Donnerstag, 22. September 2022

TORGAU

Spannende Entdeckungstour mit Torgaus Ehrenbürger Dr. Gerhard Glaser

Dr. Gerhard Glaser führt die Schülergruppe über den Torgauer Markt. (Christian Wendt)

von Christian Wendt

Das Sächsische Geschichtscamp bot Schülern tiefe Einblicke, wie die wertvolle Bausubstanz der Torgauer Altstadt einst vor dem Verfall bewahrt wurde.

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Torgau Es gibt wohl keinen Zweiten, der sich mit der reichen Baugeschichte Torgaus derart gut auskennt, wie Dr. Gerhard Glaser. Der Architekt und Denkmalpfleger war bis 2002 als sächsischer Landeskonservator tätig. Mit Teilnehmern des Sächsischen Geschichtscamps unternahm er am Donnerstag? in Sachen Altstadtsanierung einen spannenden Exkurs.

Aufgrund seiner mittlerweile 85 Jahre hatte Torgaus Ehrenbürger länger überlegt, ob er der Einladung folgen solle. Drei Stunden im Galopp durch Geschichte und übers Altstadtpflaster seien nicht von Pappe. Doch Glaser war gewillt, sein umfangreiches Wissen weiterzugeben, erst recht, weil sich die Gruppe zu Teilen auch aus Schülern aus Baden-Württemberg rekrutierte.

Dem Mann aus Dresden, der seit 1963 mit der Sanierung der Torgauer Innenstadt zu tun hatte, ging es nicht nur um das Vermitteln von Fachwissen. Ebenso sollten Vorurteile aus dem Weg geräumt werden. Eines davon sei der speziell auf Torgau zutreffende Fakt, dass im Sozialismus eben nicht nur der moderne Plattenbau hochgehalten, sondern auf breiter Front dem Erhalt der Innenstadt Bedeutung beigemessen worden sei.

Während Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg einer regelrechten Trümmersteppe geglichen habe, seien Torgau und andere kleinere Städte vergleichsweise gut davongekommen, sagte der Experte. Trotzdem sei der Zustand der Häuser und Wohnungen in der Kreisstadt an der Elbe alles andere als gut gewesen. Mit zwei Gebäuden auf dem Marktplatz (die Häuserfront mit der Mohren-Apotheke) begann schließlich Mitte der Sechzigerjahre eine große Sanierungsoffensive - wohl auch wegen der 1973 ins Haus stehenden 1000-Jahr-Feier.

Nachdem 1969 der Startschuss für die Sanierung des Rathauses gegeben wurde, folgten unter anderem Breite Straße (1978), Bäckerstraße (1979) oder beispielsweise auch die Leipziger Straße (1985). Dabei war die heutige Bäckerstraße nach Angabe Glasers sogar eine der ersten Fußgängerzonen in der ehemaligen DDR. Insgesamt wurden bis zur Wendezeit nach Angabe des Dresdners 1037 Wohnungen in der Altstadt instand gesetzt. Etwa 85 Prozent aller Wohnungen verfügten über ein Bad sowie ein Innen-WC. "All dies wurde von den politischen Führungsebenen forciert", erinnerte sich Glaser. Denn auch die SED habe erkannt, dass dem Denkmalschutz eine starke identitätsstiftende Aufgabe obliege.

Blick ins Innere des Rathauses, wo einer der wertvollsten Wandschränke Sachsens aus der Renaissancezeit zu sehen ist. (Christian Wendt)

Die 18-jährige Elisabeth aus Baden-Württemberg zeigte sich am Ende der Führung beeindruckt. "Mir ist regelrecht das Herz aufgegangen", freute sich die Schülerin, die ihre berufliche Zukunft mit Stadtplanung in Einklang bringen möchte. Auch Dr. Gerhard Glaser bereute die Fahrt nach Torgau nicht. So überrascht die Schüler beispielsweise über den Fakt waren, dass die große Rathausinnentreppe einst komplett verbaut war, hatte es Glaser wiederum eine Stippvisite im Markt 13 angetan. "Lange nicht hier gewesen ...", wanderte sein Expertenblick anerkennend durch den überdachten Innenhof. Und auch im Kellerbereich sah er auf den ersten Blick, welche enorme Sanierungsleistung in dem vor knapp einem Jahr eröffneten Komplex steckt.

Weil dem Denkmalschutz eine so wichtige Aufgabe zukomme, könne er es nicht verstehen, dass öffentliche Folgeausschreibungen stets unter dem Druck stünden, den wirtschaftlichsten Anbieter nehmen zu müssen. Die Beziehung zwischen Handwerker und Denkmal sei wie die Beziehung zwischen einem Arzt und einen Patienten. "Doch wer wechselt schon ständig seinen Hausarzt?" Jenen Blödsinn heutigen politischen Entscheidungsträgern klarzumachen, sei allerdings der berühmte Kampf gegen Windmühlenflügel, winkte Glaser ab.

Das Sächsische Geschichtscamp kommt am Freitag mit der Vorstellung der in acht Workshops zusammengetragenen Ergebnisse in der Aula des Johann-Walter-Gymnasium zum Ende.

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