Dienstag, 11. August 2020
Mittwoch, 15. Januar 2020

TORGAU

Kriminalität im PEP: Management und Mieter suchen verzweifelt nach Auswegen

Der PEP Torgau ist für viele Torgauer nicht nur ein beliebter Einkaufsort, sondern gerät auch oft ins Fadenkreuz von Kriminellen. Besonders Ladendiebstähle sind dort ein großes Problem. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. TZ-Redakteur Nick Leukhardt im Gespräch mit Center-Managerin Elke Ullrich und Vertretern des Sicherheitsdienstes über stehlende Kinder, stichschutzsichere Westen und die Rolle der Polizei.

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„Hallo Herr Leukhardt, bevor wir hier mit dem Interview beginnen, eine Sache vorneweg: Wir sind nicht ausländerfeindlich. Aber das, worüber wir heute mit Ihnen sprechen möchten, muss auch einmal gesagt werden dürfen.“ Dies waren die ersten beiden Sätze, die ich von Elke Ullrich zu hören bekam, als ich sie vor knapp einem Monat in ihrem Büro besuchte. Die Center-Managerin des PEP Torgau hatte mich aufgrund meines Artikels über die Roma im Stadtteil Nordwest eingeladen. Anfang Dezember hatte ich die Dolmetscherin Renata Horvathova vom Verein Romano Sumnal interviewt, die mir unter anderem erzählte, dass sie persönlich durch ihre Klienten erst ein einziges Mal mit der Torgauer Polizei zu tun gehabt hätte. „Ich habe bisher erlebt, dass die Menschen hier ganz friedlich und lieb sind“, erzählte mir die gebürtige Roma damals. Ein Satz, der Elke Ullrich und ihren Kollegen im PEP sauer aufstieß und sie dazu brachte, mich zu einem Gespräch in das Einkaufscenter einzuladen.

Sicherheitsdienst aufgestockt

Als ich das Büro der PEP-Chefin betrat, wurde ich dort nicht nur von ihr begrüßt. Neben der freundlichen Frau Mitte 60 saßen außerdem zwei in Anzüge gekleidete, breit gebaute Männer mittleren Alters, die mich ebenfalls freundlich, aber auch leicht zerknirscht, begrüßten. Sie stellten sich als Burkhard Pautz und Dirk Klapproth von der Firma SWD vor. Der SWD ist der Sicherheitsdienst, welcher in dem großen Einkaufszentrum für die Sicherheit sorgt.

Den Grund für das Interview hatte man mir zwar bereits im Vorfeld am Telefon erklärt, zu Beginn des Interviews wurde jedoch alles noch einmal wiederholt. Die Zustände im PEP seien so langsam nicht mehr trag- und ertragbar. Kriminalität sei an der Tagesordnung und nehme immer weiter zu.

Wo vor anderthalb Jahren noch ein Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst ausreichte, der das Center halbtags bestreifte, seien heutzutage zwei Securitys nötig, die von morgens bis abends im PEP nach dem Rechten sehen. „Es wird immer mehr“, erklärt SWD- Niederlassungsleiter Pautz mit besorgtem Blick. Und der Sicherheitsdienst stoße an seine Grenzen. 

Probleme mit EU-Bürgern

Der Grund, warum gerade ich und nicht irgendein anderer Kollege zu diesem Interview eingeladen wurde, ist das mutmaßliche Herkunftsland eines Großteils der Täter. Denn, so wird es mir zuerst von Elke Ullrich und später auch noch mal von den Sicherheitsmitarbeitern erklärt, die meisten Straftaten im PEP würden von sogenannten EU-Bürgern begangen. Also Einwanderer aus dem Osten Europas. Und genau die Menschen, die Dolmetscherin Renata im Gespräch mit mir verteidigte.

Natürlich seien nicht alle der Täter automatisch Roma, relativiert Burkhard Pautz. Und schon gar nicht alle Roma kriminell, fügt Elke Ullrich hinzu. „Wahrscheinlich ist es nur ein winzig kleiner Teil und der Rest dieser Menschen sind wirklich alle nett. Aber trotzdem reicht dieser kleine Teil aus, um uns das Leben dermaßen schwer zu machen. Wir haben langsam kein Verständnis mehr.“ Um diese Worte zu unterstreichen, beschreiben mir die beiden Mitarbeiter vom SWD verschiedene Situationen aus ihrem Arbeitsalltag. Sie erzählen mir von Frauen, die ihre sechsjährige Tochter zum Klauen anstiften. Von kleinen Jungen, die in die Pfandautomaten krabbeln müssen, um dort die leeren Getränkekästen wieder herauszuziehen. Von Dutzenden Einkaufswagen, die einfach mitgenommen und nicht wiedergebracht werden. Und von Pöbeleien gegen die Sicherheitskräfte, wenn diese versuchen, ihr Hausrecht durchzusetzen und die ungebetenen „Kunden“ vor die Tür zu setzen. „Das Problem bei der ganzen Sache ist: Wir erteilen ihnen Hausverbot, schmeißen sie raus und kurze Zeit später kommen sie einfach wieder ins Center. Mittlerweile haben die schon regelrechte Taktiken, mit denen sie uns umgehen können. Lenken uns ab oder kommen zu den Zeiten, an denen wir gerade nicht vor Ort sind. Wir tun unser Bestes, aber ab einem gewissen Punkt sind auch uns die Hände gebunden.“ 

