Freitag, 20. September 2019
Freitag, 13. September 2019

BELGERN-SCHILDAU

Heißer Tag für Feuerwehrleute

Die Kameraden aus dem Bereich Schildau trainierten in Leipzig.Foto: privat

von unserem Redakteur Christian Wendt

Leipzig. Kameraden aus Schildau durften vor wenigen Tagen im Fire-Trainingscenter des Flughafens Leipzig-Halle trainieren. Die TZ sprach darüber mit Wehrleiter Jens Burghardt.

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Belgern-Schildau/Leipzig. Nicht selten, dass es im Stadtrat hitzig zugeht. Bei diesem „heißen“ Thema blieben die Bürgervertreter aber mächtig cool. Allen voran der Schildauer Wehrleiter Jens Burghardt, der für die Freunde der Feuerwehr im Stadtrat sitzt. Burghardt lenkte den Fokus auf eine Ausbildung der Kameraden in einem Fire-Trainingscenter. Mit ihm kam die Torgauer Zeitung darüber ins Gespräch.

 

TZ: Um welches Trainingscenter handelt es sich?

Jens Burghardt: Um das der Leipziger Flughafen-Feuerwehr. Hier werden verschiedene Lehrgänge wie Technische Hilfe, Flugzeugbrandbekämpfung, spezielle Angebote für Rettungssanitäter, Brandschutzhelfer und eben jene Brandcontainer vorgehalten, in denen die sogenannten Wärmegewöhnungsübung abläuft.

 

War es eine Premiere für die Kameraden aus Belgern-Schildau?

Premiere? Jein. Wir übten schon öfter in einem Brandcontainer, der bei der Freiwilligen Feuerwehr in Eilenburg steht. Da geht man aber „nur“ rein und löscht ein Feuer. In dem Fire-Trainingscenter am Flughafen Leipzig/Halle wird auch das Vorgehen in verqualmten Räumen und die Personensuche trainiert. Gut für unsere jüngere Kameraden. Für die waren die Erlebnisse am 31. August wirklich das erste Mal in solch einem Container.

Warum nicht schon früher?

Ja, warum nicht schon früher... Angedacht hatten wir dies in der Ortsteilfeuerwehr Schildau schon immer einmal. Nur die Kosten von etwa 120 Euro pro Teilnehmer sind da schon eine ordentliche Hausnummer für den Stadthaushalt. Da pro Durchgang 13 Teilnehmer durchgeschleust werden, bedarf es da schon einiges an Überzeugungsarbeit gegenüber der Verwaltung und der Bürgermeisterin. Hier noch einmal Danke an die Unterstützer.

 

Aus welchen Ortswehren waren die Teilnehmer nach Leipzig gereist?

Im Stadtfeuerwehrausschuss hatten wir die Absprache getroffen, dass in diesem Jahr die Wehren aus dem Altbereich Schildau und im kommenden Jahr die Wehren aus dem Bereich Belgern diese Ausbildung wahrnehmen können. Auf Grund von Krankheit in der Wehr Probsthain konnten diesmal schon kurzfristig zwei Kameraden aus der Wehr Belgern teilnehmen. Somit waren Kameraden aus den Wehren Belgern, Kobershain, Schildau, Sitzenroda und Taura am Flughafen dabei. Wie aber jetzt die Entsendung aus den Wehren stattfand, kann ich nicht sagen. In Schildau haben wir uns bei der Entsendung der Teilnehmer an der laufenden Ausbildung und der Verfügbarkeit zu Einsätzen orientiert.

 

Wie groß ist die Hoffnung, dass die Stadt auch künftig derartige Ausbildungseinheiten finanziert? Immerhin betonte Stadtrat und Feuerwehrmann Christian Schmidt, dass solch ein Training vorgeschrieben sei...

Wie sagt man so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich selbst und auch die Kameraden, mit denen ich im Anschluss gesprochen habe, hoffen, dass diese Ausbildung weiterhin finanziert wird. Laut Feuerwehrdienstvorschrift muss ein Kamerad beziehungsweise eine Kameradin jährlich eine Übung unter Einsatzbedingungen oder einen Einsatz nachweisen. Solche Einsatzbedingungen hat man aber nur in solchen Anlagen wie im Fire-Trainingscenter.

 

Wer koordinierte die Zusammenarbeit mit dem Trainingscenter?

Den Hut der Planung haben wir einstimmig dem Kameraden Jens Frenzel aufgesetzt. Er arbeitet bei der Flughafenfeuerwehr und hat somit einen guten und kurzen Draht zum Trainingscenter. Die Ausbilder dort machen dies nämlich neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit. Auch an sie nochmal unser Dank für diesen gelungenen Tag.

 

Wie läuft solch ein Training genau ab?

