Montag, 27. Mai 2019
Donnerstag, 16. Mai 2019

HISTORIE

Elbwasser zum Beregnen

Der etwa drei Kilometer lange Umfluter wird gebaut. Foto: Archiv Autor

Von Volker Theilemann

Ehemalige Meliorationsbauer blicken zurück – Ziel der Melioration ist es, Ertragssteigerungen nicht wie der Landwirt über Düngung, Pflanzenschutz usw. zu erreichen, sondern durch bodenverbessernde Maßnahmen.

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Torgau. Ziel der Melioration ist es, Ertragssteigerungen nicht wie der Landwirt über Düngung, Pflanzenschutz usw. zu erreichen, sondern durch bodenverbessernde Maßnahmen. Diese sind abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten des Bodens.
In unserem Gebiet lag westlich der Elbe bei den dort meist vorherrschenden leichten Böden der Schwerpunkt zunächst auf der Entwässerung. Die zu nassen Flächen, beginnend im Raum Wildenhain und Weidenhain und später zwischen Neußen und Staritz, wurden „trockengelegt“ und so durch ständige Befahrbarkeit der Felder die Voraussetzung für eine rechtzeitige Frühjahrsbestellung und damit besseres Wachstum der Kulturen geschaffen.

Östlich der Elbe litten die Böden nicht an zu viel, sondern besonders in der Vegetationszeit an zu wenig Wasser. Trockene Jahre brachten erhebliche Ertragsausfälle. Begegnen konnte man dem nur mit einer zusätzlichen Bewässerung. Dort, wo, wie auf dem Bild dargestellt, angestaute Gräben genügend Wasser führten, beregnete man mit kleineren dieselbetriebenen Pumpaggregaten die anliegenden Flächen.

Aber Ostelbien hatte solche Möglichkeiten nicht. Das VEG Köllitsch und die LPG Arzberg gaben deshalb Mitte der 60er-Jahre ein für die damalige Zeit kühnes und zukunftsweisendes Projekt in Auftrag. Aus der Elbe sollte von einem Pumpwerk in Köllitsch das Wasser in unterirdisch verlegte Rohre gepumpt und dann über Hydranten in rollende Regnerleitungen weitergeleitet und auf den Feldern verregnet werden. Diese Anlage, von den Mitarbeitern des Betriebsteiles Mockrehna gebaut, umfasste 1200 ha beregnete Fläche und wurde, damals eine der größten der DDR, 1967 fertiggestellt. Später kamen mit dem Bau der Pumpstation Tauschwitz noch weitere Flächen der LPG Blumberg und Stehla hinzu, insgesamt waren es dann über 2 000 Hektar.
Auf der Grundlage staatlicher Bewässerungsprogramme, die agrarpolitisch das Ziel hatten, auch in trockenen Jahren durch weitgehende Eigenversorgung unabhängig von Nahrungsimporten zu sein, wurden auch in unserer Region die Bewässerungsflächen ständig erweitert.

In Ostelbien betraf dies die LPG Beilrode, wo von einer Pumpstation bei Döhlen ab Mitte der 80er-Jahre ebenfalls Elbwasser auf einer Fläche von 2300 Hektar verregnet werden konnte. Die wohl schwierigsten Verhältnisse für die Landwirtschaft im Altkreis Torgau gab es im Gebiet westlich (oberhalb) vom Großen Teich. Als man vor über 500 Jahren hier im Auftrag des Kurfürsten Wasser künstlich anstaute, um Fischzucht auf einer Fläche von mehr als 100 ha zu betreiben, verhinderte dies den natürlichen Wasserabfluss. Bei anhaltenden Niederschlägen kam es regelmäßig zu Überschwemmungen. Teile der Fluren versumpften. Durch Absenken des Wasserspiegels im Großen Teich wären solche Schäden zu vermeiden gewesen. Das wiederum hätte aber das Ende oder zumindest eine starke Einschränkung der Fischzucht bedeutet. Also blieb zum Nachteil der Landwirtschaft alles beim Alten. Nicht selten musste der Bauer im Wasser stehend das Heu bergen oder das Getreide nach Mahd mit der Sense zum Trocknen auf höher gelegene Flächen tragen.

Erst im Rahmen der komplexen Melioration „Großer Teich Torgau“ (1969 – 1974) konnte dieser unhaltbare Zustand beseitigt werden. Mit dem Bau eines 3 Kilometer langen Umfluters, der das Wasser nördlich am Großen Teich vorbeiführte, war der Interessenkonflikt Landwirtschaft und Fischzucht gelöst.
Damit wurden auch die Voraussetzungen geschaffen, die zu nassen Flächen im Gebiet zwischen Melpitz und Langenreichenbach zu dränieren. Im Einzugsbereich des Großen Teiches mit einer Fläche von 19 000 Hektar waren es insgesamt 5.500 Hektar Dränung.
In dem beschriebenen Gebiet sind leichte, stark sandhaltige Böden mit einem geringen Wasserspeicherungsvermögen vorherrschend. In niederschlagsarmen Jahren führte das Wasserdefizit zu Ertragsausfällen, in trockenen Jahren oftmals zu Missernten. Deshalb entschloss man sich, nach Abschluss der Entwässerung mit einer Zusatzberegung in der Vegetationszeit optimale Wachstumsverhältnisse zu schaffen.

Von einem schwimmenden Schöpfwerk bei Mehderitzsch und fünf weiteren Pumpstationen sollte Elbwasser auf einer Fläche von 5000 Hektar verregnet werden, die sich bis Audenhain, Wildschütz und Taura ausdehnte.
Ein sehr anspruchsvolles und materialintensives Projekt, das man in die schon erwähnten damaligen agrarpolitischen Ziele einordnen muss. Der VEB Meliorationsbau Leipzig arbeitete hier mit über 20 Kooperationspartnern, auch aus Ungarn und Polen, zusammen. Im Mai 1974 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden. (Fortsetzung folgt)


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