Montag, 10. August 2020
Freitag, 31. Juli 2020

TORGAU

Karl-Friedrich Potzelt: "Torgauer sind heiß auf die Laga"

Karl-Friedrich Potzelt: „Der Abendmarkt ist eine geile Idee.“Foto: SWB

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Karl-Friedrich Potzelt, Torgauer Stadtrat für DIE LINKE, Landwirt und Betreiber des Entenfangs in Torgau, warum er bei der letzten Stadtratssitzung beinahe Schnappatmung hatte.

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Torgau. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Karl-Friedrich Potzelt, Torgauer Stadtrat für DIE LINKE, Landwirt und Betreiber des Entenfangs in Torgau, warum er bei der letzten Stadtratssitzung beinahe Schnappatmung hatte.

SWB: Das Jahr 2020 läuft bisher sehr negativ für Sie als Geschäftsmann: Sie hatten „Besuch“ vom Wolf, sämtliche Groß-Veranstaltungen fielen wegen Corona aus. Konnten Sie das irgendwie kompensieren?
karl-Friedrich Potzelt: Natürlich haben mich die Corona bedingten Ausfälle hart getroffen und zurückgeworfen. Dazu kam der Wolfsangriff auf meine Schafherde, dazu die erneute Trockenheit. Aber dieses Problem haben alle Bauern. Mit kleineren Veranstaltungen wie dem Abi-Ball und dem Metal-Ferienlager konnten wir uns halbwegs über Wasser halten. Weitere Angebote unter Einhaltung des Hygiene-Konzeptes sind für dieses Jahr noch in Planung.

   
Hat Ihnen diese verlustreiche Zeit etwas gelehrt?
Die Negativ-Spirale gibt mir dahingehend recht, dass man in guten Zeiten, wie wir sie zuletzt unbestritten hatten, trotzdem richtig wirtschaften und etwas auf die Seite legen sollte. Eine alte Bauernregel besagt, dass man eine Ernte in der Scheune, eine weitere auf dem Feld und eine auf dem Konto haben sollte (lacht). Ich sehe meinen Betrieb auf dem richtigen Weg: Unsere Reserven, welche für die Restaurierung des denkmalgeschützten Saals verwendet werden, kommen uns jetzt zugute. Da man bekanntlich nicht jünger wird, möchte ich mein Hab und Gut bedenkenlos an meine Kinder übergeben können.


Erfreulich aus Sicht des Stadtrates Karl-Friedrich Potzelt dürften dagegen die Eröffnung der Jugendherberge und die gute Entwicklung des Torgauer Abendmarktes sein.
Richtig. Als Mitglied des Fördervereins Jugendherberge freue ich mich riesig über die Eröffnung und den unschätzbaren Mehrwert für unsere Stadt. Das wird sich in den kommenden Jahren noch zeigen. Trotz großer Widrigkeiten und einer Kostenexplosion dürften die Kritiker verstummt sein. Natürlich sind wir an einer guten Auslastung interessiert: Die mit großem Aufwand von Hans-Christoph Sens gestaltete Werbe-Broschüre ist gedruckt und wird mit persönlichen Anschreiben an beispielsweise Schuldirektoren verschickt. Ich selbst kann mir eine gute Zusammenarbeit mit der Jugendherberge im Hinblick auf unsere Konzertbesucher vorstellen.


Und der Abendmarkt?
Ist einfach eine geile Idee, die bisher zweimal sehr gut umgesetzt wurde. Natürlich sind sich alle Beteiligten im Klaren darüber, dass immer neue Ideen und Händler gefragt sind. Ich würde mir eine Art Rotation diesbezüglich wünschen. Sicherlich gibt es jetzt einen „Corona-Bonus“ – die Leute wollen raus, etwas erleben, sich treffen. Sonst ist es ja eher schwierig, die Torgauer hinter dem Ofen vorzulocken. Aber mit dem Abendmarkt scheinen die Veranstalter voll ins Schwarze getroffen zu haben. Jetzt heißt es, weiter die Ärmel hochzukrempeln und auch überregional zu werben.


