Montag, 10. August 2020
Freitag, 31. Juli 2020

NORDSACHSEN

Ein Hauch von ferner Welt

Die künstliche Insel mit der Villa ist ein Wahrzeichen. Foto: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Fotos: Heinz Fräßdorf.

von unserem Redakteur Nico Wendt

Wörlitz. Wer in diesen Tagen noch ein tolles Ausflugsziel sucht: Schloss und Park Wörlitz laden zum kurzweiligen Besuch ein. TZ stellt Ihnen die Sehenswürdigkeiten ganz genau vor. 

 

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Wörlitz. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817), auch Fürst Franz genannt, unternahm in jungen Jahren vier ausgedehnte Bildungsreisen, die ihn nach Italien, Frankreich, England und in die Schweiz führten. Von den zahlreichen Impressionen beeindruckt, führte er umfassende Reformen in seinem kleinen Land durch, die beinahe sämtliche Lebensbereiche betrafen. „Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden“ war dabei nicht nur sein politisches Leitprinzip, sondern auch der grundlegende Gedanke der Landschaftsgestaltung: Entwicklung und Verschönerung gingen Hand in Hand. Ausgangs- und Höhepunkt stellt der Wörlitzer Park samt Schloss als erstem Landschaftsgarten nach englischem Vorbild Kontinentaleuropas sowie dem erstem Bau im klassizistischen Stil in Deutschland dar.

 

Umfassende Restaurierung

Das Wörlitzer Schloss, erbaut 1769–1773, wurde seinerzeit als „Triumph deutscher Baukunst“ bejubelt und war nicht nur stilgeschichtlich wegweisend, sondern galt zur Fertigstellung als das modernste Schloss auf dem europäischen Kontinent. Als Vorbild dienten dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff englische Landhäuser. Trotz der durchgängigen Wertschätzung auch in der DDR-Zeit wies es nach und nach schwere Schäden auf, so dass es ab dem Jahr 2000 einer umfassenden Restaurierung unterzogen wurde. Nun, 20 Jahre später, erstrahlt es in neuem Glanz und kann vollständig besichtigt werden. Eine Besonderheit des Schlosses ist die Tatsache, dass es von den folgenden Generationen bewusst fast nicht verändert wurde, so dass man es im Zustand des 18. Jahrhunderts erleben kann.

 

Rückkehr ins Licht

Im Mezzanin des Schlosses wird seit Mai 2019 die Wörlitzer Südseesammlung ausgestellt, deren Objekte vor über 250 Jahren aus Tonga, Tahiti und Neuseeland nach Europa gelangten. Vater und Sohn Reinhold und Georg Forster – zwei deutsche Wissenschaftler, die James Cook bei dessen zweiter Südsee-Expedition (1772–1775) begleiteten – hatten verschiedenste ethnologische „Curiositäten“ gesammelt und davon einige dem Fürstenpaar Franz und Louise in London zum Geschenk gemacht. 31 Artefakte wie ein Brustschmuck aus Federn, Hundehaar und kleinen Haifischzähnen, ein Tintenfischköder oder ein Bastrock sind heute erhalten. Kürzlich restauriert und für die Zukunft gesichert, werden sie im Kontext aktuellster Erkenntnisse präsentiert und durch Georg Forsters Zeichnungen, seine im Tagebuch beschriebenen Düfte und nach seinen Noten arrangierte Musik ergänzt.

 

Reiseerinnerungen

Assoziationen an weniger ferne Länder sind auch überall im Park zu finden. So lässt die künstliche Felseninsel „Stein“ den Golf von Neapel im Miniaturformat auferstehen. Ein antikes Theater, die „Römischen Bäder“, der dem Vesuv nachempfundene und funktionierende Vulkan sowie die Villa Hamilton – ein kleiner Nachbau der am Golf gelegenen Villa des britischen Diplomaten Sir William Hamilton – bringen Süditalien nach Wörlitz.

