Samstag, 13. August 2022
Montag, 1. August 2022

TORGAU

Newcomer-Band Poulish Kid: Von Torgau auf die internationale Bühne

Frontmann Paul Kätzler (l.) und Torgauer Schlagzeuger Florian Krüger mit Freund und Manager Joachim Müller (Mitte) in Pauls kleinem Home-Studio in Leipzig. Von hier aus produziert "Poulish Kid" ihre Musik für tausende Fans weltweit. (Laura Krugenberg)

von Laura Krugenberg

Drei junge Künstler aus der sächsischen Provinz wollen von Leipzig aus die internationale Musikszene erobern. Ihre ersten Erfolge konnten die Jungs bereits verbuchen: Zehntausende Streams pro Monat und der erste Plattenvertrag sind nur der Anfang. Laura Krugenberg hat sich mit der experimentellen Indie-Pop-Gruppe getroffen und über ihr erstes Album, ihren besonderen Look und ihre großen Pläne gesprochen.

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Torgau Einfach unfassbar, überwältigend und irgendwie surreal." So beschreiben Paul Kätzler und Florian Krüger den Moment, als sie Ende vergangenen Jahres ihren Plattenvertrag mit einem bekannten Deutschen Musiklabel unterschreiben. Die gleichen Worte würden wahrscheinlich auch die rund 60 000 Hörerinnen und Fans von Poulish Kid wählen, um den Sound der jungen Künstler zu beschreiben. Dabei hat für die beiden musikalisch alles klein angefangen: Für den gebürtigen Torgauer Florian in der Kreismusikschule Nordsachsen und für Paul in Großenhain als Mitglied der Elton-John-Cover-Band seines Vaters.

Beim Studium kennengelernt

Ich treffe die jungen Musiker in ihrer neuen Wahlheimat, in einem kleinen Café im Leipziger Westen, unweit von Pauls Wohnung. Dort verbringt der Frontmann und kreative Kopf hinter Poulish Kid einen Großteil seiner Zeit, schreibt Texte und produziert im Akkord neue Songs. Seit seiner Jugend widmet er sich verschiedenen musikalischen Projekten, lernte mehrere Instrumente und kam schließlich durch sein Studium in Mittweida mit Florian zusammen. "Wie das halt im Studium so ist, lernt man schnell neue Leute kennen. Weil wir beide Musik machen, kamen wir dann relativ schnell auf die Idee, mal was zusammen zu starten", erinnert sich Schlagzeuger Florian. Später holen sich die beiden noch den Bassisten Friedrich Luck hinzu und dann wurde "drauflosgespielt".

Was die Jungs da eher unspektakulär und lässig beschreiben, ist aber mittlerweile ein Projekt mit viel Herzblut, Kreativität und ausgefeiltem Konzept. Mit einer einzigartigen Kombination aus elektronischen Beats und Indie-Rock-Elementen schafft Paul in seiner Musik eine alternative Realität, die er und seine Mitstreiter auch visuell auf die Bühne bringen. Denn bei den jungen Musikern steht das Image der Gruppe genauso im Vordergrund wie die Songs, die sie performen.

Mit Sturmmasken auf der Bühne

Deshalb gehören auffallend gestaltete Sturmmasken zu jedem Auftritt dazu. Bunte Stickereien lassen dabei den bedrohlichen Aspekt verschwinden. Die Masken, erklärt Paul, schaffen Selbstbewusstsein, gewollte Distanz und helfen dabei, in die Künstlerfigur zu wechseln. "Man wechselt automatisch in diesen Charakter, der man auf der einen Seite schon selbst ist, aber eben auch nicht. Die Maske hilft mir zu performen und stützt mich gleichzeitig. Dieses ewige Vergleichen und die Fixierung auf das Äußere, vor allem auf Social Media, ist nicht gut für die Psyche. Besonders wenn man anfängt, immer mehr Reichweite zu bekommen."

Der Name gehört dabei aber genau so zur Marke wie die Outfits sowie die Musik und setzt sich aus den Initialen des Frontmanns zusammen. "Übersetzt aus dem englischen würde Poulish Kid Pauliges Kind bedeuten. Was so ziemlich mein Lebensmotto widerspiegelt: Nicht viel drüber nachdenken, was man macht und so naiv wie möglich neue Sachen ausprobieren." Und weil ein "ou" im Englischen, wie ein "au" im Deutschen ausgesprochen wird, kam am Ende Poulish Kid dabei raus.

