Samstag, 3. Dezember 2022
Donnerstag, 10. November 2022

NORDSACHSEN

Holger Reinboth: "Es gibt viel zu tun!"

Holger Reinboth: "Das Wie entscheidet!“Foto: PR

Von unserem Redakteur H. Landschreiber

Arzberg. Holger Reinboth ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Arberg. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt er, was ihn in diesem Jahr alles bewegte.

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SWB: Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen: Was war Ihr persönlicher Moment, der unvergesslich bleibt?

Holger Reinboth: Gefreut hat mich die Tatsache, dass ich im Januar mit überwältigender Mehrheit als ehrenamtlicher Bürgermeister wieder gewählt wurde. Begonnene Projekte können weitergeführt, neue entwickelt werden. Es gibt viel zu tun! Schade, dass es keinen anderen Kandidaten fürs Amt gab.

Haben Sie Ihre Entscheidung, Bürgermeister bleiben zu wollen, schon bereut?

Ein klares Nein. Jeder Tag in meinem Amt ist mit Herausforderungen verbunden, zum einen macht mir die Arbeit, der tägliche Umgang mit meinen Einwohnern und mit meinen Mitarbeitern in der Schule, der Kita, der Verwaltung und dem Bauhof großen Spaß. Wir ziehen alle für die Gemeinde an einem Strang. Zum anderen ist es spannend, begonnene Projekte zu vollenden und neue Ideen zu entwickeln.

Die Betonung liegt aber darauf, dass Sie ehrenamtlicher Bürgermeister sind.

Das ist richtig. Ich habe aber Bedenken, künftig alle Aufgaben im Ehrenamt erledigen zu können. Der Freistaat hatte sich darauf verständigt, dass alle Bürgermeister grundsätzlich hauptamtlich tätig sein sollen. Allerdings bedarf es in der Gemeinde Arzberg noch einer Novellierung und Anpassung, sodass zur nächsten Wahl dann der Bürgermeister hauptamtlich gewählt wird. Das macht auch in unserer kleinen Gemeinde Sinn, weil die Verwaltung der 18 Ortsteile eine große Herausforderung ist. Die vielfältigen Aufgaben sind nicht zwischen einem ehren- und hauptamtlichen Bürgermeister zu unterscheiden. Formal-juristisch bin ich bis zum 28. Februar 2029 gewählter Bürgermeister von Arzberg im Ehrenamt.

In der Rubrik „In eigener Sache“ im aktuellen Amts- und Informationsblatt in der Verwaltungsgemeinschaft Beilrode (siehe www.beilrode.de/Politik & Verwaltung/Amtsblätter) finden Sie berührende Worte für unsere krisengeschüttelte Zeit. Wie wichtig ist so ein Mutmacher?

Das ist gute Tradition, in dieser Rubrik über Aktuelles zu informieren und Position zum Zeitgeschehen zu beziehen. Es freut mich, wenn meine Zeilen ein positives Echo bekommen, gelesen werden und ankommen bei der Bevölkerung. Ich bezog die Worte auf die allgemeinen Krisen, von denen auch unsere Gemeinde massiv betroffen ist. Seit März 2020 hatten wir mit Corona zu kämpfen, aktuell hat uns die Wirtschafts- und Energiekrise ereilt, die Migrationsherausforderung läuft seit 2015. Das prallt nicht von unserer Gemeinde ab. Wir haben wenig Einfluss auf Veränderungen: Wichtig ist, unten zu verstehen, wenn oben Dinge auf den Weg gebracht werden müssen. Aber das Wie entscheidet.

Warme Worte allein werden nicht reichen, um alle Herausforderungen zu meistern.

