Montag, 25. März 2019
Donnerstag, 10. Januar 2019

OSTELBIEN

Neues Feuerwehrauto als Zugpferd

Das neue Feuerwehrauto wird demnächst abgeholt Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Blumberg. Nachwuchs und Verstärkung gesucht in Blumberg: Die Kameraden richten einen Appell an Öffentlichkeit. Anlass ist die Übergabe eines neuen Löschfahrzeuges, das das Interesse neu wecken soll. 

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Was nützt die beste Technik, wenn das Personal fehlt. Da haben die Blumberger Kameraden jahrelang um ein modernes Fahrzeug gekämpft. Am 15. September 2017 gab´s endlich die freudige Mitteilung: es klappt. Landrat Kai Emanuel fuhr damals persönlich in den Arzberger Ortsteil, um den Fördermittelbescheid für ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 10 zu überbringen. Bürgermeistre Holger Reinboth löste daraufhin den Auftrag zur speziellen Anfertigung aus. Jetzt – gut eineinhalb Jahre später – können die Ostelbier das Modell in Empfang nehmen.

 Dennoch ist die Freude mehr als gedämpft. Grund: Es fehlt an Kräften, die im Ernstfall zur Stelle sind und sich für den Brandschutz engagieren. Die Blumberger haben ein Nachwuchsproblem. Das ist so prekär, dass die Arzberger Feuerwehr jetzt stellvertretend für die Kameraden aus dem Nachbardorf einen Hilferuf in ihren Internet-Auftritt bei Facebook setzten. Ein dramatischer Appell an die Öffentlichkeit. Speziell auch an die Jugend im Ort gerichtet. Der/die Verfasser/in findet klare Worte. „Die Ausrede, es gäbe hier keine jungen Menschen in unseren ostelbischen Dörfern, gilt wohl nicht. Sobald wir darüber nachdenken, fallen uns jede Menge junger Menschen ein“, heißt es da mit Ausrufezeichen. Und sehr eindringlich: „Eure Feuerwehren Arzberg, Nichtewitz und Blumberg sind auf Nachwuchs in der Einsatzabteilung angewiesen!“ Nachfolgend wird auf einen Tag der offenen Tür in der Feuerwehr Blumberg am 16. Februar hingewiesen. Kommt vorbei, bestaunt neueste Technik und meldet euch gern - so die Aufforderung. 

Ein wenig löste dieser Internet -Post bereits Spekulationen aus. Steht die Blumberger Feuerwehr gar vor dem Aus? Wie prekär ist die Situation wirklich? Bürgermeister Holger Reinboth versucht zu relativieren. „Aktuell besitzt die FFW Blumberg zehn aktive Kameraden. Damit ist man vollauf einsatzfähig. Sieben Personen, davon drei weibliche, gehören zur Alters- und Ehrenabteilung. Es besteht somit keine ernsthafte Gefahr“, beruhigt der Gemeindechef. Aber: Generell sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich für die Sicherheit der Gemeinde einzusetzen, gesunken. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das auch für andere Kommunen im Freistaat gilt. Reinboth: „Wir wollen mit der Übergabe des Feuerwehr-Fahrzeuges eine Initialzündigung geben, die Leute wachrütteln und neu motivieren.“ Klar, mit 20 Jahre alter Schutzkleidung und Uralt-Technik lockt man niemanden hinter dem Ofen vor. Aber mit dem nigelnagelneuen LF 10 wird man das Interesse garantiert wecken. Wenn nicht jetzt, wann dann...? 

Man spürt den Stolz des Bürgermeisters: Die Profis von MAGIRUS in Ulm haben in den vergangenen Monaten „gezaubert“ und in ihren Werkshallen ein Löschfahrzeug gefertigt, das speziell auf die Wünsche der Blumberger zugeschnitten ist. Also wer da nicht Feuerwehrmann werden will, dem ist nicht mehr anders beizukommen. Das Prachtstück kostet auch fast 300 000 Euro. Holger Reinboth liefert die genauen Zahlen: 297 393 Euro Gesamt – davon 126 000 Euro Fördermittel vom Landkreis, 171 393 Euro Eigenmittel der Gemeinde. „Wir hoffen sehr, dass diese Investition wieder großen Auftrieb gibt“, verdeutlicht der Bürgermeister. Immerhin sei die Blumberger Wehr eine der traditionsreichsten im Altkreis. Immerhin wurde schon im August 2016 ein beeindruckendes Jubiläum gefeiert, nämlich 170 Jahre Feuerwehrwesen in Blumberg. „Der Standort wird gebraucht. Die viel befahrene Bundesstraße 183 liegt in der Nähe, das Dorf ist von viel Wald und Feldern umgeben, wir können auf Blumberg gar nicht verzichten“, unterstreicht Reinboth und hat noch ein paar Zahlen vom Vorjahr: Beim Sturmtief „Friederike“ waren die hiesigen Kameraden enorm gefragt. Es gab zwei Waldbrände und sieben technische Hilfeleistungen. Dass es im Dürresommer 2018 keinen Feldbrand gab, war wohl nur besonderes Glück. Auch hier haben die Blumberger schon in der Vergangenheit gezeigt, dass es in der dünn besiedelten Region quasi ohne sie nicht geht. 

„Der Freistaat hat erkannt, wie wichtig das Ehrenamt ist und 200 Millionen Euro zusätzlich für die Gemeinden in Sachsen zur Verfügung gestellt. Mit unserem Anteil konnten wir für jeden Kameraden eine Anerkennungsprämie von 50 Euro ausreichen und noch weitere Investitionen für Technik und Ausstattung im Haushalt einordnen. Außerdem hat das Land Bereitschaft signalisiert, ein bis zwei Führerscheine für Lkw jährlich zu bezuschussen, was ebenfalls ein großer Anreiz ist“, so Reinboth. 

Es ist also alles angerichtet. Das Löschfahrzeug selbst steht in diesen Tagen kurz vor der Fertigstellung und kann am 24. Januar aus Ulm geholt werden. Vier bis fünf Kameraden haben schon eine zweitägige Einweisung absolviert. Am 16. Februar um 10 Uhr findet die offizielle Übergabe in Blumberg statt, danach der Tag der offenen Tür. Vielleicht wird es den einen oder anderen überzeugen. Vielleicht wird auch das Interesse von Eltern geweckt: für die Sprösslinge gibt es in der Gemeinde Arzberg eine gut funktionierende Jugendwehr mit 15 Mitgliedern. Bei dem LF 10 handelt es sich übrigens um die Ersatzbeschaffung für ein Einsatzfahrzeug, das 2016 auf Grund technischer Mängel außer Betrieb genommen wurde. Zwischenlösung in Blumberg war ein selbst organisierter Mannschaftstransportwagen mit Tragkraftspritzenanhänger – auf Dauer kein adäquater Ersatz.


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