Donnerstag, 2. Dezember 2021
Donnerstag, 25. November 2021

GESPRÄCH AM SONNTAG

"Hängen am Tropf der Politik"

Johannes Berger: „Die Absage der Weihnachtsmärkte ist uns schwergefallen.“

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Bad Liebenwerda. Johannes Berger über Lebensadern, 180 Betten und Verantwortung

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Seit Januar 2020 ist Johannes Berger ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Bad Liebenwerda. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt er, warum es trotz Corona viel Positives zu vermelden gibt.

SWB: Sie müssen als Bürgermeister unpopuläre Entscheidungen treffen – wie leicht oder schwer fällt Ihnen das?
Johannes Berger:
In der jetzigen Zeit ist es ganz schwer, Entscheidungen zu treffen, die auch noch richtig sein müssen. Vor allem vor dem Hintergrund, welch schwere Situation wir bereits hinter uns haben. Natürlich bin ich viel auf Anweisungen von oben gebunden. Ich hänge wie alle anderen Bürgermeister auch am Tropf der Landes- und Landkreis-Politik.

Die Inzidenzzahlen und das Infektionsgeschehen im Landkreis Elbe-Elster ließen Ihren Amtskollegen und Ihnen keine Wahl, alle Weihnachtsmärkte in der Verbandsgemeinde abzusagen. Stießen Sie nur auf Verständnis, oder war auch eine große Portion Enttäuschung dabei?
Ich war erstaunt, dass ich überwiegend auf Verständnis bei den Leuten stoße, wenn ich über den Marktplatz in Bad Liebenwerda gehe. Dass die Händler nicht zufrieden sein können, ist auch klar und nach der zweiten Absage nach 2020 selbstverständlich. Es ist doppelt bitter, nicht nur die Weihnachtsmärkte absagen zu müssen, sondern auch die verkaufsoffenen Sonntage, die in Bad Liebenwerda an die Glühweinmeile und den Weihnachtsmarkt gekoppelt waren.

Nun ist guter Rat teuer.
Wir wollen den Händlern ermöglichen, an den Samstagen der Glühweinmeile und des Weihnachtsmarktes ihre Geschäfte bis 20 Uhr zu öffnen. Wir können in Bad Liebenwerda noch stolz darauf sein, keinen großen Leerstand in der Innenstadt und im Rösselpark zu haben. Der Einzelhandel ist eine unserer Lebensadern.

Gesetzt den Fall, die Inzidenzwerte wären nicht so hoch gewesen wie sie jetzt leider sind. Wäre ein Weihnachtsmarkt zu stemmen gewesen?
Nein, unter der 2G-Regelung wäre es uns nicht möglich gewesen. Wir hätten das Areal einzäunen und auf eine gewisse Personenzahl begrenzen müssen. Zudem hätten die Leute kontrolliert werden müssen und manche wären abgewiesen worden. Unser Weihnachtsmarkt ist einer der schönsten und am meist besuchtesten der Region: Zur Hochzeit tummelten sich bis 2000 Menschen in der Innenstadt. Keiner von uns Entscheidungsträgern hätte die Verantwortung übernehmen können. Die Absage ist uns sehr schwergefallen, wir haben aber so lange wie möglich gewartet. In der Verbandsgemeinde  haben alle Bürgermeister einheitlich entschieden.

Seit März 2020 bestimmt Corona mehr oder weniger unseren Alltag. Wie haben Sie Ihre Stadt durch diese Zeit navigiert?
Mit ganz viel Verständnis, Optimismus und gemeinsamer Zusammenarbeit in unserer Verwaltung.

Aktuell könnte man den Eindruck gewinnen, dass wir uns immer schneller im Kreis drehen. Was könnte den Eindruck beenden?
Ein bei bundesweit 90 Prozent liegender Impfstatus. Meiner Meinung nach wurden die Hebel der Aufklärung zu spät angesetzt. Ich hätte mir auf allen Sendern ein Programm mit einer Meinung gewünscht. Aber jeder Sender und die anderen Medien machen ihre eigene Corona-Politik. Die Menschen sind mental angeschlagen wegen Corona. Die Gesellschaft hat sich leider zum Negativen verändert.

Die Advents- und Weihnachtszeit, so wie wir sie kennen, droht nach 2020 das zweite Mal auszufallen. Gibt es dennoch den viel zitierten Silberstreif am Horizont?
Im Augenblick leider nicht, nein. Die Angst vor einem neuerlichen Lockdown geht wieder um. Wir können die akute Notlage nur gemeinsam in den Griff bekommen. Einige Leute haben andere Dinge im Kopf als Weihnachten. Allerdings hoffe ich, dass alle Familien Weihnachten zusammen feiern können.

Trotz aller Hemmnisse: Auf welchem Weg sehen Sie Ihre Stadt?
Es gibt viel Positives bei der Planung zu vermelden. Der Betrieb im Wonnemar läuft wieder in geordneten Bahnen. Die Stadt hat einiges vor, investiert 18 Millionen Euro in die Attraktivierung des jetzigen Gebäudes. Zudem laufen die Planungen für einen Hotelneubau mit 180 Betten auf Hochtouren. Das Hotel soll über einen „Bademantelgang“ mit dem Wonnemar verbunden sein. Im Frühjahr wollen wir wieder verstärkt auf den Tourismus setzen.

Haben Sie zum Abschluss noch einen kleinen Mutmacher für die Einwohner von Bad Liebenwerda?
Es geht wieder aufwärts! Ich bin zuversichtlich in Sachen Corona-Bewältigung und Stadtentwicklung, schaue immer positiv in die Zukunft. Sicherlich wird das Leben nicht wieder in Gänze so sein wie vor Corona. Am 22. Mai 2022 wollen wir alle gemeinsam das Stadtfest mit Elsterlauf feiern.

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