Dienstag, 9. März 2021
Dienstag, 23. Februar 2021

TORGAU

Fußballkrimi im Hartenfelsstadion

Das Original-Jubelfoto aus der Zeitung nach dem Tor für Torgau von Ronald Kreer.Foto: TZ/Archiv

Von unserem Mitarbeiter Eberhard Sowa

Riesenjubel, Freudentränen - und die Torgauer baden im Sekt. Ex-Nationalspieler Ronald Kreer avanciert zum Helden des Aufstiegsspiels zur Bezirksliga.

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Torgau. Im Spieljahr 1995/96 wurde der TSV Blau-Weiß Torgau Zweiter in der Bezirksklasse Staffel 2 des Leipziger Fußballverbandes. In der Staffel 1 war es der SV Holzhausen, eine Mannschaft aus der Gegend zwischen Taucha und Schkeuditz. Da aber laut Spielordnung nur der jeweilige Staffelsieger direkt aufsteigen konnte, mussten die beiden Zweitplatzierten der Staffeln den dritten Aufsteiger per Relegation ermitteln.

Eine lange Vorbereitungszeit gab es dafür nicht, denn gleich nach Beendigung der Punktspielserie starteten die Relegationsspiele mit Hin- und Rückspiel. Torgau zog das Los, zuerst in Holzhausen spielen zu müssen. Das sollte sich als Vorteil herausstellen. In Holzhausen wurde ein beachtliches Remis (1:1) erreicht, was eine hervorragende Ausgangsposition für Torgau werden sollte.

Im Rückspiel würde ein 0:0 reichen. Bei einem 1:1 nach 90 Minuten müsste es in die Verlängerung gehen und ins Elfmeterschießen, wenn auch nach 120 Minuten noch keine Entscheidung gefallen wäre. Diese Situation wünschte sich aber kein Torgauer Spieler. Es war der 22. Juni 1996, als um 16.50 Uhr im Hartenfelsstadion alle Dämme brachen. Über die Haare der Torgauer Spieler ergossen sich Sektduschen und dem damaligen TSV-Präsidenten Jan Meurer (+) flossen die Tränen über das Gesicht. Doch was war geschehen?

600 Zuschauer waren anwesend, als Schiedsrichter Fiedler aus Leipzig beide Teams auf den Rasen führte. Eine Fangemeinde aus Holzhausen war auch angereist, die leider nach dem Schlusspfiff von Fairplay nichts mehr hielt. Mit Spielbeginn nahm Torgau das Spiel in seine Hände und schon nach fünf Minuten hätte es Strafstoß für Torgau geben müssen. Der sehr stark aufspielende Thomas Heinrich wurde gefoult - aber der Pfiff blieb aus.

Eckbälle der Torgauer häuften sich und die Überlegenheit der Platzherren war jetzt sehr deutlich, aber ein Torerfolg wollte sich nicht einstellen. Heinrich verfehlte in der 20. Minute nur knapp das Gästetor. In der 24. Spielminute wurde Klopf am Holzhausener Strafraum gestoßen, aber den Freistoß fischte der gut haltende Gästekeeper aus dem Dreiangel. In den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit kam Holzhausen stark auf, aber Torgaus Abwehr und Keeper Jessulat waren auf der Hut und hielten bis zum Pausenpfiff das 0:0.

Beide Teams kamen gestärkt aus der Kabine und suchten nun die Entscheidung. Holzhausen hatte zuerst eine sehr gute Möglichkeit (48.), aber Jessulat sprang wie ein Panther in die Ecke und boxte das Leder ins Aus. Nach einem guten Doppelpassspiel mit Heinrich verfehlte Klopf knapp das gegnerische Tor. In der 65. Spielminute wurde Töpfer bei seinem Sturmlauf von den Beinen geholt. Der Pfiff blieb unverständlicherweise aus.

Die Spielart der Holzhausener nahm mehr und mehr an Härte zu und der Schiedsrichter ließ manchen Pfiff vermissen. Es begannen die letzten zwanzig Minuten und noch reichte es für Torgau zum Aufstieg. Doch in der 75. Minute nutzte Holzhausen einen Abwehrfehler und ging mit 1:0 in Führung. Starr vor Schreck standen die Torgauer Fans da und mussten sich den Jubel der Gäste ansehen.

Doch kurz darauf verließ Torsten Szepanek den Platz und Trainer Jörg Trapp (+) brachte für ihn Ronald Kreer. Damit bewies er ein goldenes Händchen. Denn der Ex-Nationalspieler war es, der jetzt seine Mitspieler antrieb. „Los Jungs. Wir haben noch etwas Zeit, das Remis schaffen wir noch!“ Aber es gab erstmal noch einen Wechsel bei Torgau. Für R. Klopf kam Bruder M. Klopf und für Zweigler kam Ebeling. Torgau machte weiter im Angriff Druck.

In der 86. Spielminute segelte ein hoher Ball in den Holzhausener Strafraum. Dort stand Kreer und bugsierte das Leder zum Ausgleich ins Tor. Der Jubel war unwahrscheinlich. Alle Torgauer schmissen sich auf Ronald Kreer und begruben ihn regelrecht unter sich. Aber er ertrug dieses Knäul auf sich mit Geduld, kannte er doch solchen Jubel von seiner Zeit als Nationalspieler zur Genüge.

Weitere zwei Minuten später glich das Stadion einem Hexenkessel. M. Klopf startete einen Sololauf und vollendete zur 2:1-Führung. Das ehrwürdige Hartenfelsstadion glich jetzt einem Hexenkessel. Zwei Gästespieler verloren die Nerven und kassierten eine Rote und eine Gelb-Rote Karte. Das Sahnehäubchen gelang dann Nico Bachmann in der 90. Spielminute mit seinem Treffer zum 3:1. Sekunden später erfolgte der Schlusspfiff.

Was sich dann auf dem Rasen abspielte, war kaum zu beschreiben. Aus Sicherheitsgründen geleiteten Gerald Schürz und Eberhard Sowa das Schiedsrichtertrio sicher in die Kabine, aber die Gästefans verließen entnervt und tief enttäuscht das Hartenfelsstadion. Auf dem Rasen waren in der Zwischenzeit die Spielerfrauen und Freundinnen mit einer Rose in der Hand und küssten ihre Helden. Die Terrasse des Stadions verwandelte sich langsam zur Partymeile.

Der damalige Abteilungsleiter R. Feiks hatte schon ein Fass Freibier zur Verfügung gestellt. Als die zweite Mannschaft von ihrem letzten Auswärtsspiel und mit einem 6:3-Sieg im Gepäck im Stadion eintraf, gab es ein großes Hallo und viele Glückwünsche. Eine knappe Stunde nach Spielschluss wurde das eingelöst, was die Spieler sich im Vorfeld ausgemacht hatten: Sie ließen sich fast alle eine Glatze schneiden. Ihre Frauen und Freundinnen nahmen es mit Humor. Bis weit nach Mitternacht wurde im Stadion mit den Familien, den Freunden, den Fans und den Sponsoren gefeiert. Dann ging es endlich ins Bett und man träumte schon von den ersten Spielen in der Bezirksliga.

Torgau: Jessulat, Sczepanek (80. Kreer), Friemelt, Schulpig, Jende, Zweigler (84. Ebeling), Töpfer, Bachman, Heinrich, R. Klopf (84. M. Klopf), Haedecke. TF: 0:1 (75.), 1:1 Kreer (86.), 2:1 M. Klopf (88.), 3:1 Bachmann (90.). SR: Fiedler (Leipzig). ZS: 600.

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