Samstag, 3. Dezember 2022
Donnerstag, 3. November 2022

TORGAU

Henrik Simon: "Zum Händeschütteln ist mir die Zeit zu schade"

Henrik Simon: „Ich nehme mein Amt nach Recht und Gesetz wahr.“Foto: Silke Kasten

Von unserem Redakteur H. Landschreiber

Torgau. Henrik Simon (parteilos) ist seit dem 12. Oktober vereidigter OBM der Stadt Torgau. Im SWB-Gespräch schaut er auf den Wahlkampf zurück und blickt auch nach vorn.

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SWB: Haben Sie noch einen Überblick darüber, wie viele Hände Sie auf Ihrer Begrüßungstour geschüttelt und in wie viele Gesichter Sie geschaut haben?

Henrik Simon: Nein, so genau kann ich das gar nicht sagen: Bis Ende des Monats ist mein Kalender in Sachen Antrittsbesuche noch gut gefüllt. Aber zum Händeschütteln ist mir die Zeit eigentlich zu schade.

Haben Sie sich an Ihrem neuen Arbeitsplatz im Torgauer Rathaus schon eingelebt?

Ja. Zunächst habe ich mir meinen Arbeitsplatz entsprechend mit einem zweiten Bildschirm, Maus und Tastatur eingerichtet – ansonsten ist alles ähnlich sporadisch wie auf meiner ehemaligen Arbeitsstelle auf dem Landratsamt. Ich bin ja zum Arbeiten, nicht zum Wohnen im Rathaus (lacht).

Seit dem 12. Oktober sind Sie vereidigter Oberbürgermeister der Stadt Torgau – wie fühlt sich das an?

Im Prinzip hat sich nicht viel geändert für mich, nur dass mich einige Leute auf der Straße ansprechen, mir Glück wünschen und direkt sagen, wo der Schuh drückt. Ansonsten nehme ich mein Amt nach Recht und Gesetz mit Herz und Verstand wahr. Im Landratsamt hatte ich ein gutes Verhältnis zu den Referenten. Das strebe ich natürlich auch im Rathaus an. Hin und wieder stellt sich die Frage, ob ich mit verschiedenen Leuten beim Du bleibe, oder auf das förmliche Sie wechsle. Die Frage stellt sich nicht in den Ausschüssen, beim Ältesten- und im Stadtrat. Wichtig ist, allen mit dem nötigen Respekt entgegenzutreten und Seriosität entgegenzubringen. Das sind wichtige Komponenten im Arbeitsalltag. Respekt hat für mich nichts mit der Anrede zu tun.

Wie haben Sie das letzte halbe Jahr erlebt?

Wenn ich von Vornherein keine reelle Chance gesehen hätte, wäre ich nicht als OBM-Kandidat angetreten. Überrascht war ich davon, wie viele Leute mein Anliegen mitgetragen und mich unterstützt haben. Zusammengerechnet haben mich 100 Leute aktiv bei den verschiedensten Anliegen unterstützt, meinen groben Plan mitgetragen und die Details mitgestaltet. Dafür bin ich neben meiner Familie jedem Einzelnen sehr dankbar. Wir hatten einen Plan und den haben wir umgesetzt.

Was war die Initialzündung?

Einem guten Freund und ehemaligen Arbeitskollegen teilte ich am 30. März mein Vorhaben mit, mich aufstellen zu lassen. Ich wollte seine Expertise und Hilfe bei meinem Wahlprogramm. Kurz darauf trafen wir uns im Clara-Zetkin-Park in Leipzig – dort fiel quasi der Startschuss für meine Checkliste, wenig später stand ein 15-Punkte-Programm. Die für die Zulassung zur Wahl notwendigen Unterschriften bekam ich schnell zusammen, sodass ich an meinem ersten Termin, dem Workshop Strategie, am 5. Mai festhalten konnte. Ich habe den Druck hochgehalten.

Was war, glauben Sie, das Erfolgsrezept?

Blinder Aktionismus liegt mir fern. Der Wahlkampf war dahingehend eine tolle Erfahrung, dass sich Kompetenz und Expertise in meinem Programm widergespiegelt haben und von den WählerInnen angenommen wurde. Ein Baustein für den Erfolg war die Kompetenz Einzelner in Sachen sozialer Medien: Ich hatte sicherlich die Kontakte, im Hintergrund wirkte aber eine Mannschaft, die unser Konzept umsetzten und unseren Plan weiterverfolgten. Wir haben immer vorausschauend gearbeitet, wollten agieren, nicht reagieren.

Haben Sie ein Beispiel?

Die Wahlplakate waren so angelegt, dass wir sofort auf die Stichwahl reagieren konnten, ohne neu plakatieren zu müssen.

