Samstag, 4. Juli 2020
Dienstag, 30. Juni 2020

TORGAU

Peter Bauer und sein wirklich teures Tagebuch

Peter Bauer ist nicht nur Sänger bei den BlumentoPferden und Soko Linx, sondern auch das kreative Mastermind hinter zvo55Foto: Euer Tag und Ich

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Mit der TZ sprach der aus Torgau stammende Sänger über sein Solo-Projekt zvo55, die wichtige Rolle von Emotionen in seiner Musik und die Einflüsse der Elbestadt.

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Eigentlich ist Peter Bauer gebürtiger Wittenberger. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er jedoch in Torgau. Hier lernte er laufen, schreiben und Gitarre spielen. Hier machte er sein Abitur und gründete mit ein paar Kumpels seine erste Punkband. Mittlerweile ist er 36 Jahre alt und hat eine Tochter.
Sein Wohnsitz hat sich geändert, die Leidenschaft zur Musik ist geblieben. Gleich drei musikalische Projekte hat er gleichzeitig laufen, das eine mehr, das andere weniger aktiv. Seine erste Band, die BlumentoPferde, machen gerade eine Auszeit, seine neueste Kapelle mit dem Namen Soko Linx befindet sich gerade im Aufbau. Daher hat „Lorre“ nun Zeit, sich seinem heimlichen Lieblingsobjekt, seinem Solo-Projekt zvo55, zu widmen. Mit diesem hat er vergangene Woche unter dem extra dafür gegründeten Label Krakenduft ein neues Album namens III (Linien) herausgebracht. Für die TZ reiste er seit langem mal wieder in seine Heimatstadt Torgau und sprach mit ihr über über seine Verbindung zur Stadt, dem Sinn eines enorm teuren Tagebuchs und darüber, wie wichtig es ist, manchmal auch seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

TZ: Den meisten Punkrock-Fans in Torgau solltest Du vor allem durch Deine Aktivitäten als Sänger und Gitarrist der BlumentoPferde ein Begriff sein. Erklär uns daher doch erstmal, was zvo55 eigentlich ist.
P. Bauer:
Das lässt sich eigentlich ganz einfach sagen: Es ist mein Solo-Projekt, in dem ich mich von vorn bis hinten komplett selbst verwirklichen kann. Musikalisch ist es, ähnlich wie bei den BlumentoPferden auch, deutschprachige Pop-Punk-Musik, nur dass ich da nicht lustig sein muss. Während bei den BlumentoPferden immer der Spaßfaktor und das Entertainment im Vordergrund stand, hab ich mich bei zvo55 daran probiert, Gefühle zu beschreiben. Ich würde es ein Stück weit auch als Selbsttherapie bezeichnen, bei der man Sachen, die einen beschäftigen, auch aufs Papier bringt.

Textlich bewegst Du Dich damit also auf völlig neuen Pfaden, aber musikalisch ist es doch sehr nah an den früheren BlumentoPferde-Songs. Hat das einen bestimmten Grund?
Das stimmt, die Sachen sind recht ähnlich, aber das bin nunmal ich. Ich hatte bei der Entstehung des neuen Albums kurz überlegt, was ich machen möchte und ein wenig mit meiner Stimme experimentiert, nur um dann festzustellen, dass ich da doch recht limitiert bin. Ich hätte gerne ein bisschen mehr rumgebrüllt oder generell einen härteren Ton angestimmt, aber das kann ich einfach nicht. Also hab ich einfach weiter das gemacht, was aus mir rauskam, ohne mich unter großen Druck zu setzen.

Musik als Selbsttherapie zu nutzen und darin Emotionen zu verarbeiten, das machen sehr viele Leute. Dass das dann aber am Ende im Studio aufgenommen, professionell gemixt und auf CD, Vinyl und als Stream veröffentlicht wird, ist da  eher seltener. Eine Menge Aufwand für ein Solo-Projekt, was in erster Linie einem selbst etwas bedeutet.
Ja, das stimmt und die Frage stelle ich mir auch selbst sehr oft, ob sich dieser ganze Schmarrn am Ende eigentlich lohnt. Aber ich denke schon, dass es das tut. Es ist im Grunde eine Art teures Tagebuch. Ein immens teures, aber auch immens schönes Tagebuch, auf dass ich auch in Zukunft immer wieder zurückblicken und mich erinnern kann. Aber natürlich spielt auch ein bisschen meine Selbstverliebtheit eine Rolle.