Richtig. Wir versuchen, so gut es eben geht, durch die Zeit zu kommen. Unlängst erhöhte Mitgas die Energiepreise um 80 Prozent für kommunale Institutionen: Hoffentlich wirkt die Bremse auch bei uns. Wichtig wird sein, den Spagat zwischen Einnahmen und gemeinschaftlichem Vorankommen zu meistern. In einem Rundschreiben an unsere Vereine informierte ich darüber, dass wir gemeinsam finanzielle Lösungen finden müssen, um die Vereinstätigkeit zu erhalten. Wir als Gemeinde stellen die Immobilien für Vereine kostenlos zur Verfügung, die Betriebskosten müssen die Vereine selbst stemmen. Zudem wollen wir für 2023/24 einen Doppelhaushalt hinbekommen, welcher sowohl die Pflicht- als auch die freiwilligen Ausgaben berücksichtigt. Natürlich wollen wir weiter in der Gemeinde investieren, die LEADER-Projekte vollenden, unseren Dorfladen und das Mehrgenerationenhaus in Arzberg sowie zwei Straßen sanieren. Unser Dorfladen, der für 150.000 Euro umgebaut wird, soll Ende des Monats fertig saniert sein. Es ist die einzige Verkaufseinrichtung in der Gemeinde.

Ein Streitpunkt war zuletzt die Sanierung der Huckelpiste in Packisch.

Das ist eine Staatsstraße, wofür die das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LaSuV) verantwortlich ist. Der anvisierte Baubeginn am 5. Oktober mit ausgewiesener Umleitung konnte nicht gehalten werden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte großflächig zu tun, die Auswertung zieht sich noch hin. Wir hoffen jedoch, dass der Fertigstellungstermin bis Ende des Jahres gehalten werden kann.

Die verheerenden Waldbrände im Sommer ließen vor allem die Solidarität aufleben.

Die sich entwickelnde Situation vom 25. bis 30. Juli war herausfordernd und dramatisch zugleich. Der Waldbrand war das größte Schadensereignis in der Gemeinde nach den Hochwassern 2002 und 2013. Es ist den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten nicht hoch genug anzurechnen, was sie geleistet haben. In der Hochzeit waren 1100 Helfer mit 160 Fahrzeugen im Einsatz. Mit großem Engagement und ganz viel Expertise konnte eine Evakuierung von zwei Ortsteilen und Schäden an Leib und Leben sowie Immobilien abgewendet werden. Die Schäden unserer drei Wehren beliefen sich dennoch auf 400.000 Euro, gottlob „nur“ an Technik, Material und Ausrüstung.

Was bleibt im Nachgang von diesem Ereignis?

Es gilt, alles wieder wie vor dem Brand herzustellen. Der Freistaat hielt Wort, indem er uns mit 2,5 Millionen Euro unter die Arme greift, damit die beruflichen Ausfallzeiten der Feuerwehrleute auf ihren Arbeitsstellen, die Technik, die Ausrüstung sowie die Schäden an den Löschbrunnen und nicht zuletzt die Versorgung und Verpflegung der Helfer bezahlt werden können. Alles in allem hatten wir immense Herausforderungen zu meistern. Die Bevölkerung unterstützte die Helfer mit Obst, Getränken, Kuchen und kleinen Aufmerksamkeiten, um den Einsatz so angenehm wie möglich zu gestalten. Dennoch stoßen wir mit der Schadenslage im Ehrenamt an unsere Grenzen.

Welcher Schlüsse ziehen Sie?

Das Ereignis war ein Fingerzeig, dass hauptamtliche Strukturen bei der Organisation im Einklang mit der Landkreis-Verwaltung und Bürgermeister-Ebene vonnöten sind. Wichtig ist im Nachgang alles auszuwerten und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ausrüstung und Ausstattung der Feuerwehren müssen stimmen, um für künftige Schadenslagen wie diese gerüstet zu sein. Prävention und Investition sind wichtig! Damit meine ich auch die Schulung und Qualifikation der Kameraden.

Was steht 2023 auf der Agenda?

Natürlich wollen wir die Krisen bewältigen – so geht es eben geht. Der Haushalt soll so aufgestellt werden, dass mit unserem bescheidenen Budget Maßnahmen umgesetzt werden können und investiert werden kann. Im kommenden Jahr soll der Schlosshof in Pülswerda saniert werden. 300.000 Euro – gleichermaßen Förder- und Preisgelder – sollen verbaut werden. Aus diesem Grund wird es nur zwei Ostelbische Bauernmärkte – einer im März, der andere im Oktober 2023 – geben. Ganz wichtig ist, dass alle Einwohner aktiv und gesund bleiben.

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