Samstag, 13. August 2022
Freitag, 29. Juli 2022

TORGAU

Großkampftag im Waldbrandgebiet

Eine Hochleistungspumpe des THW zieht seit Freitag bis zu 15 000 Liter Löschwasser aus der Elbe bei Stehla. (Nico Wendt)

von Nico Wendt

Nachdem der große Waldbrand am Freitag noch immer nicht im Griff ist, greift die Einsatzleitung zu spektakulären Mitteln

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Arzberg/Kötten Man spürt es irgendwie. Tag 4 nach Ausbruch des Großbrandes bei Lönnewitz soll den Durchbruch bringen. Schon am Morgen fährt ein großer Konvoi des Technischen Hilfswerkes (THW) am Arzberger Gerätehaus vor. 22 Fahrzeuge, 68 Personen. Die ehrenamtlichen Helfer kommen unter anderem aus Bamberg, Naila (Oberfranken), Rudolstadt, Aue/Schwarzenberg, Senftenberg und Leipzig. Sieben Spezialtrupps der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen. Sie haben einen spektakulären Auftrag: Nämlich eine Leitung von der Elbe bis zum Brandgebiet zu legen. 5,3 Kilometer lang. Quer über Felder, Wiesen, vorbei an Ortschaften.

Schon in den Nachtstunden gegen 3 Uhr sind einige von ihnen gestartet. Marten Römpler ist Zugführer und hofft, dass das Löschwasser schon in den Mittagsstunden fließen kann. "Wir verwenden F-Schläuche mit 20 Zentimeter Durchmesser. Aller 600 bis 1000 Meter wird ein Bassin aufgebaut, aus dem wiederum sieben Hochleistungspumpen das Wasser in die nachfolgenden Abschnitte leiten", schildert er. Das soll Druckverlust mindern. Einige der Männer und Frauen waren schon bei der Flut-Katastrophe im Ahrtal, beim großen Moorbrand in Meppen und bei anderen Waldbränden bundesweit im Einsatz. Bis zu 15 000 Liter Wasser pro Minute soll das System aus der Elbe zapfen. Die örtlichen Straßen will man unterqueren, dazu vorhandene Regen- Durchlässe nutzen. Aus einem Entnahmebecken können dann die Tanklöschfahrzeuge in Kötten ihr Löschwasser ziehen.

Einsatzleiter Klaus Grabein klärt über die Hintergründe auf: "Unsere sechs Flachspiegelsaugbrunnen geraten nach der Dauer-Nutzung an ihre Grenzen. Rund um die Uhr wird gepumpt. Mittlerweile ist der Grundwasserspiegel gesunken."

Jens Kabisch, Zweiter Beigeordneter des Landrates, verweist auf die neue Taktik bei der Brandbekämpfung. "Wir haben intensiv mit Juristen, mit dem Innenministerium, mit Polizei und mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst beraten. In Abwägung aller Risiken fiel am Donnerstagabend die Entscheidung, die Waldwege im Sperrkreis doch zum Löschen freizugeben." Bedingung: Die Fahrzeuge müssen in Bewegung sein, kein Kamerad dürfe aussteigen, es sind vorwiegend Dachmonitore (Strahlrohre) zu nutzen und der Einsatz der Kameraden beruhe auf Freiwilligkeit. Nur so wäre es möglich, Glutnester effektiv zu bekämpfen und gegen ein erneutes Aufflammen vorzugehen. Denn auch die zwei Berge- und Löschpanzer könnten nicht überall sein.

Klaus Grabein geht davon aus, dass bis zum Nachmittag über 200 Feuerwehrleute vor Ort sind. Ständig trifft Nachschub ein. Gegen 11 Uhr fährt ein beeindruckender Tros mit 34 Kameraden und zwölf Fahrzeugen aus Sachsen-Anhalt in der Pfarrstraße vor. In den Stunden danach wird noch mit Kräften unter anderem aus Halle gerechnet.

Auch im "Küchenbereich" des Arzberger Gerätehauses spürt man den Großkampftag. Versorgungsleiter Kevin Wetzer rechnet mit rund 300 Personen, die im Verlauf des Freitags verköstigt werden wollen. Aus 60 Kilogramm Kaßler, 30 Kilogramm Sauerkraut und 70 Kilogramm Kartoffeln möchte sein zwölfköpfiges Team ein leckeres Mittags- Gericht zaubern. Die Ehrenamtlichen der DRK-Kreisverbände Torgau, Delitzsch, Eilenburg und Muldental geben ihr Bestes an der Feldküche. Und auch darüber hinaus ist alles da, was das Herz begehrt: ob Obst, Kuchen, Würstchen, Schokolade.

Ohne Mampf kein Kampf- heißt die Devise. Ein Teil wurde als Dankeschön von Einwohnern der Region gespendet. Größere Mengen bezieht man vom Kaufland Torgau, von Meemken-Wurstwaren oder von REWE aus Delitzsch. Vier Fahrer bringen das Essen direkt ins Gelände, wenn die Kameraden gerade unabkömmlich sind.

Am "Brennpunkt" hat sich die Lage indes auch am frühen Nachmittag nicht beruhigt. "Der Wind, der ständig neu auffrischt und dreht, ist unser ärgster Feind", macht Klaus Grabein deutlich. In vier Abschnitte habe man die sächsische Zone eingeteilt. Auf insgesamt sechs Kilometer Länge werde versucht, eine sogenannte Riegelstellung zu halten. Es sei extrem wichtig, ein Überspringen der Flammen in den Raum Lönnewitz, südlich über die B183 nach Blumberg sowie westlich in Richtung Falkenstruth zu verhindern.

Im Pendelverkehr bewässern die Tanklöschfahrzeuge die angelegten Schutzstreifen. Insgesamt habe der Waldbrand, der am Montag gegen 13.30 Uhr auf brandenburger Seite entstand, eine Fläche von rund 50 Hektar auf sächsischer Seite erfasst. Im Elbe-Elster-Kreis sind es sogar 800 Hektar.

Polizeisprecher Olaf Hoppe verteidigte am Freitag nochmal die Festlegung des 1000-Meter-Sperrkreises. Bei einem kleineren Brand in der Vorwoche habe man fünf 10-Kilogramm-Kleinbomben sowie einen Zünder entdeckt. Davor gab es Einzelfunde an Granaten, Panzerminen und Kleinbomben am ehemaligen Flugplatzgebiet. "Somit ist es keine Kampfmittelverdachtsfläche mehr! Sondern es besteht eine konkrete Gefahr", betonte er.

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