Montag, 27. Mai 2019
Freitag, 17. Mai 2019

TORGAU

Eine Reise durch den Islam

Die 18 Schüler mit ihren völlig unterschiedlich gestalteten Plakaten und Dioramen. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Zusammen mit Muslima Inas Amer lernten Schüler die zweitgrößte Weltreligion kennen. Im Rahmen eines Projektes in der Wintergrüne setzten sich die Schüler mit all ihren Facetten auseinander.

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„Wir wollen mit unserem Projekt gegen Vorurteile ankämpfen. Über den Tellerrand blicken, Perspektiven erweitern und den Kindern zeigen, was religiös begründet ist und was nur einen kulturellen Hintergrund hat.“ Worüber Beate Senftleben, die Leiterin des Evangelischen Jugendbildungsprojekts wintergrüne, hier spricht, ist der Islam. Genauer gesagt das in diesem Schuljahr durchgeführte Schulprojekt mit dem Namen „Näher am Islam“. In mehreren Etappen besuchten die achten Klassen des Johann-Walter-Gymnasiums die Wintergrüne und beschäftigten sich im Rahmen ihres Ethik-Unterrichts mit der zweitgrößten Weltreligion in all ihren Facetten.

Eine Muslima zu Gast

Blickte man am Freitag-Vormittag durch die Reihen der Klasse 8a, dann vermittelte das eher den Eindruck eines Kunst- denn eines Ethikunterrichts. Eine selbst gebastelte schwarze Flagge, eine aus Pappe gebaute Kaaba, ein großes, kreisrundes Plakat, die Schüler hatten sich kreativ ausgetobt und sich für die unterschiedlichsten Themen auch völlig unterschiedliche Präsentationsformen  ausgesucht. Insgesamt fünf Mal hatten die Schüler an ihrem Projekt gearbeitet,  am Freitag wurde das Ganze zusammen mit Beate Senftleben und dem Ethik-Lehrer Sebastian Sachs ausgewertet. Und noch ein weiterer Gast war mit von der Partie.

Inas Amer, eine 37-jährige Libyerin, lebt seit fünf Jahren in Torgau und war selbst völlig angetan von dem Projekt an sich sowie den Ergebnissen der Jugendlichen. „Mir gefällt es richtig gut, was sie da gemacht haben, das ist wirklich gute Arbeit.“
Doch von Inas Amer gab es zu den Projekten nicht nur reines Lob, sie brachte sich bei den Präsentationen der Schüler auch immer wieder selbst mit ein, schilderte ihre Sicht der Dinge und ergänzte mit Hintergrundwissen.

Inas Amer zeigte sich sehr angetan von den Ergebnissen der Schüler und unterhielt sich mit ihnen und ihrem Lehrer Sebastian Sachs angeregt über den Islam.

Informationen aus erster Hand

So zum Beispiel bei einer Präsentation zur Haddsch, der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka. Amer erklärte, dass sie selbst zwar noch nie an diesen zentralen Wallfahrtsort der Muslime gepilgert sei, dass aber im Islam auch gar nicht so schlimm sei. „Wenn man nicht kann, dann muss man nicht“, erklärte sie. „Der Islam sagt, dass wenn man nicht genug Geld für diese Reise hat oder krank ist, dann muss man dort nicht hin reisen. Wer es sich jedoch leisten kann, der muss einmal im Leben zur Kaaba pilgern.“ Sie erzählte dabei auch von speziellen Programmen in ihrem Heimatland Libyen, mit denen per Losverfahren Leuten die Reise nach Mekka ermöglicht wird. „Und manchmal gibt es auch reiche Menschen, die arme Leute einfach mitnehmen.“

„Das Islam-Bild viele unserer Schüler ist geprägt durch das, was vor allem durch die Medien transportiert wurde“, sagte Ethik-Lehrer Sebastian Sachs im Vorfeld. Dem wolle man entgegenwirken und sich genau diesem Bild kritisch annehmen. Ein Ziel, welches vor allem auch durch die Hilfe von Muslima Inas Amer gelang.
Denn eine Präsentation handelte auch von dem Thema, das dieser Tage mit am meisten mit dem Islam in Verbindung gesetzt wird: dem Islamischen Staat, kurz IS. „Wichtig dabei ist vor allem, dass man den Islam und den IS ganz klar voneinander abtrennt“, machten die beiden Schülerinnen in ihrem Vortrag klar.

„Das eine ist eine Terrororganisation, das andere eine friedliche Weltreligion.“ Eine Tatsache, die auch die anwesende Muslima ganz klar herausstellte und den Schülern verständlich machte. „Diese Leute (der IS; Anm. d. Red.) handeln nicht im Namen des Islam. Sie machen einen neuen Islam. Unser Islam ist im Koran beschrieben und der ist immer gültig. Früher, jetzt und auch in Zukunft. Diese Leute nehmen nur die Stellen, die ihnen passen und machen daraus völlig neue Regeln. Das ist nicht richtig.“

Und auch der Dschihad war Thema. Von Außenstehenden oftmals als gewaltsamer Kreuzzzug des Islams gegen die Ungläubigen angesehen, stellte Inas Amer klar, dass es dabei in keinster Weise um die Gewalt geht. „Das war die Leute mit den Pistolen machen, ist falsch. Die wissen gar nicht, was es eigentlich ist“, sagte sie. Sie erklärte, dass es beim Dschihad im eigentlichen Sinne zwar durchaus um die Verbreitung der Botschaft des Islams gehe, jedoch auf keinen Fall mit gewaltsamen Mitteln. „Man soll den Koran und den Islam mit Worten zu den Leuten bringen, nicht mit Pistolen.“

Beate Senftleben (links) und Inas Amer zeigen begeistert drei Kunstwerke von früheren Gruppen. Diese befassen sich mit der Unterdrückung der Frau und dem Fastenbrechen.

Der Funke soll überspringen

Rund eine Stunde erzählten die Schüler und Inas Amer vom Islam, griffen unterschiedliche Themen auf und zeigten, dass sie sich nicht nur rein oberflächlich mit dem Stoff auseinandergesetzt hatten. Teilweise wurden auch wirklich kritische Fragen gestellt, das Vorgetragene hinterfragt und mit der Muslima angeregt diskutiert. Und am Ende zeigten sich nicht nur die Schüler, ihr Lehrer und Inas Amer zufrieden mit dem Projekt, sondern auch Beate Senftleben, die es entwickelt hatte, war glücklich. „Ich bin wirklich beeindruckt, wie sehr sich die Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt und beschäftigt haben“, sagte sie. „Und wenn wir nur ein kleines Fünkchen gegen Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit gelegt haben, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt.“

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