Dienstag, 26. Mai 2020
Montag, 18. Mai 2020

TORGAU

Klare Forderungen bei Ministerbesuch in Bennewitz

Staatsminister Günther lauscht den Ausführungen von Fugro-Experte Klaus Reitmeier. Foto: TZ/Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Bennewitz. Bei seiner Höfetour konfrontierten Landwirte aus Torgau, Bennewitz, Audenhain, und Sprotta Sachsens Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft mit zahlreichen Problemen. Heißestes Thema: die Beregnung der zunehmend trockenen Feld- und Weideflächen.

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Bennewitz. Mit einer gemütlichen Landpartie hatte Wolfram Günther, Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft am vergangenen Samstag sicher nicht gerechnet, als er seine Höfetour zu ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben Nordsachsens antrat. Dass es vor Ort aber jeweils so viel Gesprächsbedarf und durchaus auch harte Diskussionen geben sollte, dass der Zeitplan bereits nach den Besuchen in Sprotta und Audenhain um anderthalb Stunden nach hinten korrigiert werden musste, überraschte den Minister zwar nicht, setzte ihn allerdings unter Druck. Immerhin erwarteten  seine Gastgeber mehr als netten Smalltalk – nach den verheerenden Dürreperioden der letzten zwei Jahre und mehrmals über die Köpfe der Landwirte hinweg getroffenen politischen Entscheidungen über beispielsweise die Düngungspraxis galt es für ihn, statt bloßem Verständnis vor allem praktikable Lösungsansätze zu präsentieren. Oder zumindest glaubhaft die Bereitschaft zu signalisieren, sich für die landwirtschaftlichen Betriebe in der ländlichen Region im Ringen um unterstützende Fördermaßnahmen in die Bresche zu werfen.

 

Lob und eindringliche Bitten

 

Erste lobende Worte zur Arbeit des Ministeriums in den letzten Jahren richtete bei seiner Begrüßung auf dem Gelände der Hofmolkerei Bennewitz Erhard Neubauer an den Politiker: „Ohne eine seinerzeitige Tilgung der Altschulden, wären nach der Wende hier zahlreiche Betriebe verschwunden oder hätten den Besitzer gewechselt. Und der Blick, den Sie von der Landwirtschaft ausgehend auch in Richtung erneuerbare Energien werfen, bietet vielen Bauern Chancen, ihre Flächen und Ressourcen beispielsweise zur Biogaserzeugung einzusetzen.“, so der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Torgau.

Gleichzeitig bat er allerdings im Hinblick auf Letzteres darum, dass Staatsminister Günther mehr Druck auf die entsprechenden Gremien der Landesregierung ausüben möge, um diese Chancen in für die Bauern rentable Praxismodelle umzuwandeln, denn noch dauere die Prüfung der in Frage kommenden Flächen zu lange, seien die Fördermöglichkeiten aufrgund hoher bürokratischer Hürden für mittelständische Betriebe im ländlichen Raum schlichtweg zu undurchsichtig. Man sei dazu stets im Gespräch mit den Experten, versicherte Günter daraufhin, aber die Prüfung der angesprochenen möglichen Standorte für zukünftige Biogasanlagen sei von landesplanerischer Notwendigkeit und erfordere ob verschiedenster ineinandergreifender Faktoren einiges an Geduld von allen Beteiligten.

 

Diskussion um Vorgehensweise

 

Brisanter gestaltete sich schließlich die Bitte Neubauers, eindringlicher auf die Schaffung von Fördermöglichkeiten für Beregnungsmodelle zur Sicherung der landwirtschaftsbetrieblichen Prozesse hin  zu wirken. „Die Dürre hat nicht nur die Getreideernten der letzten Jahre zunichte gemacht, sondern auch Viehwirtschaften eine wichtige Grundlage zur Versorgung ihrer Tiere entzogen. Wir sehen in unserer Region stellenweise schon seit 2003 Tendenzen hin zu problematischeren Niederschlagsverhältnissen, haben aber kaum Möglichkeiten, dem effektiv entgegenzuwirken, weil uns das Geld oder schlichtweg die Genehmigung fehlt, dafür benötigtes Grundwasser zu fördern.“
Wie bei vielen Anliegen der Landwirte sah Günther eine mögliche Lösung auch hier in der Hilfe zur Selbsthilfe: Man müsse vom Ende her denken und bessere Bedingungen für die regionalen Direktvermarkter schaffen. Sie beispielweise bei der Vergabe von Standplätzen auf Regionalmärkten bevorzugt behandeln, um ihre Absatzmöglichkeiten ein Stück weit zu stabilisieren. „In Rochlitz geht man in einem entsprechenden Projekt sogar so weit, eventuell fehlendes Standpersonal oder die Marktstände selbst zu stellen, wenn ein lokal ansässiger Betrieb dies nicht aus eigener Kraft schafft.“, gab er an. Dass auch der erfolgreiche Kampf um eine schnellstmögliche Wiederöffnung der Regionalmärkte selbst, in Anbetracht der aktuelen Corona-Lage, ein wichtiges Signal an die Branche war, dem stimmte auch Christine Richter, ihres Zeichens seit sieben Jahren Geschäftsführerin des Regionalbauernverbands, zu. Daran habe das Drängen des Landesbauernverbandes großen Anteil gehabt, denn für die realitätsnahe Lösung von branchenspezifischen Anliegen bedrüfe es einfach der Initiative derer, die letztlich wieder damit umgehen müssten – und mit den Konsequenzen zu wirtschaften und zu leben hätten.

