Sonntag, 18. April 2021
Freitag, 5. März 2021

NORDSACHSEN

Nordsachsens Schulen und Kitas bleiben offen

Wappen Nordsachsens.Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Nordsachsen. Diese Nachricht hat vielen Familien in Nordsachsen das Wochenende gerettet: Schulen und Kitas müssen am Montag nicht geschlossen werden. Das teilten am Freitagmittag die sächsischen Ministerien für Soziales und für Kultus in einer gemeinsamen Erklärung mit. 

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In der Mitteilung heißt es weiter: „Vor dem Hintergrund, dass am Montag (8. März) eine neue Corona-Schutz- Verordnung greift und es außerdem kaum Infektionen an Schulen gibt, wird diese Regelung für Nordsachsen möglich. In dieser Woche (bis 4. März) wurden 15 Infektionen an Schulen in Nordsachen festgestellt, darunter 12 bei Schülern und 3 bei Lehrern.“

Noch am Freitagvormittag hatte die Kreisverwaltung Nordsachsen mitteilen müssen, dass der Landkreis seit 1. März 2021 an fünf Tagen in Folge den Inzidenzwert von mehr als 100 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen überschritten hatte. Laut der noch bis Sonntag geltenden Corona-Schutzverordnung wäre damit die Präsenzbeschulung und Kindertagesbetreuung ab dem 8. März unzulässig gewesen.

Weil sich diese Situation bereits seit Mitte der Woche abgezeichnet hat, kurbelten hinter den Kulissen Landrat Kai Emanuel, die Bürgermeister und die nordsächsische CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Christiane Schenderlein und ihr SPD-Kollege Volkmar Winkler intensiv an einem Ausweg für die Kinder im Landkreis. Ihr Ziel war es, gegenüber der Staatsregierung für mehr Entscheidungsspielraum für ein differenzierteres Vorgehen jenseits von starren Inzidenzgrenzen zu werben.

Nach mehreren kleinen Runden bei denen sich Ministerien, Ministerpräsident, Landrat, Abgeordnete und Bürgermeister in verschiedenen Zusammensetzungen begegneten, mündete die Diskussion am Donnerstagabend schließlich in eine große Videoschalte aller Beteiligten. Die Kommunikation zwischen den Ebenen hat in diesem Fall sehr gut funktioniert, so Christiane Schenderlein.

„Unser Grundsatz bei den Gesprächen lautete: Erst die Kinder, dann alles andere“, berichtet die CDU-Landtagsabgeordnete weiter. Plastisch formuliert es der Landrat: „Baumärkte und Gartencenter öffnen, Schulen und Kitas schließen – das passt jedenfalls nicht zusammen“, so Kai Emanuel.“

Am Ende waren Bürgermeister, Landrat und Abgeordnete wohl ausreichend überzeugend. „Da sich an unseren Schulen und Kitas keine Hotspots entwickelt haben, wir aber ziemlich genau wissen, woher die erhöhten Zahlen kommen, bin ich davon ausgegangen, dass die zuständigen Ministerien von der Schließung absehen werden“, freut sich Kai Emanuel über die Entscheidung aus Dresden. Doch der Landrat mahnt auch: „Es muss uns natürlich gelingen, in den nächsten Tagen wieder unter die Hundert zu kommen.“

Denn die Entscheidung aus Dresden ist kein Freifahrtschein. „Es handelt sich um einen Aufschub, weil wir nachvollziehbar darstellen konnten, dass sich die Zahlen in Nordsachsen nach unten entwickeln werden. Zudem überzeugte die Teststrategie des Landkreises, die lokale Ausbrüche sofort eingedämmt hat“, so Christiane Schenderlein. Heißt aber auch: Wenn Nordsachsen in der neuen Woche weiterhin über der 100er Inzidenz bleibt, wird es schwierig, die Schulen in der Woche ab dem 15. März offen zu halten, beziehungsweise weitere Schulen zu öffnen.

Diese Brisanz unterstreicht auch Heiko Wittig, der Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses im Kreistag Nordsachsen. „Nun hoffen wir einerseits auf das Sinken der Inzidenzzahlen, so dass die Diskussion zu erneuten Schließungen nicht nochmal geführt werden muss. Andererseits fordern wir die verantwortlichen Politiker in Bund und Land dringend auf, sich bei ihren Entscheidungen nicht allein an Infektionswerten zu orientieren.“

Seiner Meinung nach seinen viel mehr Impfquoten, Testmöglichkeiten und ganz besonders Krankenhauskapazitäten zur Versorgung von Infizierten von entscheidender Bedeutung.„Bei tschechischen Verhältnissen müsste natürlich sofort reagiert werden, nicht aber bei erhöhten Inzidenzen nur aufgrund vereinzelter genau lokalisierbarer Hotspots. Diese Forderung gilt übrigens nicht nur für den Bildungsbereich, sondern für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens“, so Wittig.

Die aktuelle Corona-Schutz-Verordnung Sachsens sieht eine Schließung der Einrichtungen vor, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb eines Landkreises oder Kreisfreien Stadt an fünf Tagen andauernd überschritten wird. Frühestens am 8. März greift diese Regelung. Allerdings tritt dann auch eine neue Corona- Schutz-Verordnung mit neuen Regelungen in Kraft, die Auswirkungen auf die bisherigen Vorgaben haben.

So soll es Ausnahmen von der automatischen Kita- und Schulschließungsregelung geben, wenn es einen konkreten Hotspot in dem Landkreis/der kreisfreien Stadt gibt, der mit dem Infektionsgeschehen an Schule und Kitas nicht zusammenhängt oder sich abzeichnet, dass die Infektionszahl sinkt. Der Landrat hat den Ministerien in Dresden zugesichert, dass der Landkreis noch einmal verstärkte Anstrengungen unternimmt, um eine weitere Ausbreitung des Virus gerade auch in Schulen und Kitas zu verhindern. Damit soll der Inzidenzwert gesenkt werden.

Das ist natürlich auch im Interesse der Schülerinnen und Schüler. „Wir begrüßen, dass die Schulen weiterhin offen bleiben können, da die Schule für viele nicht nur der Ort zum Lernen ist, viele nutzen auch die Zeit sich mit Freunden zu unterhalten. Die sozialen Kontakte wurden durch die Pandemie stark reduziert und so bleibt den Jugendlichen kaum eine andere Möglichkeit um Freunde zu sehen“, sagt Kilian Crämer, Vorsitzender des KreisSchülerRats Nordsachsen. „Nun ist auch die Zeit um den versäumten Lernstoff Schritt für Schritt nach zu holen um den Schülern einen sicheren Weg in Richtung Abschluss zu ebenen“. Crämer appelliert zudem an die Lehrerschaft, häufiger die Möglichkeiten des Onlineunterrichts zu nutzen,   „damit den Schülerinnen und Schülern, welche noch nicht an dem Präsenzunterricht teilnehmen, der Schulstoff weitestgehend praktikabel vermittelt werden kann.“ Zudem solle die Lehrerschaft regelmäßig digitale Konferenzen mit den Schülern durchführen.

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