Dienstag, 26. Mai 2020
Montag, 18. Mai 2020

TORGAU

Hahnemann - Der Chemiker

Das Ölgemälde wurde 1835 von Dr. Samuel Hahnemanns Ehefrau Mélanie gemalt. Foto: Siegfried Letzel

Von Siegfried Letzel

Torgau. Auch im Bereich der Chemie war der berühmte Homöpath tätig. Dabei brachte er sich das meiste WIssen selbst bei.

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Weshalb gibt es eigentlich heutzutage noch so viel Rummel um einen Samuel Hahnemann, der be-reits 1843 das Zeitliche gesegnet hat? Um sich von seinen wissenschaftlichen Leistungen ein Bild machen zu können, müssen wir uns das Weltbild der ‚Gebildeten‘ seiner Zeit vor Augen führen. Hahnemanns Beitrag zur Entstehung der modernen Chemie ist dafür ein schönes Beispiel.

Den Wissenschaftlern des 18. und 19. Jahrhunderts fehlen noch alle Grundlagenkenntnisse in ihren Bereichen und sie mussten erst noch erste Ansätze schaffen, um aus den mittelalterlichen Vorstellungen herauszukommen und rationales Wissen zu schaffen. Die sich gerade entwickelnde Ära der Aufklärung kam Gelehrten wie Hahnemann wie gerufen. Nun ging es weg vom Aberglauben und hin, eigenes Wissen zu schaffen – unter Gebrauch des eigenen Verstandes.

In der Chemie galten noch die Lehren eines Johann Joachim Bechers (1636–1682) und Georg Ernst Stahls (1660–1734) und damit die Lehre des Phlogiston. Nach Prof. Neumann war dieses das brennbare Prinzip, ohne das nichts auf der Welt brennen kann. Schwefel bestand demnach aus Schwefelsäure und Phlogiston. Holz war Asche plus Phlogiston (bei der Verbrennung von Holz entflüchtete das Phlogiston und Asche blieb zurück). Wasser war „nichts als eine von der Wärme flüssig gemachte durchsichtige Erde, die man Eis nannte. Es besteht aus vier Elementen: terra vitrescens, terra mercurialis, terra sulfurea und terra inflammibilis.“ Und jener Neumann war zu Zeiten Hahnemanns eine absolute Autorität.

In Crells „Chemischen Annalen“ veröffentlichte Hahnemann mehrere Artikel.

Man war damals also noch auf der Suche nach dem „Grundwesen“ der Körper, den Elementen.

Antoine Laurent de Lavoisier machte endlich den alten ‚Ergrübelungen‘ gegen heftigsten Widerstand ein Ende. Nach ihm verwandelte sich Wasser nicht in Erde, sondern bestand aus Wasserstoff und Sauerstoff. Er zeigte, dass der Oxidationsprozess von Metallen das ‚Einschlucken‘ von Sauerstoff war.
Hahnemann veröffentlichte zu dieser Zeit Artikel in Crells „Chemischen Annalen“. Dabei ging es zum Beispiel um den Einfluss einiger Luftarten auf die Gärung des Weines, über Weinproben von gepanschtem Wein auf Eisen und Blei, um Bereitungsarten von auflöslichem Quecksilber und einiges mehr.

Mit Lavoisier wollte Hahnemann Untersuchungen durchführen, um eine Entscheidung zur Frage zum Phlogiston herbeizuführen. Leider kam es wegen des Ausbruchs der Französischen Revolution nicht mehr dazu, in deren Verlauf Lavoisier unter der Guillotine endete (1794). 1799 erst wurde Lavoisier von den meisten ‚Scheidekünstlern‘ anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt war Hahnemann schon viel weiter.

In Sachen Chemie war Hahnemann zwangsläufig Autodidakt. Er übersetzte 1784 zwei Bände von Demachys Werk zur fabrikmäßigen Herstellung chemischer Produkte in die deutsche Sprache. Mit seinen Anmerkungen verbesserte er dieses Werk bedeutend. Dabei war Demachy Mitglied der wissenschaftlichen Akademien zu Paris und Berlin. Hahnemann zeigte erstaunliche Kenntnisse in allen Fragen des Buches. Erschöpfend zeigt sich seine Literaturkenntnis, die er zum besseren Verständnis des Originalwerkes einsetzte. Oft erklärt er chemische Vorgänge genauer, oder er verbessert Irrtümer und Fehler.

Im Jahre 1786 gibt Hahnemann das Buch „Ueber die Arsenikvergiftung, ihre Hülfe und gerichtliche Ausmittelung“ heraus. Diese für jene Zeit klassische Schrift enthielt laut dem Arzt Bergrath Dr. Buchholtz in Weimar „die besten Arsenikanalysen, die in die gerichtliche Medizin eingeführt wurden“. Hier schon gehört Hahnemann zu den ersten Vorreitern überhaupt, die dazu beitrugen, die neuesten Kenntnisse zur Chemie in der Medizin zu verwerten. Und dieses tat er sehr erfolgreich, wie wir in unserem nächsten Artikel noch sehen werden.

Das Internationale Hahnemann-Zentrum Torgau e. V. in der Wintergrüne 4 zeigt ein seltenes Juwel aus jener Zeit. Es handelt sich hierbei um eine Ausgabe von Crells „Chemischen Annalen“ aus dem Jahre 1789. Hierin schreibt Hahnemann zwei Artikel, den ausführlicheren über „Die Entdeckung eines neuen Bestandtheils im Reißbley“ (Graphit). Unmittelbar vor Hahnemanns Schrift findet sich auch eine von Antoine Lavoisier: „Betrachtungen über das brennbare Wesen zur Entwicklung der Theorie vom Verbrennen und Verkalken“. Wer will jetzt noch Zweifel daran hegen, dass Torgaus berühmter Bürger nicht in der Topriege der weltbekanntesten Chemiker seiner Zeit geforscht habe? Und damit war er noch weit am Anfang seiner wissenschaftlichen Studien  …

 

Info:

Dr. Samuel Hahnemann und die von ihm ins Leben gerufene Heilkunde der Homöopathie sind ein wichtiger Teil von Torgaus Geschichte. Mehrere Jahre seines Lebens verbrachte er in der Elbestadt, verfasste hier zahlreiche Artikel über die Homöopathie und gab im Jahr 18010 auch die erste Ausgabe des „Organon“ heraus. In diesem hielt er die Prinzipien seiner neuen Heilmethode fest; das Werk ist heute in seiner erweiterten 6. Auflage auf jedem Schreibtisch eines Homöopathen zu finden.

Seit 2014 beherbergt Torgau außerdem den Verein „Internationales Hahnemann-Zentrum Torgau“, der das gleichnamige Zentrum in der Wintergrüne betreibt und dort in einer Ausstellung zahlreiche Exponate aus der Zeit Hahnemanns präsentiert.

Der Kurator dieser Ausstellung, Siegfried Letzel, wird Ihnen, liebe Leser in den kommenden Wochen regelmäßig Geschichten aus dem Leben und Wirken Hahnemanns näherbringen und Sie so über die Geschichte der Homöopathie und damit auch über die Geschichte Torgaus, aufklären. Letzel ist Bachelor of Science in Biologie, praktizierender Heilpraktiker und war Mitglied der Gründungsredaktion der heute am mit 65 000 Abonnenten am weitesten verbreiteten Homöopathiezeitschrift „Homeopathy4Everyone“.


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