schnell, als die sechs Jungs mit „Hello Mary Lou“ den Abend eröffneten und gleich danach mit „Caravan of Love“ noch einen echten Klassiker der 80er-Jahre draufsetzten – ein unglaublich toller Song aus meiner Kindheit, den ich in schon so vielen Variationen hören durfte, dass ich mir kaum hätte vorstellen können, dass es noch einmal besser werden könnte. Aber das wurde es. Plötzlich erschienen mir die sechs jungen Musiker mit ihrem A-Capella-Gesang doch echt cool, irgendwie sogar schnittig in ihren dunkelblauen Anzügen. Und Fliege? Ja, das tragen die jungen Leute heutzutage, wie ich erst vor wenigen Tagen bei den Abschlussfeiern der Oberschüler und Abiturienten feststellen durfte. Fliege geht immer, und dann auch noch in einer so auffälligen Farbe.

Aber nun zurück zur Musik, denn für die waren die zahlreichen Gäste ja in die Beilroder Heilandskirche gekommen. Einige von ihnen wussten bereits, was sie hier erwarten würde, allen voran der Chef des Heimatvereins, Dietmar Heinrich. Er hatte den Jungs am Samstagmorgen bereits das Wahrzeichen Beilrodes gezeigt, die sanierte Holländermühle, auf die die Mitglieder des Vereins aber auch das Gros der Beilroder mächtig stolz sind. In Ostelbien scheint’s „Kein Chor“ zu gefallen.

Zum nun schon fünften Mal trat das Sextett in Beilrode auf, einmal zwischendurch gab es sein Können in Arzberg zum Besten. „In diesem Jahr haben wir uns entschieden, unsere neue Tour hier in Beilrode zu eröffnen, weil das Publikum so toll ist“, erklärte Georg Pfeiffer (Bass), einer der sechs jungen Musiker. Er ist im Übrigen der Einzige, der auch im Alltag mit Musik zu tun hat, arbeitet als Musiklehrer, hat auch Entsprechendes studiert. Alle anderen singen nur zum Vergnügen, haben sich als Kinder im Schulchor kennengelernt und gemerkt, dass ihre Stimmen zusammen harmonieren. Georg Pfeiffer kam erst während des Studiums in Halle hinzu.

Seit sechs Jahren singen die Jungs jetzt zusammen und brauchen keine Instrumente, um eine Kirche mit beeindruckenden Tönen auszufüllen und ihr Publikum zu begeistern. „Da wir sechs Musiker sind, haben wir zu unserem Sechsjährigen allen Grund zu feiern“, erklärte Georg Pfeiffer zu Eröffnung des Konzerts in Beilrode. Auf der neuen Tour widmen sich die Jungs voll und ganz dem Thema „Liebe“, und das obwohl aktuell nur die Hälfte von ihnen vergeben ist.
Ahnung von der Liebe?

Das aber muss ja nicht heißen, dass die jungen Musiker keine Ahnung von der Liebe haben. Zumindest musikalisch bringen sie die Emotionen richtig gut rüber, ganz egal ob mit deutschem Volksliedgut oder eindringlichen englischen Songs. Und nicht nur mit ihren Stimmen zeigten die Jungs ihre Liebe zur Musik und dem, was sie da vor dem Publikum vortrugen. Ihre Mimik und Gestik war beispielhaft. Ab und an entgleisten ihre Blicke, ihr Mund mutierte zu einer teils witzigen Fratze. Aber darüber machten sich die jungen Musiker, alle um die Mitte 20, keinerlei Gedanken. Sie gingen voll in dem auf, was sie vortrugen und ihnen war egal, wie sie dabei aussahen. Sie gaben hundert Prozent und mehr, um ihr Publikum in der Heilandskirche zu begeistern. Das gelang ihnen voll und ganz.

Für ein wenig (wahrscheinlich gewollte) Verwirrung sorgten die Jungs mit ihrem ständigen „Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel“ vor jeden neuen Song. Aber auch das klärte sich auf. Gemäß ihrer Stimmlagen – Georg Pfeiffer (Bass), David Ostermann (Tenor), Lukas Doleschal (Tenor/Beatbox), Johannes Doleschal (Bariton), Jakob Auer (Bass) und Patrick Ostermann (Bariton/Countertenor) – positionierten sie sich passend zu jedem Lied neu, um den bestmöglichen Klang zu erreichen. Anfangs versuchte ich vergeblich hörenderweise herauszufinden, welche der sechs Stimmen zu welchem der sechs Jungs passte – schwierig.

Mit zunehmender Dauer des Konzerts aber, erschloss sich die stimmliche Zuordnung zu den jungen Musikern, auch weil jeder von ihnen immer mal wieder die Liedstimme singen durfte. Besonders beeindruckend für mich: Kein Chor adaptierte einen Song von Billy Joel, einem der erfolgreichsten Musiker der heutigen Zeit, aber den meisten Leuten meines Alters vor allem durch seine Songs aus den 80ern bekannt.

„Er ist so berühmt, dass er seit 2014 jeden Monat ein Konzert für je 20 000 Zuhörer im Madison Square Garden gibt“, geriet Georg Pfeiffer regelrecht ins Schwärmen. Aus dem kamen auch die Beilroder im Anschluss an das Konzert nicht mehr heraus. Gemütlich ließen sie gemeinsam rund um die Heilandskirche den wundervollen Abend bei einem kühlen Blonden und ’ner leckeren Bratwurst ausklingen – natürlich gemeinsam mit den Jungs von „Kein Chor“. Und die wiederum ließen es sich nicht nehmen, auch dann noch einmal das eine oder andere Lied anzustimmen – natürlich jetzt in Zivil mit Shirt und Jeansshort oder auch kurzer Adidas-Trainingshose. Das zeigte einmal mehr die Natürlichkeit, die „Kein Chor“ so besonders macht und auf die sich die Beilroder auch im nächsten Jahr wieder freuen. Denn die Jungs haben bereits zugesagt, auch im 7. Jahr ihres Bestehens wieder in Beilrode aufzutreten.


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