Nach Eintreffen im Trainingscenter schafft jeder seine Einsatzsachen in die Umkleidekabinen, um dort auch gleich zu kontrollieren, ob auch wirklich alles da ist, was benötigt wird. Kleinigkeiten werden sogar unkompliziert zur Verfügung gestellt. Wir hatten den Vorteil, dass wir gleich die Atemschutzgeräte des Trainingscenters nutzen durften. Somit blieben unsere in den Heimatwehren einsatzbereit. Nach einer Stunde Theorie mit Tipps zum Vorgehen in verrauchten Gebäuden und einer Belehrung beginnt der Ernst. Anmarsch zum Container und Herstellen der Einsatzbereitschaft. Ein Trupp geht gemeinsam mit einem Ausbilder in den Container, ein zweiter Sicherheitstrupp steht bereit. Das „Durchlaufen“ dauert etwa 20 Minuten und zehrt mächtig an den Kräften.

 

Wie heiß ist es in solch einem Container?

Nach Aussagen der Ausbilder herrschten im unteren Bereich etwa 80 Grad Celsius, nach oben aber sehr stark ansteigend. Man sprach von knapp 300 Grad Celsius. Hier merkt man aber auch die Schutzwirkung unserer Einsatzkleidung. Nachdem alle Trupps die Anlage durchlaufen hatten, wurde noch einmal eine Brandbekämpfung geübt. Das heißt, noch einmal die dicken Sachen an und Atemschutzgeräte aufgesetzt. Und dies bei mehr als 30 Grad Celsius Außentemperatur. Mein Respekt an alle, die teilgenommen haben. Wobei die Ausbilder sogar mehrfach im Container mitliefen.

 

Welche Schwierigkeiten treten bei solch einem Container-Training auf?

Unterbrechen mussten wir leider einmal. Bei einem Trupp löste sich der Atemanschluss. Hier zeigte sich aber die volle Professionalität der Ausbilder. Schnell konnte die Verbindung wieder hergestellt und der Kamerad aus dem Container gebracht werden. Die weitere Versorgung übernahm dann der flughafeneigene Rettungsdienst. Der Kamerad konnte die Heimfahrt mit uns gemeinsam antreten.

 

Gab es nach der Trainingseinheit bei anderen Kameraden neugieriges Nachfragen?

Hier kann ich nur für die Wehr Schildau sprechen und dies mit einem klaren „Ja“ beantworten. Und hoffe natürlich, dass wir dies auch in den kommenden Jahren anbieten können.

 

Unterscheidet sich die Begeisterung zwischen gestandenen und jungen Kameraden?

Da konnte ich keine Unterschiede erkennen. Ich persönlich hatte für mich entschieden, den Jüngeren den Vortritt zu lassen. Ich selbst bin Atemschutzgeräteträger, gerate als Führungskraft aber nur noch selten dazu, unter Atemschutz zum Einsatz zu kommen.

 

Was ist der Vorteil eines solchen Trainings? Immerhin gibt es doch auch die Atemschutzstrecke in Torgau...

Der Vorteil gegenüber Torgau ist, dass hier unter realer Hitze und tatsächlicher „verschmutzter“ Umgebungsluft gearbeitet werden muss. Man wird auch in Torgau an seine Grenzen herangeführt, aber in solch einem Container ist das noch einen Zacken schärfer. Da kann man nicht einfach mal die Maske runterreißen. Hier bekommt man sofort die Atemgifte zu spüren. Auch war das Üben des Ablegens der Geräte und Sachen wichtig. Unter diesen Voraussetzungen merkt man deutlicher die Rußablagerung auf der Einsatzkleidung. Die Atemschutzstrecke in Torgau bleibt jedoch ein fester Bestandteil unserer Ausbildung.

 

Was blieb bei den Lehrgangsteilnehmern hängen?

Sehr viel. Die Kameraden wurden an ihre jeweiligen Belastungsgrenzen herangeführt. Sie wissen nun, wie weit sie  gehen können, was sie sich im Einsatz zumuten können oder auch wie lange Einsatzsachen der Hitze standhalten. Aber am wichtigsten war es zu sehen, wie lange die Regeneration nach solch einem Einsatz dauert. Im Prinzip darf jeder Atemschutzgeräteträger ja nur einmal in einem Einsatz eingesetzt werden. Aber die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Aufgrund fehlender Kameradinnen und Kameraden, die auch tagsüber einsatzbereit sind, gehen die wenigen, die die Befähigung, sprich Ausbildung und ärztliche Untersuchung besitzen, öfter vor. Sehr oft denken sie da nicht an ihre Gesundheit, sondern wollen nur helfen. Und das machen alle Kameradinnen und Kameraden ehrenamtlich neben ihrer normalen Arbeit.

    Gespräch: Christian Wendt

 

INFO

Auch die Torgauer Feuerwehrleute können sich freuen: Wie Stadtwehrleiter Thomas Bein erklärte, bekommen 42 Kameraden am 5. und 6. Oktober die Chance, in einem solchen Brand-Container zu trainieren. Dazu werde der Container von Leipzig nach Torgau transportiert.


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