Heutzutage wird immer wieder gesagt, dass es gerade jetzt an der Zeit sei, um politisch Stellung zu beziehen und auch beziehen zu müssen. Nun kommst Du mit einem Punk-Album um die Ecke, dass mit Emotionen statt mit Steinen wirft. Warum?
Ich wollte mich, wie schon gesagt, einfach mal in diesem Bereich austoben. Außerdem sind die Songs vom neuen Album dadurch, dass ich jetzt wirklich sieben Jahre dafür gebraucht habe, nicht mehr alle brandaktuell und repräsentieren auch nicht mehr unbedingt das, was ich heutzutage schreiben würde. Nichtsdestotrotz bin ich mit III komplett zufrieden und habe ja mit Soko Linx nun auch eine Band, mit der wir uns richtig austoben und auch ordentlich Stellung beziehen können.

Wenn wir jetzt schon bei der politischen Ebene sind: Deine BlumentoPferde-Kollegen Falk und Clemens haben ja mit ihrer neuen Band „100 Kilo Herz“ sehr deutlich mit ihrer Herkunft aus der sächsischen Provinz abgerechnet. Wie ist Dein Verhältnis zu Deiner Heimatstadt Torgau?
Auch wenn ich nicht mehr allzu oft hier in Torgau bin, ist mein Verhältnis zur Stadt doch kein schlechtes. Ich finde, es hat immer einen recht faden Beigeschmack, wenn man so mit seiner Heimat abrechnet. Das ist schließlich ein Bereich, der einen unfassbar geprägt hat und der dir irgendetwas gegeben hat. Klar gibt es hier unfassbar viele Neonazis und ich habe auch viele schlechte Erfahrungen gemacht, aber auf der anderen Seite auch wahnsinnig viel Gutes erfahren, was ich mit Torgau und der Region verbinde. Aber ich möchte keine Stadt verunglimpfen, schließlich gibt es hier auch jede Menge Menschen, wie zum Beispiel die Linksjugend, die sich gegen Rechts engagieren.

Hatte denn Deine Zeit in Torgau nun auch Einflüsse auf deine neueste Platte?
Natürlich. Bei einer  solch emotionalen Platte spielen die Einflüsse aus der Heimat auch immer eine Rolle. Ich bin hier groß geworden, zur Schule gegangen, habe meine ersten Arbeitserfahrungen gemacht und deshalb sind natürlich auch Erinnerungen und Gefühle von damals in die Platte eingeflossen. Manche bewusst, manche weniger bewusst. Außerdem ist in einem meiner Artworks der Platte, welches sich auf den Song „Sturm“ bezieht, ein Teil der Nikolaikirche am Innenhof des Torgauer Rathauses versteckt.

Du bezeichnest zvo55 stets als Dein Solo-Projekt, aber nichtsdestotrotz ist und bleibt es ja eine Band, die aus mehr Personen als nur Dir besteht. Wer ist denn aktuell noch mit von der Partie?
Die Besetzung von Soko Linx ist auch die aktuelle Besetzung von zvo55. Also ich als Sänger und Gitarrist, Stephan Schreiter am Bass und Johann Petter an den Drums. Trotzdem trifft das Wort „Solo-Projekt“ perfekt auf zvo55 zu. Denn ich habe sowohl alle Lieder selbst geschrieben als auch alle Demos komplett selbst eingespielt.

Als letzten Punkt hätte ich gern noch eine persönliche Frage beantwortet gewusst: Wie steht es denn um ein BlumentoPferde-Comeback?
Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ich kann es mir im Moment nicht vorstellen. Clemens und Falk haben gerade so viel mit 100 Kilo Herz zu tun, Stephan und ich mit Soko Linx, da bleibt einfach keine Zeit mehr dafür. Ich kann mir vorstellen, dass wir mal wieder zusammenkommen und so ein Spaßprojekt machen wie letztes Jahr zum Jubiläum der Starts. Aber dass wir uns bewusst dafür entscheiden, um eine neue Platte oder gar eine neue Tour zu machen, das glaube ich nicht. Ich will es nicht komplett ausschließen, aber ich kann es mir zumindest jetzt nicht vorstellen.


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