Schutzwesten und Bodycams

Denn das Verhältnis zwischen den Sicherheitsleuten und den Tätern, von denen bereits ein Großteil bei den Männern vom SWD bekannt ist, wird immer angespannter. Während die Auseinandersetzungen vor einiger Zeit nur mit Worten ausgetragen wurden, sei es mittlerweile sogar schon zu Handgreiflichkeiten gekommen. Mit seinem Finger deutet Sicherheitschef Pautz auf seine Brust und sagt: „Es ist schon so weit gekommen, dass wir bei unserer Arbeit stichschutzsichere Westen und Bodycams tragen, um komplett auf Nummer sicher zu gehen.“

Auf die Frage, warum denn die Polizei in solchen Fällen nichts tue, erhalte ich sowohl von den SWD-Männern als auch von Elke Ullrich nur ein Schulterzucken als Antwort. Die sei in der Vergangenheit schon oft da gewesen. Aber tun könne sie in solchen Fällen kaum etwas, da es sich meistens nur um kleine Delikte handele, die bei der Staatsanwaltschaft kaum ins Gewicht fallen würden. „Eigentlich bräuchten wir hier auf dem Gelände eine eigene Polizeiwache und einen Beamten der rund um die Uhr Streife schiebt“, scherzt Dirk Klapproth mit dem Anflug eines verschmitzten Grinsens auf dem Gesicht. Mittlerweile sei es so, dass nur noch in den wirklich schwerwiegenden Fällen die Polizei angerufen werde. Alles andere regele man beim Sicherheitsdienst selbst.

Als ich im Nachhinein beim Torgauer Polizeirevierleiter Peter Labitzke nachfrage, ob das Kriminalitätsvorkommen im PEP tatsächlich so hoch sei, bestätigt er mir das vom Sicherheitsdienst erzählte. Genaue Zahlen könne er dazu zwar nicht liefern, aber „die Aussagen von Frau Ullrich kann ich durchaus nachvollziehen.“

Brücken bauen

Nach einer guten Stunde des Interviews klopft es plötzlich an die Tür von Elke Ullrichs Büro und ein großer Mann Anfang 30 betritt den Raum. Er trägt ein blaues Hemd und stellt sich als Antonio Pispa vor. Er ist der Marktleiter der Kaufland-Filiale im PEP und schildert mir in aller Kürze auch noch einmal die Probleme, die er in seinem Markt vorwiegend mit Diebstählen habe. Ein großes Problem dabei sei, dass ein großer Teil der Täter kaum oder gar kein Deutsch spreche, was eine Kommunikation enorm schwierig mache. „Ich wünsche mir schon lange einen Dolmetscher, der in solchen Fällen übersetzen und auch vermitteln kann“, erklärt Pispa hoffnungsvoll und fügt hinzu, dass man eine Brücke schlagen müsse, um die Lage im PEP nicht noch weiter zu verschärfen. In diplomatischem Ton betont er, dass es  nichts bringe, wenn jeder nur seinen Unmut für sich behalte und die Fronten somit immer weiter verhärten.

Seine Aussage wird mit einem zustimmenden Kopfnicken der anderen Gesprächsteilnehmer gewürdigt, anschließend mache ich den Vorschlag, einfach mal ein Treffen mit dem Verein Romano Sumnal zu arrangieren, erntet Wohlwollen. „Eine gute Idee“, sagt die PEP-Chefin und ergänzt, dass dies nur ein erster Schritt sein kann. Es brauche nachhaltige Lösungen aus Richtung der Politik. So würde sie sich gerne einmal mit der Oberbürgermeisterin, dem Ordnungsamt und Romano Sumnal an einen Tisch setzen und über all die Probleme sprechen, mit denen der PEP zu kämpfen hat. Wobei die Oberbürgermeisterin sich bereits der Sorgen angenommen hat, so Elke Ullrich.

Konkrete Termine für ein Treffen  gibt es  zwar im Moment noch nicht, doch sowohl bei der PEP-Verwaltung als auch bei Romano Sumnal besteht Gesprächsbereitschaft. „Wir, der Eigentümer und die Mieter  haben bei der Rekonstruktion des Centers so viel Geld reingesteckt, da müssen wir jetzt einfach etwas tun“, fasst Elke Ullrich als Schlusswort zusammen. „Wir dürfen nur den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken.“

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