Donnerstag, 2. Dezember 2021
Freitag, 17. September 2021

FREIZEIT UND VEREINE

Das "Campement von Radewitz"

Zur 777-Jahr-Feier von Zeithain 2010 besuchte „August der Starke mit seinem Gefolge“ die Gemeinde.Foto: Peter Noack

Von unserem Redakteur Peter Noack

Truppenschau von 1730 ging als Lustlager von Zeithain in die Geschichte ein

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Zeithain. Auf dem Feld zwischen Glaubitz und Streumen stehen zwei Obelisken. Sie sind 14 Meter hoch und haben einen drei Meter hohen Unterbau, auf dem eine Spitzsäule steht. Auch in Zeithain an der Abendrothstraße am Waldrand kann man einen solchen Obelisken finden. Ursprünglich waren es sechs Obelisken, die als Pyramiden bezeichnet wurden. Sie begrenzten das Gelände der größten Truppenschau in Europa im 18. Jahrhundert.


1730 hielt der sächsische Kurfürst Friedrich August I. und König von Polen, genannt August der Starke, erstmals im großen Stil auf den Fluren nordöstlich von Zeithain und westlich von Radewitz das „Campement von Radewitz“ ab. Als „Lustlager von Zeithain“ ist diese aufwendige Truppenschau überliefert worden. Vom 31. Mai bis zum 28. Juni 1730 sollte hauptsächlich königlicher Prunk gezeigt werden. Die Einsatzbereiche der sächsischen Armee sollten gezeigt, die Führungsqualitäten von Generälen und Offizieren sowie der Ausbildungsstand der Mannschaften wollte August der Starke den aus ganz Europa erschienenen Gästen präsentieren. Besonders sollte der König von Preußen, Friedrich Wilhelm I., beeindruckt und als Verbündeter gewonnen werden. Generalfeldmarschall Christoph August Graf von Wackerbarth bereitete diese große Veranstaltung vor. Für die Organisation der kulturellen und kulinarischen Darbietungen war Heinrich Graf von Brühl verantwortlich. Die notwendigen Bauwerke entstanden unter der Leitung von Baumeister Matthias Daniel Pohlmann.


Ein großes Militärlager auf einer Fläche von etwa 1000 Hektar Größe wurde errichtet, das sechs Sandsteinobelisken begrenzten. Uniformen und Waffen aus Solingen, Suhl und Dresden lagerten in riesigen Lagerhäusern in den Dörfern Zeithain, Nünchritz und Moritz. Schlacht- und Bankhäuser sicherten die Versorgung. Ein besonderes Hoflager entstand. Es wurden Pavillons und fast 300 Zelte errichtet. Die Gäste und Offiziere waren in umliegenden Ortschaften untergebracht. Vier Holzbrücken über die Elbe ermöglichten die Überquerung des Flusses und wurden in die Manöver einbezogen. Ein hölzernes Opernhaus in Streumen, ein Feldpostamt in Glaubitz sowie ein Feldlazarett in Kreinitz ergänzten die Einrichtung. Die gesamte sächsische Armee mit etwa 30 000 Mann aus 30 Bataillonen Infanterie und 50 Schwadronen zeigte nach der Eröffnung ihr militärisches Können.


Über 140 Jahre vergingen danach, in denen vereinzelte militärische Aktivitäten in Form von Manövern in dieser Region stattfanden. 1873 wurde für die Dresdner Garnison der sächsischen Armee erstmals ein drei Quadratkilometer großer ständiger Artillerieschießplatz eingerichtet. Bis 1899 erweiterte man ihn auf eine Fläche von knapp 100 Quadratkilometer. Im Jahr 1903 fand während des Kaisermanövers eine Kaiserparade in Zeithain statt. Von 1920 bis 1937 war der Truppenübungsplatz weitgehend entmilitarisiert. Nur die Füll- und Munitionsanstalt, die spätere Heeresmunitionsanstalt Zeithain, verblieb bis 1937 nordwestlich von Zeithain bei Gohlis.


Am 1. April 1937 erfolgte die Einrichtung des Truppenübungsplatzes nördlich von Zeithain. Für die Arbeiten auf dem Gelände wurden, nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941, sowjetische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Sie waren auf dem Truppenübungsplatz sowie ab 1941 auch in dem nahen Stalag IV H untergebracht.
Am 23. April 1945 besetzten sowjetische Truppen des Kavalleriekorps der 5. Gardearmee der 1. Ukrainischen Front den Truppenübungsplatz Zeithain. Von 1953 bis 1956 wurde der Truppenübungsplatz ausschließlich durch die Sowjetarmee genutzt, von 1956 bis 1990 auch von der NVA und zwischen 1992 und 1997 vom Bundesheer.
Von den drei Zeithainer Obelisken die 3800 Meter entfernt standen, ist nur einer erhalten geblieben. Einer wurde bei der Erweiterung der Munitionsanstalt entfernt. Der zweite Obelisk an der Abendrothstraße wurde 2010 von der Gemeinde Zeithain instand gesetzt. Der dritte stand in der Gohrischheide und wurde bereits vor der Jahrhundertwende bei Artillerieschießübungen beschädigt. Heute wäre der ehemalige Standort des dritten Obelisken nur durch Vermessung festzustellen.
Quellen: Informationstafeln in der Gohrischheide (Elbe-Röder-Dreieck)

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