Samstag, 19. September 2020
Freitag, 11. September 2020

TORGAU

Erleichtertes Anfahren mittels Zugkraft am Vorderrad

Tim Wolfsteller (li.) und Lenka Šatra (re.) in gespannter Vorfreude auf Marian Wendts Unterschrift. Letzterer hat den Füllfederhalter schon geöfnet und wird sogleich den „Letter of interest“ signieren.Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau/Riesa/Zwickau. Ein Ingenieursstudent aus Torgau entwickelt ein mechanisches Rekuperationssystem für Fahrräder. Wie es funktioniert und wie weit der Stand der Dinge ist, lesen sie hier.

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Routiniert öffnet Marian Wendt den Füllfederhalter und setzt schwungvoll seine Unterschrift auf das ihm vorgelegte Schriftstück. Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Letter of interest“, den ihm Lenka Šatra und Tim Wolfsteller vorgelegt haben. Die beiden jungen Sachsen baten damit Anfang August den nordsächsischen Bundestagsabgeordneten um seine Unterstützung für ihre Unternehmung, die eine selbst entwickelte, rein mechanische Anfahrhilfe für Fahrräder herstellen soll.

Technische Verantwortung
„Die Idee dazu wurde vor circa einem Dreivierteljahr geboren“, sagt Tim Wolfsteller. Der Torgauer ist der technische Entwickler im Projekt. Es ist nicht nur die Idee eines Start-Up-Unternehmens, sondern von Seiten der technischen Umsetzung gleichzeitig auch seine Diplomarbeit. Als Marian Wendt die Unterstützung mit der Unterschrift versichert, ist Tim Wofsteller noch Candidatus Ingenieur an der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Fachbereich Kraftfahrzeugtechnik, muss sein Konzept also noch verteidigen.

Finanzielle Leitung
Die finanzielle Seite und strategische Ausrichtung hat Lenka Šatra im Blick. Die Riesaerin ist noch mitten im Masterstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Mittweida. Über eine gemeinsame Freundin beim Riesaer Cheerleaderverein lernten sie sich kennen.

Der Antrieb
Eine Feder, die eingekuppelt und gespannt wird – Wandlung von Bewegungs- in potentielle Energie. Mit diesem Prinzip soll ein Teil der zurvor vom Fahrer aufgewendeteten Arbeit gespeichert werden, die dann für einen Anfahrvorgang zur Verfügung steht. Das Herzstück ist eine Spiralfeder, ähnlich wie bei einer mechanischen Uhr oder einem Aufzieh-Spielzeugauto. Das Aufziehen des Mechanismus bremst gleichzeitig das Fahrrad. „Im Prinzip könnten wir damit sogar anhalten“, erläutert der ehemalige Schüler des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums, der dort 2016 sein Abitur ablegte. Doch für Notbremsungen und starke Verzögerungen brauche es auf jeden Fall noch eine herkömmlichen Bremse am Fahrrad. Also ist es eine verschleißfreie Bremse wie der Retarder im Nutzfahrzeug? „Ja,bloß eben ohne Öl und ohne die kinetische Energie einfach nur in Wärme zu wandeln, mit der die Umgebung beheizt wird“, führt Tim Wolfsteller aus. Denn die gespannte Feder kann später ihre Energie wieder ans Vorderrad abgeben und dieses antreiben. „Das reicht für ungefähr 100 bis 150 Meter Fahrt aus“, legt der Student die Möglichkeiten dar. Somit handle es sich um eine Anfahrhilfe, die vor allem im Stadtverkehr mit häufigen Stopps hilfreich sei. „Gerade bei sowieso schon schweren Fahrrädern, zum Beispiel mit Beladung, sehen wir Vorteile gegenüber dem Elektrorad“, sagt TimWolfsteller. So sei die ganze Apparatur mit einer Systemmasse von circa 2,5 Kilogramm geplant. Dies mache ein derart ausgerüstetes Fahrrad deutlich leichter als mit elektrischer Unterstützung. Außerdem werde mit diesem Antrieb die vorhandene Fahrradstruktur kaum stärker belastet als ohne. Das Gehäuse soll 300 Millimeter im Durchmesser haben. Selbst die Kombination mit Nabendynamo und Scheibenbremse sei möglich. Vorerst ist der Einsatz nur am Vorderrad geplant.

Potential für Patente?
„Nein, der Federantrieb ist in seinem Prinzip schon Stand der Technik“, erläutert der angehende Ingenieur. Doch in Sachen Steuerung des Ganzen bieten sich noch Chancen auf technisches Neuland. Schließlich müsse das System für den Fahrer auch bequem zu bedienen sein. Das sei so das grundlegende Ziel der Diplomarbeit: Die Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzeptes.

Die Unternehmung
Neben der rein technischen Seite entsteht auch noch ein Unternehmen, das das Produkt herstellen und vertreiben soll. „Vorerst als Nachrüstlösung“, erläutert Lenka Šatra. Für die Zukunft bringt Marian Wendt eine Kooperation mit einem Fahrradhersteller ins Spiel. Auch im Sinne des Recyclings kann der S-Wheel genannte Antrieb glänzen. „Es ist alles aus Stahl“, ordnet Tim Wolfsteller ein. Nun fehlt nur noch ein Mentor für die Wirtschaft, um die Kooperation mit Fahrradherstellern und -Händlern anzukurbeln.

Förderung
„Welche weitere Unterstützung für Jungunternehmen wie unseres gibt es?“, fragt Lenka Šatra. Die Riesaerin ist für die finanziellen Belange und die Strategie der „Easy Cycling“ genannten Firma verantwortlich. Bisher habe man ein Stipendium über das Bundesministerium für Wirtschaft mit Hilfe der Westsächsischen Hochschule Zwickau beantragt. Als Antwort auf die Frage führt Marian Wendt Programme wie Exist oder die KfW-Bank auf. Gründerförderungen gebe es reichlich, meint der CDU-Abgeordnete. „Mit diesen wollen wir die Ideen schließlich auch in Deutschland halten“, verdeutlicht er. So will Marian Wendt auch einen Unterstützerbrief an Wirtschaftsminister Peter Altmeier schreiben, um einen möglichst positiven Bescheid für die beiden jungen Unternehmer zu erreichen.
Bis dahin genießen die beiden Sachsen ihren Urlaub. Danach wird Tim Wolfsteller seine Diplomarbeit verteidigen. Anschießend geht es mit Volldampf zum nächsten großen Ziel – einem funktionierenden Prototypen.

Da könnte die Mechanik rein: Das 28-Zoll-Vorderrad des TZ-Redaktionsfahrrades. Die beiden Finger geben einen Eindruck des beanspruchten Bauraums mit dem Radius von etwa 150 Millimetern.

 


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