Wie haben Sie die Tage vor der Stichwahl erlebt?

Nach dem ersten Wahlgang wusste ich, worauf wir uns in der Stichwahl konzentrieren mussten, in welchem Wahlbezirk ich gewonnen und welchem ich verloren hatte. Wichtig war, die Wähler, die mich gewählt hatten zu motivieren, es noch einmal zu tun. Ziel war es auch, Nichtwähler zu begeistern, wählen zu gehen. Deshalb war die Wahlbeteiligung im Vergleich zum ersten Wahlgang letztendlich vergleichsweise hoch. Ich wusste, dass ich einige Stimmen von Michael Sehrt bekommen würde. Aber auf Absprachen habe ich mich nicht eingelassen. Da ist mein Demokratieverständnis ein anderes.

Und dann kam der 18. Juli.

Natürlich war ich überrascht, dass das Ergebnis so klar ausfiel. Mit der Deutlichkeit, 4458 der abgegeben Stimmen, was 55,8 Prozent entsprach, habe ich nicht gerechnet.

Was für ein Fundament, sowohl personell als auch finanziell, haben Sie im Rathaus vorgefunden?

Im Augenblick verschaffe ich mir noch einen Überblick innerhalb der 100 Tage, die mir als neuer Amtsinhaber zugestanden werden, um alle Mitarbeiter und Bereiche kennenzulernen. Erste Entscheidungen mussten trotzdem getroffen werden.

Welche zum Beispiel?

Dass die meisten Bereiche der Landesgartenschau bei dem schönen Wetter für alle zugänglich waren – trotz laufendem Rückbau. Für die Nachnutzung fordere ich eine saubere Lösung, alles gehört auf den Prüfstand. Wichtig ist die Nachhaltigkeit, das Gelände in Güte und Qualität zu erhalten, damit es den Leuten weiterhin Freude bereitet.

Wie kommentieren Sie die Aussage, die Landesgartenschau sei finanziell mit einem „blauen Auge“ davongekommen?

Man hätte zusätzliche Besucher mit einem besseren Marketing generieren können.

Ihr Credo als neuer OBM sind Transparenz und fraktionsübergreifende Fairness. Nur ein Wahlversprechen?

Mitnichten. Mein Ziel ist es, vor jeder Ausschuss- und Stadtratssitzung den Ältestenrat einzuberufen und gemeinsam die Tagesordnung abzustimmen. Die Bürger möchte ich mehr mit einbeziehen, Entscheidungen erklären – beispielsweise bei der Erstellung des Haushaltsplanes. im Jahr 2023 wird es keinen Doppelhaushalt geben. Obwohl das Stadtsäckel nicht gut gefüllt ist, möchte ich einen Bürgerhaushalt für Projekte etablieren. Dafür fordere ich auch Eigeninitiative.

Gefühlt schlittern wir von einer Krise in die nächste.

Die Krisen sind da, natürlich. Deshalb ist es im Augenblick wichtig, im Rahmen der Möglichkeiten Lösungen zu finden, Energie zu sparen und Flüchtlinge gerecht auf den Landkreis zu verteilen.

Jeden Montag tragen Bürger ihren Protest auf die Straße. Was halten Sie davon?

Ich kann es verstehen. Viele müssen sich ernsthaft Gedanken machen, wie sie über die Runden kommen. Viele Maßnahmen des Bundes und der Länder erscheinen mir nach dem Gießkannenprinzip beschlossen – sie sollen die Bürger beruhigen, zeigen langfristig aber keine Wirkung. Zurzeit dominieren viele faule Kompromisse die Politik, es fehlt eine klare Linie. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation: Die Energiesicherheit ist das A und O. Ich denke vor allem an unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sehr energieintensiv produzieren. Hier bedarf es einer zielgerichteten Unterstützung, um in der akuten Notlage den Fortbestand des Produktionsstandortes Torgau zu sichern.

Wie wollen Sie das Vereinsleben erhalten?

Wir wollen Vereine im Rahmen der Haushaltsplanung stärken. Vereine sind ganz wichtig für das Gemeinwohl, bringen Spaß und soziale Kompetenz. Ich möchte alles in meiner Macht stehende tun, um die Vereine zu erhalten.

Wird es zur Weihnachtszeit dunkel in Torgau?

Nein. Wir sind in Gesprächen mit den Stadtwerken, die Beleuchtung anders zu schalten und dort wo es geht auf LED umzustellen. Sicherlich werden wir die Zeiten reduzieren, wo die volle Festbeleuchtung an ist. Nach dem jetzigen Stand gibt es eine weihnachtliche Beleuchtung. Nach zwei Jahren Corona warten die Leute auf ein Zeichen und weihnachtliche Stimmung.

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