Hört man die beiden über die Vision hinter der Musik und die Marke reden, schaut auf die monatlichen Hörerinnen- und Hörerzahlen auf Streaming-Plattformen wie Spotify, YouTube und SoundCloud, dann könnte man denken, die Band um Frontmann Paul gäbe es schon einige Jahre. Doch dem ist nicht so. Im April 2021 startete das Projekt und entwickelte sich rasant zu etwas mit Perspektive. Nicht zuletzt durch die Unterstützung von Florians Kindergarten-Freund Joachim Müller. Der 25-Jährige konnte als Party- und Festivalveranstalter bereits fruchtbare Kontakte in die Musikszene knüpfen und war sofort mit im Boot, als er die ersten Songs hörte. Gemeinsam mit Paul fuhr er deshalb im September nach Hamburg, um dort Lars Lewerenz, Geschäftsführer des Indie-Plattenlabels Audiolith zu treffen, der auch bekannte Künstler wie Feine Sahne Fischfilet unter Vertrag hat. Drei Monate und zahlreiche Gespräche später war das Ergebnis ein Plattenvertrag für das erste Album der Band, erzählt Joachim sichtlich stolz.

Bei dem ersten Festival-Auftritt am 24. Juni in Neiden war der Lable-Chef Lars Lewerenz persönlich vor Ort, um die Band zum ersten Mal erleben zu können. "Die Mugge der Jungs hat mich von Anfang an abgeholt und erinnert mich vom Konzept sehr stark an Twenty One Pilots. Ich signe nur Leute, deren Musik ich selbst feiern kann. Und ganz wichtig dabei ist, dass die keine Arschlöcher sind", erzählt der 45-Jährige kurz vor dem großen ersten Auftritt von Paul, Florian und Friedrich.

Probleme in Nordsachsen

Dass der Hamburger nur für sie nach Neiden kam, setzte die drei zusätzlich unter Druck, gibt Paul zu. "Wir hatten unglaublich viele Technikprobleme beim Soundcheck. Nach der Zugabe bin ich dann völlig fertig von der Bühne gegangen und habe mich einfach nur geschämt für diesen schlechten Auftritt. Ich hatte nur die Probleme im Kopf und dass einfach nichts nach Plan gelaufen ist. Ich war jedoch kaum von der Bühne gegangen, da stürmten die ersten den Backstagebereich, um mir zu sagen, was für ein unglaublich guter Auftritt das war. Langsam fing ich an zu begreifen, wie gut die ganze Show tatsächlich beim Publikum angekommen ist." Und auch der Lable- Chef war mehr als zufrieden mit dem, was die Jungs ablieferten. "Verbessern kann man natürlich immer noch was, aber die haben eine echt gute Show gemacht und das Publikum mitgerissen. Das ist das Wichtigste."

Man merkt es allen doch irgendwie ein bisschen an, dass für sie die steile Erfolgskurve von Poulish Kid noch etwas abstrakt und überwältigend wirkt. Eben genau so wie der Anfang von etwas, von dem viele nur träumen können. Und in diesen kleinen Momenten merkt man den Unterschied zwischen den maskierten Künstlern und den Jungs aus der sächsischen Provinz - cool, selbstbewusst und extrovertiert auf der Bühne versus aufgeschlossen, witzig und vielleicht auch ein wenig eingeschüchtert von all den Ereignissen der letzten Monate.

Pläne für die nächste Zeit

Die Antwort auf die Frage, was in den nächsten Monaten geplant ist, kommt ohne langes Überlegen und zeigt, dass vor mir nicht nur die sympathischen Jungs aus der Kleinstadt sitzen, sondern echte Musiker, die genau wissen, wo die Reise hingehen soll: die nächste Single im August, das bereits fertige erste Album Anfang nächsten Jahres, danach eine Tour durch Deutschland und 2024 am besten auch durch die USA. Denn dort sowie in ganz Europa gibt es schon Zehntausende, die regelmäßig das hören, was Paul, Florian und Friedrich von Leipzig aus in die Welt schicken.

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