Montag, 21. Juni 2021
Freitag, 11. Juni 2021

FREIZEIT UND VEREINE

Ein Blick in die "heilige Grube"

Längst steht die Uhr an der Anzeigetafel still. Doch es sollen wieder bessere Zeiten anbrechen. Bei der Stadionführung am 4. Juni schwelgten die Teilnehmer nicht nur in Erinnerungen, sondern äußerten auch Gedanken über eine künftige sinnvolle Nutzung.Foto: Heiko Betat

Von unserem Redakteur Heiko Betat

Erinnerungen an Fußball-Glanzzeiten und Visionen für eine künftige Nutzung

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Riesa. Das waren noch Zeiten, als Stahl Riesa in der Oberliga kickte und bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Mannschaft in der „Grube" anfeuerten! Daran erinnern sich die Riesaer und Riesaerinnen noch immer gern. Und entsprechend groß war das Interesse an einer Führung durch das seit mehreren Jahren ungenutzte Ernst-Grube-Stadion. Hierzu hatte die Stadtverwaltung eingeladen, um mit den Bürgerinnen und Bürgern Ideen zu einer künftigen sinnvollen Nutzung auszutauschen. „Unser Ziel ist es, dass die Anlage in geeigneter Form nachhaltig nutzbar wird", äußerte Oberbürgermeister Marco Müller  im Vorfeld. Bei der Führung sollten hierzu Meinungen und Ideen zusammengetragen werden, „um gemeinsam herauszufinden, was wir davon sinnvoll umsetzen können".

 

Oberbürgermeister Müller, der als kleiner Junge Oberligaspiele von der Tribüne aus verfolgt hat, zeigte sich erfreut über das Interesse der Teilnehmer, die sich am sommerlich warmen Nachmittag des 4. Juni vor dem einstigen Stadionzugang in der Rudolf-Breitscheid-Straße – getestet und maskiert – zur Führung eingefunden hatten. Ganz besonders allerdings darüber, dass Wolfgang Scharf mit von der Partie war. Als Torwart schrieb er in den 70er-Jahren mit an der Vereinsgeschichte von Stahl Riesa.


Dass die Elbestädter schon immer sportbegeistert waren, belegte Ramona Geißler, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum, mit zahlreichen Fakten.
Die örtliche Fußballgeschichte nahm 1903 mit der Gründung des FC Riesa ihren Anfang. Bis etwa 1919 wurde auf dem Sportplatz der Kaserne an der heutigen Heinrich-Heine-Straße trainiert. Der zum RSV „umfirmierte" Verein nutzte anschließend den sogenannten Schwarzen Platz und schließlich den Sportpark am Bürgergarten, der 1925 mit einem großen Sportfest eingeweiht wurde. 1946 wurde aus der Hindenburg-Kampfbahn die Sportbahn der Jugend. Mit dem großen Umbau 1954 mauserte sich das Areal schließlich zum Sportstadion. Tausende freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet. Und am 29. Mai 1955 erfolgte die Einweihung des Stadions der Stahlwerker „Ernst Grube".


Es war Zielort der Friedensfahrt 1958. Hier lief die im Mai verstorbene Christa Stubnick die 200 Meter in Europarekordzeit. Von hier aus startete Stahl Riesa seinen Aufstieg ins Oberhaus des DDR-Fußballs. Dieser glückte 1968. Legendär das Auftaktspiel gegen Carl Zeiss Jena. Und das Stadion wurde „oberligaertüchtigt" – unter anderem mit dem Bau der Tribüne, deren freitragende Dachkonstruktion mit ihren 700 Sitzplätzen in der DDR einmalig war. „Sie war wirklich etwas Modernes, Innovatives", bestätigt Ina Nicolai, Amtsleiterin des Stadtbauamtes. Was aber auch eine Schwierigkeit mit sich brachte. Wegen der Korrosionsschäden musste 2003 die Tribüne gesperrt werden. Für die Stadt käme eine Sanierung nicht infrage. Nicht nur die Kosten seien hoch, auch der Nutzen ist zweifelhaft. „Viele schwelgen in Erinnerungen. Es geht aber um die Nachfolgenutzung."


Beim Anblick der Tribüne, aber auch schon zuvor bei der Besichtigung des völlig beräumten Sozialgebäudes mit seinen Mannschafts- und Besprechungsräumen, der Sauna und dem Therapiebereich, wurde so manche Episode und Anekdote ausgetauscht. Zum Beispiel an die bei wichtigen Spielen dicht besetzten Dachfirste der angrenzenden Wohnhäuser. Ein besonderes Erlebnis: der Gang durch den Mannschaftstunnel zur einst heiligen, nun unkrautüberwucherten „Grube".
Bei dem Anblick blutete nicht nur Wolfgang Scharfs Herz. „Hier haben die Leute früher so viel Arbeitsleistung erbracht. Und wie das jetzt aussieht!", zeigt sich der 75-Jährige erschüttert. Dennoch weiß er, dass ein Stadion dieser Dimension nicht mehr benötigt wird. Die Vereine nutzen andere Plätze, die ihren Kapazitäten entsprechen.


Was könnte also die Zukunft sein fürs Ernst-Grube-Stadion? Eventuell eine Art Freizeitpark, ein Anziehungspunkt für Kinder und Jugendliche. Eine Aufteilung des Geländes in verschiedene Spielfelder. Mit einer BMX-Bahn. Eine Anlage, die nachts verschlossen und so vor Vandalismus geschützt werden soll. So lautete ein Vorschlag. Weitere wurden am Ende der Stadionführung zu Papier gebracht.
Mit dem Freizeitpark-Vorschlag kann sich Wolfgang Scharf anfreunden. Hauptsache, die „heilige Grube" bietet den Riesaerinnen und Riesaern bald schon wieder Anlass zur Freude.


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