Was macht den Abendmarkt so besonders?
Das Merkmal der regionalen Produkte ist ein großes Plus. Sei es bei den Burgern oder den Bratwürsten, dem Honig sowie den Milcherzeugnissen: Die mit viel Aufwand produzierten Lebensmittel unterscheiden sich im Geschmack, auch wenn sie etwas teurer sind.


Der nächste Themen-Komplex, der Sie als Stadtrat tangiert, ist die Landesgartenschau 2022.
Richtig. Zurzeit entwickelt sie sich zu einem Sorgenkind. Ich hatte bei der letzten Stadtratssitzung, als man uns neue Zahlen und die wenigen Informationen, die in die Tiefe gingen, vorlegte, fast Schnappatmung.


Warum das denn?
Weil die Zeit schon sehr weit fortgeschritten ist. Ich habe mit meiner Familie schon einige Landesgartenschauen besucht und muss sagen, dass Torgau dem Soll-Zustand ganz schön hinterherhinkt. In Oschatz beispielsweise wurde vier Jahre vor Eröffnung der erste Grundstein gelegt. Noch habe ich Vertrauen in die Oberbürgermeisterin und die Verantwortlichen, frage mich aber schon, warum es keine konkrete, festgeschriebene Zeitschiene gibt und die Informationen nur spärlich auf den Tisch kommen.


Was ist aus Ihrer Sicht zu tun?
Was spräche gegen eine Verschiebung um ein Jahr? Diskutiert wird dazu bei vielen Gelegenheiten und mit Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten dazu. In einem Punkt ist man sich einig: Ordentlich, bezahlbar und nachhaltig muss es werden. Gefragt ist ein fraktionsübergreifendes Arbeiten, ob das Ganze bei realistischer Betrachtung noch zu schaffen ist. Bis auf abgerissene Flächen im Stadtgebiet sehe ich kaum Fortschritte. So wurde mir auf Anfrage bestätigt, dass Stauden und Blühgehölze eine lange Wachstumsphase haben. In einigen Dingen sehe ich die Nachhaltigkeit bisher nicht gewährleistet.


Wie konnte es so weit kommen?
Vieles läuft unter der großen Überschrift Corona. Dann gibt es Probleme bei der Bauvergabe. Eineinhalb Jahre vor der Eröffnung der Landesgartenschau bei der Finanzierung immer noch im Konjunktiv von „könnte und eventuell“ zu reden, ist wie ein Blick in die Glaskugel, ob wir das auch alles bezahlen können. Aufgrund dieser Fakten wäre eine Verschiebung begründbar, damit es eben ordentlich, bezahlbar und nachhaltig wird. Wir dürfen nicht sehenden Auges in den Abgrund marschieren, sondern sollten der Realität ins Auge schauen. Die Gründe des Für und Widers einer möglichen Verschiebung  müssen im Aufsichtsrat und Stadtrat offen auf den Tisch und diskutiert werden. Ich weiß, dass die Torgauer Bevölkerung heiß auf die Laga 2022 ist. Würde sich daran etwas ändern, wenn das Jahr 2023 als Termin steht? Im Übrigen verschiebt Bad Dürrenberg ihre Landesgartenschau aus ähnlichen Gründen.


Wie geht es im Entenfang weiter?
Wir hegen große Hoffnungen, dass bald ein Impfstoff gefunden wird und planen bereits für 2021. Unsere Auftragsbücher in Sachen Familienfeiern sind gut gefüllt.


Haben Sie noch ein Schlusswort?
Ich setze auf mehr Eigenverantwortlichkeit der Bürger: Viele möchten nicht mehr gegängelt werden und ihre Grundrechte geschmälert sehen. In den größten Krisenzeiten, von März bis Mai, hätte ich den Föderalismus außer Kraft gesetzt. Jeder Ministerpräsident hat sein eigenes Süppchen gekocht. Das war nicht gut für die Demokratie in unserem Land.

>>> 3. Torgauer Abendmarkt
am Freitag, dem 7. August, von 16 bis 21 Uhr auf dem Marktplatz


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