Samstag, 3. Dezember 2022
Montag, 4. Juni 2018

TORGAU

Gedenksta¨tte erha¨lt Dauerleihgabe

Ausstellungsteil zur Geschichte der Heimerziehung in der ehemaligen DDR. Barockes Treppenhaus im Großen Waisenhaus zu Potsdam.

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Die Ausstellung „Geschichte der Kindheit im Heim“ im Waisenhaus Potsdam ist beendet. Der Teil zur DDR-Heimerziehung geht nun als Dauerleihgabe  an die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau.

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Von Oktober 2017 bis Mitte April 2018 war die Ausstellung auf vier Etagen des barocken Treppenhauses im Waisenhaus Potsdam zu sehen.

Beginnend mit den Anfängen der staatlichen Fürsorge im deutschen Kaiserreich spannte die Ausstellung einen Bogen über die reformpädagogischen Versuche der Heimerziehung in den 1920er Jahren, die Situation der Fürsorgeerziehung in der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur Heimerziehung in West- und Ostdeutschland. Die Ausstellung war ein Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“, der Fachhochschule Potsdam, dem Filmmuseum Potsdam sowie Experten und Expertinnen der Wohlfahrtsforschung und wurde durch eine öffentliche Vortrags- und Filmreihe ergänzt.

Kooperation

Studierende der Fachhochschule (FH) Potsdam haben den Ausstellungsteil zur DDR-Heimerziehung erstellt. In Kooperation mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau unter Leitung von Bildungsreferentin Manuela Rummel haben sie sich ein Jahr lang in der Lehrveranstaltung „Aufwachsen im Heim – Gestern und heute“ mit Zielen und Strukturen der DDR-Heimerziehung auseinandergesetzt. Entstanden sind Ausstellungstafeln und Zeitzeugeninterviews, welche übersichtlich und eindrucksvoll über das DDR-Heimsystem informieren. Zudem wurde die mobile Ausstellung „Auf Biegen und Brechen“ der Gedenkstätte zur Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau integriert.

Prof. Dr. Alexandra Schmidt-Wenzel, Dozentin an der FH Potsdam und Betreuerin des Ausstellungsprojektes „Die Geschichte der Heimerziehung in der ehemaligen DDR“, zeigte sich von der Resonanz der Besucher und dem Engagement der Studierenden beeindruckt. Die Studierenden hätten bei der Erarbeitung großen Einsatz gezeigt, so Schmidt-Wenzel. Zudem erarbeiteten sie ein Führungskonzept und führten Besuchergruppen durch die gesamte Ausstellung. Mehr als 1000 Interessierte konnten gezählt werden; Schulklassen, Studiengruppen und Fachleute nahmen das Angebot wahr.

Gästebuch

Die vielen Kommentare im Gästebuch der Ausstellung unterstrichen die Wichtigkeit der Aufarbeitung und aktuelle Brisanz des Themas Heimerziehung. Eine Besucherin vermerkte: „Die Ausstellung hat mich sehr berührt. Ich habe selber als Erzieherin fast 20 Jahre in der Heimerziehung gearbeitet. Wie die Ausstellung zeigt, war die Heimerziehung stets dem staatlichen System untergeordnet. Trotzdem steht und fällt der Alltag in pädagogischen Einrichtungen mit dem damit tätigen Personal. So ist es auch heute (für mich) existentiell wichtig, gute Pädagogen auszubilden […].“ Dies möchte auch die Gedenkstätte mit ihrer Arbeit weiterhin befördern.

Eine wichtige Zielgruppe der Gedenkstätte sind neben Schülern auch angehende Erzieher und Studierende der Sozialen Arbeit. Dafür steht nun jener Ausstellungsteil zur DDR-Heimerziehung zur Verfügung. Dieser soll künftig für die Bildungsarbeit vor Ort aber auch in Form der Ausleihe an verschiedenen Bildungseinrichtungen genutzt werden. Prof Dr. Diana Düring von der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena zeigt bereits Interesse: „Mir ist es wichtig, mit den Studierenden zum Thema repressive Heimerziehung zu arbeiten. So kann verdeutlicht werden,  dass repressive Methoden und Zwangsmaßnahmen, obgleich sie oftmals als Hilfe deklariert wurden und werden, das Gegenteil für die Betroffenen darstellen. Statt Unterstützung, Begleitung und Bildung erfuhren und erfahren die Betroffenen – (pseudo)pädagogisch legitimiert – Demütigungen und Menschenrechtsverletzungen, Schmerzen und Leid.

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