Sonntag, 20. September 2020
Freitag, 7. August 2020

TORGAU

Karsta Niejaki: "Und plötzlich Bürgermeisterin"

Karsta Niejaki: „Ein offener und konstruktiver Umgang.“Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Süptitz. Im SONNTAGSWOCHENBLATT-Gespräch erklärt Karsta Niejaki, erste Bürgermeisterin der Gemeinde Dreiheide, warum sie in ihrem Amt von allen Seiten gut aufgenommen wurde.

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Süptitz. Im SONNTAGSWOCHENBLATT-Gespräch erklärt Karsta Niejaki, erste Bürgermeisterin der Gemeinde Dreiheide, warum sie in ihrem Amt von allen Seiten gut aufgenommen wurde.

 

SWB: Der Wahlsonntag am 15. März hatte durch die aufziehende Corona-Pandemie etwas Bedrohliches. Ahnten Sie, was auf uns zukommt, oder anders gefragt: Konnten Sie sich über Ihren Wahlsieg überhaupt richtig freuen?
karsta Niejaki: Natürlich waren die Bedrohung und die aufziehende Gefahr zu spüren. Eine klassische Wahlparty war unter diesen Umständen nicht möglich. Dennoch habe ich mich über den Wahlsieg gefreut. Zum einen war ich überrascht über das deutliche Ergebnis, zum anderen konnte ich das Drumherum durchaus ausblenden. Ich war ziemlich aufgeregt.


Warum?
Weil mir bewusst wurde, dass ich plötzlich Bürgermeisterin bin.


Wie haben Sie die Wochen während des Lockdowns erlebt?
Ab 1. Mai war ich offiziell Bürgermeisterin im Nebenerwerb, weil ich durch die vereinbarte Kündigungsfrist bis Juni noch im PEP Torgau gearbeitet habe. Nicht ganz einfach war die tägliche Flut von Informationen, seitenlangen Verfügungen vom SSG und vom LRA, die wir alle sichten und sortieren mussten. Wir mussten schauen, welche Maßgaben für uns zutreffend waren und welche wir ignorieren konnten. Da bin ich meiner Mitarbeiterin, Ines Melichar, sehr dankbar, die diese Aufgabe perfekt gemeistert hat. Die öffentlichen Aushänge mussten ebenfalls ständig aktualisiert werden.  Dazu kam die Verunsicherung der Einwohner, die häufiger als sonst anriefen. In den Kindertagesstätten konnte ich mich auf tolle Erzieherinnen verlassen, die das einhielten, was einzuhalten war und mit den Eltern in einem guten Kontakt standen. Alles in allem war es ein gutes Zusammenspiel.


Diese Zeit kam einem Sprung ins kalte Wasser gleich. Blieb überhaupt Zeit, um sich in Ihr neues Amt einzuarbeiten?
Meine Einarbeitungsphase habe ich in meinen dreiwöchigen Urlaub gelegt. Eigentlich wäre ich mit meinem Mann im April auf Rundreise durch Peru, Bolivien und Chile gewesen. So hatte ich drei Wochen Abenteuerurlaub in Dreiheide (lacht). Während dieser Zeit war ich unter anderem per Rad mit den Ortsvorstehern unterwegs, um mir alles zeigen zu lassen. Einarbeiten muss ich mich jetzt auch noch. Aufgrund der Vielzahl von verschiedenen Dingen, die täglich auf mich einströmen, bin ich noch immer im Lernprozess. Mit dem stellvertretenden Bürgermeister, Hans-Jürgen Fink, führte ich viele offene Gespräche und war bei vielen Terminen dabei. Und wenn ich dennoch einen Rat benötige, greife ich zum Telefon und rufe meinen Vorgänger Wolfgang Sarembe an. Beide stehen mir jederzeit gern zur Verfügung. Übrigens war die Arbeit im Nebenerwerb eine lehrreiche Erfahrung und eine Bestätigung, dieses Amt nicht nur nebenbei ausführen zu können.


Apropos Wolfgang Sarembe. Ihr Vorgänger übergab Ihnen im Prinzip ein „bestelltes Feld.“
In der Tat. Süptitz, Großwig und Weidenhain sind drei gepflegte und attraktive Dörfer. In erster Linie geht es mir um den Erhalt des Geschaffenen, welches durch meine Vorgänger aufgebaut wurde. Es ist eine gute Grundlage vorhanden. Eigentlich gibt es wenig Anlass zum Jammern. Kleinere Probleme versuchen wir schnell und unkompliziert zu lösen. Mit der Grundschule, den drei Kitas und den Spielplätzen wurden Werte geschaffen, die erhalten werden müssen. Dreiheide ist eine junge Gemeinde und attraktiv für Familien: Bauplätze sind kaum noch vorhanden. Das ist schade. In Weidenhain gibt es die Möglichkeit, vielleicht fünf, sechs neue Eigenheime am Ortsrand zu erschließen. Dazu sind wir in Gesprächen. Vielleicht melden sich aber auch Privateigentümer bei uns, die Bauland anzubieten haben.