Auch das Gotische Haus weist europäische Einflüsse auf: Während der kanalseitigen Fassade die venezianische Kirche Madonna dell’Orto als Vorbild diente, lehnt sich der gartenseitige, später erbaute Gebäudeteil an die englische Tudorgotik an. Mit der Gestaltung und Ausschmückung der Räume demonstrierte Fürst Franz die Bedeutung und das Alter seiner anhaltinischen sowie der eingeheirateten oranischen Dynastie. Neben den kostbaren Gemälden berühmter altdeutscher und altniederländischer Meister wie Lucas Cranach d. Ä. sind es vor allem die in die großen Fenster eingebauten Schweizer Glasgemälde, für die das Gotische Haus bekannt ist. Sie stammen aus der Zeit vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert und wurden von Fürst Franz im Alpenland erworben.

Ein Hauch von Frankreich begegnet den Gästen des Parks in Form der Rousseau-Insel. Diese ist nach dem ursprünglichen Grab Jean-Jacques Rousseaus bei Paris erschaffen worden. Das kleine runde Eiland, auf dem Pyramiden-Pappeln kreisförmig eine Urne umrahmen, ist für viele das Erste, was sie bei ihrem Wörlitzbesuch erblicken. Neumarks Garten vorgelagert, ist sie nicht nur Ausdruck der aufgeklärten Lebenshaltung des Fürsten, sondern führt auch in das inhaltliche Programm des Parks ein.

 

Sichtachsen zu Fuß und zu Wasser

Auf Schritt und Tritt ist – auch aus größerer Entfernung – etwas Neues im Park zu entdecken, denn sämtliche Gebäude, Gartenarchitekturen, Brücken und Statuen sind über Sichtbeziehungen miteinander verbunden. Eine davon hat sogar einen Namen: der sogenannte Toleranzblick. Von der Goldenen Urne im nördlichen Teil des Parks sieht man nicht nur linker Hand die Wörlitzer Synagoge, welche bis 1933 als Gotteshaus in Benutzung war, sondern zur rechten auch die Wörlitzer Kirche und den Warnungsaltar. Dieses zylinderförmige Denkmal von 1800 gilt als das früheste Zeugnis des Denkmal- und Naturschutzes in Deutschland. Mit der Urne selbst hingegen wird der ersten Tochter des Fürstenpaares erinnert, welche kurz nach der Geburt ungetauft verstarb.

Auch zu Wasser kann der Park erschlossen werden und wirkt nicht minder beeindruckend. Unweit des Schlosses legen die Gondeln zu einer etwa einstündigen Rundfahrt durch die Kanäle, über das Kleine Wallloch und den Wörlitzer See ab. Dabei ist solch eine Gondelfahrt keine neue Attraktion, denn schon Fürst Franz und dessen Gäste genossen auf diese Art den in der Entstehung befindlichen Park. Presseinfo 

 

 

Adresse

Schloss  und Park Wörlitz

Kirchgasse

D-06785 Oranienbaum-Wörlitz/Ortsteil Wörlitz

T: +49 (0)34905.4090

E: schloss-woerlitz@gartenreich.de

www.gartenreich.de  

 

Öffnungszeiten & Eintritt

Der Park ist ganzjährig geöffnet.

 

Schloss Wörlitz, Insel Stein

bis 30.September  Di–So, feiertags  10–18 Uhr

1. Oktober bis Sonntag nach Reformationstag  Di–So, feiertags  11–17 Uhr

Schlossbesichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich: 8,50 €, erm. 6,50 €

Insel Stein kann auch ohne Führung besichtigt werden: 6 €, erm. 5 €

Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen wird um eine Reservierung (online/telefonisch) gebeten.

 

Gotisches Haus

bis 30.September  Di–So, feiertags  11–17 Uhr

1. Oktober bis Sonntag nach Reformationstag  Sa, So, feiertags  11–17 Uhr

Führung: 8,50 €, erm. 6,50 €

ohne Führung: 6 €, erm. 5 €

 

Floratempel

bis 30.September  Sa, So, feiertags 11–17 Uhr

1 €

 

Gondeln

bis 30.September  täglich  10–17 Uhr

1.–31. Oktober  täglich, zur vollen Stunde  10–15 Uhr

 

 


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