Montag, 25. Mai 2020
Donnerstag, 9. April 2020

TORGAU

Geduld, Hoffnung und Freiheitsliebe in Zeiten Coronas

Das Baumaterial für das Lehmannsche Schuppendach liegt bereit. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Unkraut jäten, Blumen anpflanzen oder an der Laube werkeln – aktuell haben die Kleingärtner viel zu tun auf ihren Parzellen. Zusätzlich lockt die Laubenpieper das schöne Wetter raus. Was die Kleingärtner um- und antreibt und ob Corona eine Rolle spielt, lesen Sie hier.

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Geräusche von Metall, das in der Erde kratzt, der Geruch von Holzkohlefeuern in der Luft und Menschen, die mit Werkzeugen Holz bearbeiten – in Torgaus Kleingärten bringt das sonnige Wetter der letzten Tage neben den Pflanzen auch das Leben zum Erblühen. Die Auswirkungen des Corona-Virus sind in den Sparten nur schwer zu entdecken, wie ein paar Spaziergänge und Gespräche mit den Laubenpiepern zeigen.

Kleingartenverein Wolffersdorff

Die Anlage mit dem Nachnamen des preußischen Generalleutnantes ist dreigeteilt. Im vorderen Teil nahe des Bahnhofs pflegt Manfred Kosta seine Parzelle für das kommende Gartenjahr. „Ich bin fast jeden Tag draußen. Man muß ja mal raus“, sagt er. Auf diesem Gelände verklappte einst die Reichsbahn Aschen aus den Dampflokomotiven, wie der ehemalige Zusteller des Wochenblattes berichtet. Seine Frau könne aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit in den Garten, aber das habe mit Corona nichts zu tun. Auch sonst spürt er kaum Auswirkungen der aktuellen Situation auf die Gartenanlage.
Dies bestätigt Silvia Roscher. Sie betreut die Kinder ihrer Mitbewohnerin und nimmt sie dazu mit in ihren Garten. So toben die Kinder an der frischen Luft ungezwungen über die Wiese. „Nein, es hat keine großen Änderungen durch Corona im Kleingarten gegeben“ schüttelt sie verneinend den Kopf. Auch andere Mitglieder seien nicht häufiger oder seltener zu sehen als sonst auch. Der Schwatz am Zaun findet nun eben mit etwas mehr Abstand statt.

Süptitzer Weg Süd

Seit drei Jahren hat Christoph Lehmann aus Torgau seinen Garten in der Anlage Süptitzer Weg Süd. Ursprünglich waren es zwei Parzellen, die aber nach der Übernahme durch ihn zusammengelegt wurden. Eine der beiden Lauben hat er schon auf Vordermann gebracht. Auf den ersten Blick glaubt man, vor einem Fachwerkbau zu stehen. „Nein, das ist nur geschickt verputzt“, korrigiert er den Irrtum des Betrachters. Momentan baut er das Schuppendach. Als gelernter Maurer und Dachdecker ist er im Baugewerbe zu Hause. Da fällt ihm die Renovierung des Schuppendaches in Eigenregie leicht. „Wir haben jetzt eine Woche Urlaub, da werden wir hoffentlich jeden Tag draußen sein“, sagt er, vor allem, wenn das Wetter schön werde. Corona? Das beeinflusse die Gartenarbeit nur wenig. „Hauptsache dass ich im OBI noch was kaufen kann“, verleiht er seiner größten Sorge als Kleingärtner bezüglich Corona Ausdruck.

Christoph Lehmann vor seiner Laube


Entspannt lehnt der Doberschützer Gerald Nitzsche auf seinem Gartentor, die Sonnenbrille schützt die Augen vor der grellen Frühjahrssonne. Seine Frau wuselt derweil durch den hinteren Teil des Gartens. „Momentan ist erstmal aufräumen angesagt“, legt er die Prioritäten zu Beginn der warmen Tage fest. Warum ausgerechnet in Torgau einen Garten? „In Doberschütz gibt es keine“, erläutert er. Zwar ist Eilenburg näher, aber nachdem der dortige Kleingarten zweimal dem Hochwasser der Mulde zum Opfer fiel, entschied sich der aus Chemnitz stammende Nitzsche mit seiner Frau für einen Garten in der Sparte Süptitzer Weg Süd. Im Prinzip sei alles ganz normal. „Wir gehören zur Risikogruppe. Da kann man sowieso nicht so viel machen“, begründet er die jetzt häufigeren Aufenthalte im Garten.

Gerald Nitzsche entspannt am Gartentor


Gleich hinter dem Eingangstor zu Peter Fiekers Garten befindet sich auf der gepflasterten Fläche der Fahrradständer. Erst danach beginnt der eigentliche Garten. Dieser präsentiert sich aufgeräumt und wohlüberlegt gestaltet. Die Furchen auf den Beeten sind exakt gezogen. Der Torgauer betreibt den Garten zwar erst seit 2010, doch bereits vorher widmete er sich bis 2001 in einer anderen Anlage jahrzehntelang dem Pflanzen, Ernten und Erholen auf eigener Scholle. Die aktuelle Corona-Pandemie hat für ihn als Kleingärtner nur wenig Auswirkungen. „Gut, der Baumarkt fehlt schon, aber Pflanzen bekommt man ja noch“, sieht er die Sache locker. Er brauche zwar jetzt in der Gärtnerei länger als sonst, Abstand halten muss schließlich sein, aber immerhin bekommt er, was er braucht.

Peter Fieker verteilt neuen Humus zwischen den Erdbeerpflanzen.

Flügelrad

Entspannt sitzt Ralf Hunger mit seiner Familie in seinem Garten. Nur die beiden Hunde tollen im abendlichen Sonnenschein über den Rasen. Seit fünf Jahren pflegt er den Garten. Bei den aktuellen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen ist er froh, diese eigene Parzelle zu haben. Er müsse raus, da helfe der Garten, wenn er schon nicht arbeiten gehen darf. Stundenlang DVD-Sammlung gucken? „Kann ich nicht“, stellt er klar. Auch seine nicht mal 15 Jahre alte Tochter ist vom Garten begeistert. Gerne hätte sie ihren eigenen, aber vorerst muss sie noch mit einem separaten Beet in Papas Garten auskommen.

Ralf Hunger


Etwas wild sieht der Garten von Kristina Wall schon aus. „Den habe ich auch heute erst übernommen“, sagt sie entschuldigend. Nein, mit den aktuellen Corona-Regelungen habe die Anschaffung des Kleingartens nichts zu tun. „Das war schon länger geplant“, macht sie klar. So sei es Zufall, dass sie nun die Möglichkeit habe, den Garten als Rückzugsort zu nutzen, bevor ihr zu Hause die Decke auf den Kopf falle. Schließlich ist sie als Angestellte eines Torgauer Schreib- und Bürowarenladens auch von der behördlich verordneten Zwangspause betroffen. Jetzt möchte sie den Garten erst einmal auf Vordermann bringen und die Natur genießen.

Österlich geschmückter Garten.

 


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