Was war die größte Umstellung in Ihrem neuen Beruf?
Bürgermeisterin bin ich rund um die Uhr. Es macht großen Spaß, etwas bewegen zu können. Arbeit ist reichlich vorhanden und wir sind eine kleine Verwaltung. Insofern lässt sich nicht viel verteilen und dennoch muss ich Arbeiten auch weitergeben. Das erfordert ein Umdenken, ist ein Lernprozess für mich.


Weibliche Bürgermeisterinnen im Altkreis Torgau sind auf dem Vormarsch. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Das müssen andere beurteilen. Ich komme automatisch in mein Fahrwasser. Von meinen Mitarbeitern wurde ich gut aufgenommen. Wir pflegen einen offenen und kons-truktiven Umgang, befinden uns ständig im Austausch. Wir treffen uns regelmäßig, um gemeinsam die anstehenden Aufgaben zu besprechen. Da sich viele Arbeiten nicht immer planen lassen, telefonieren wir und ich bekomme auch Lösungsvorschläge von den Mitarbeitern. Wir sprechen uns also ab, das ist mir wichtig.


Wie wurden Sie von Ihrem Gemeinderat aufgenommen?
Auch sehr gut. Wir kennen uns zwar alle und dennoch ist es eine andere Situation. Vor der ersten Gemeinderatssitzung hatte ich schon Muffensausen. Es ist eine spannende Aufgabe und aufregende Zeit.


Und wie hat Sie die Bevölkerung aufgenommen?
Ich bin der Meinung, dass ich auch da gut aufgenommen wurde und akzeptiert werde. Probleme werden offen angesprochen, es ist ein Geben und Nehmen. In Sachen Grünanlagenpflege helfen uns Leute auf freiwilliger Basis. Das ist sehr begrüßenswert.


Welche Vorhaben stehen demnächst auf der Agenda?
Die Kita Weidenhain bekommt demnächst ein neues Spielgerät. Dafür sind noch zusätzliche Arbeiten notwendig, wie die Aufarbeitung des Fallschutzes usw. Auch einige andere Außenspielgeräte müssen nach TÜV-Vorgabe nachgearbeitet werden. In der Kita Süptitz beginnt 2021 der Ausbau: Die Fördermittel und die Finanzierung stehen. In der Grundschule Weidenhain werden aktuell die Toiletten saniert. Generell hat die Schule in den Ferien oberste Priorität. Es finden Maler- und Reinigungsarbeiten statt. Im Plan sind der barrierefreie  Eingang zur Turnhalle und der Einbau einer behindertengerechten Toilette.  Bezüglich des Breitbandausbaus müssen wir uns noch gedulden. Die Verteilerplätze wurden von uns bestätigt und weitergegeben, jedoch fanden noch keine Arbeiten statt. Ich befürchte, dass sich der Baubeginn im III. Quartal dieses Jahres verschieben wird.


Haben Sie sich schon in der örtlichen Wirtschaft und in den Vereinen bekannt gemacht?
Ja, bereits während der Wahlkampfzeit hatte ich viele Gespräche mit Vereinsvorsitzenden und Unternehmern. Ich hatte den Eindruck,  offene Türen einzurennen (lacht). Ich bekam viele Infos über die Ziele, geplante Vorhaben und Wünsche. Das Gute ist, dass mich bestimmt 90 Prozent der Hauptakteure kennen und umgekehrt. Die guten Kontakte machen vieles einfacher. Ich bin in Dreiheide groß geworden.


Alles steht und fällt mit den Finanzen. Welche Quellen können Sie anzapfen?
Neben den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln ist es natürlich ein stetiger Kampf um Fördermittel: Man muss gut argumentieren, warum ein Vorhaben gefördert werden soll und die Eigenmittel bereithalten bzw. aufbringen. Umso mehr freue ich mich, dass die Mühle in Großwig ins LEADER-Programm aufgenommen wurde, Ähnliches hoffe ich für die Gutshausmauer in Großwig. Diesbezüglich kann ich mich auch auf eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Torgau im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft verlassen.


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