 

Ursachenforschung

 

Aus Sicht von Dr. Volkmar Harzer, der seinen Betrieb bereits an Tochter Nadja Schiemann-Harzer und Sohn Niels Harzer übergeben hat, ist die Zahl derer in den Entscheidungsgremien von Land und Bund viel zu gering, die wirklich aus der praktischen Landwirtschaft kommen. Wie nahe viele kleine und mittelständische Betriebe tatsächlich an der Existenzgrenze wirtschaften müssen, sei denen dann wahrscheinlich nicht bewusst genug. „Wir haben viele Krisen erlebt, aber irgendwann ist es eben zu wenig, was man noch für seine Erzeugnisse bekommt. Um Exportmeister zu sein und möglichst zu bleiben, hat die verarbeitende Industrie ein ums andere Mal  an der Preisschraube gedreht. Das war möglich, weil die Politik es einfach versäumt hat, eine dementsprechende Außenabsicherung zu gewährleisten.“ Und kritisch fügte er hinzu: „Die Preise sind im Keller und wenn man mit seinen Produkten nicht bis in die nächstgrößere Stadt kommt und idealerweise noch eine Nische bedient, um gegen die Konkurrenz dort bestehen zu können, dann hilft auch die als Verkaufsargument Nummer eins gepriesene Nachhaltigkeit und Regionalität kaum. So einfach kommen Landwirte hier nicht an genug Eigenkapital für Investitionen in die eigene Zukunft.“

Damit kam die Runde, die sich inzwischen vormals einzeln abgepackte Käsebrötchen und selbstproduzierten Quark mit Erdbeeren schmecken ließ, zurück auf das heiße Thema „Wasser“. Denn selbst wenn die Technik und das theoretische Wissen über mögliche Verfahren vorhanden seien, so Niels Harzer, liege der Teufel hier vor allem in den Details der rechtlichen Fragen rund um die notwendige Grundwassernutzung. Am konkreten Beispiel Bennewitz seien aus hydrogeologischer Sicht die umliegenden Schutzgebiete und der Umfang der Grundwasserneubildung nur zwei von vielen Faktoren. Das bestätigte auch Klaus Reitmeier von der Torgauer Firma Fugro Germany Land GmbH, welche Gutachten und Modelle im Vorfeld solcher Vorhaben erstellt. Und somit das fachliche Bindeglied für die Planung, Beantragung und Durchführung solcher Vorhaben ist. Anhand von mehrjährigen Daten zu vorhandenen Brunnen und Messstellen und unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien, auch klimabezogener Art,  entwickelten er und Niels Harzer ein geohydraulisches Modell, um verschiedene Szenarien darzustellen, welche mit der unteren Wasserbehörde und dem zuständigen Ministerium abgestimmt wurden. Das Problem ist komplex und die Fragen im Vorfeld einer Beregnung müssen für die Bewirtschafter und die zuständigen Behörden von zentraler Stelle bewertet werden. Eine einfache technische Förderung von Beregnungstechnik löst hier kein Problem. Auch sind die zahlreichen Gebietskulissen, welche nach der Wende errichtet wurden, ein großes Problem. Diese werden den betroffenen häufig erst später zu Konfliktfeldern, oft handelt es sich dann um übergeordnetes EU-Recht, was eine regionale Lösung dann nicht zulässt.

 

Bennewitzer Fazit

 

Möglichst schnell musste nach dieser Diskussion allerdings auch der Staatsminister weiter. Sein letztes Ziel des Nachmittags war der Walkmühlenhof Neubert in Torgau. Während Günther und seine Entourage sich also dorthin auf den Weg machten, war man sich in Bennewitz einig: Besuche wie dieser sorgten vielleicht dafür, dass beiderseits aus einem Namen, einer Betriebsbezeichnung auch Gesichter, echte Menschen werden. Aber letztlich bleibt immer abzuwarten, ob diese Momentaufnahmen, diese Stippvisiten und zeitlich begrenzten Gesprächsrunden auch Eingang in die Vorlagen im Landtag finden. Denn eigentlich gäbe es auf jedem einzelnen Hof im Landkreis so viel zu zeigen, zu probieren und zu erzählen – auch fernab von Corona.


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