Dienstag, 19. Oktober 2021
Mittwoch, 29. September 2021

GESPRÄCH AM SONNTAG

Susan Gast: "Behandeln ohne Nebenwirkung"

Kann die Gehirnwellen ihrer Patienten optimieren – Ergotherapeutin Susan Gast.Foto: JR

Von Jochen Reitstätter

Ergotherapeutin Susan Gast hilft Patienten mittels Hirnstrommessungen

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Oschatz. Die vielen Elektroden, die sich über Kabel verbunden wie ein Netz um den Kopf des Patienten legen, sehen ein bisschen aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Als eine der ersten Praxen in der Region praktiziert Susan Gast die in der Region noch wenig verbreitete Methode des Neurofeedback.

 

SWB: Frau Gast, was machen Sie als Ergotherapeutin eigentlich genau?
Susan Gast:
Die Ergotherapie ist eine medizinische Behandlungsform, die Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, körperlich oder psychisch, unterstützt und sie wieder zu einem möglichst selbstständigen Alltagsleben zu befähigen versucht.


Wie sieht so eine Behandlung aus?
Zu Beginn steht eine umfassende Diagnostik. Wichtig ist mir dabei, immer den Menschen als Ganzes zu sehen, denn Krankheiten oder Einschränkungen sind oft nicht losgelöst vom Körper oder der Psyche. Ich versuche durch Gespräche und Tests herauszufinden, welche Symptome der jeweiligen Störung oder Erkrankung für den Patienten bzw. die Angehörigen derzeit als am belastendsten empfunden werden. Beim Neurofeedback füllen Patienten zudem einen sehr umfangreichen Fragebogen aus und ein Computerprogramm errechnet, in welcher Hirnregion wahrscheinlich größere Abweichungen der normalen Aktivität vorliegt. Anschließend erfolgt eine Messung der Aktivität in diesen Bereichen – also ein EEG wird angefertigt. Bestätigt sich das Ungleichgewicht der Hirnaktivität in diesen Bereichen, haben wir die Region gefunden, in der bei den kommenden Therapiestunden trainiert wird.


Sie sind im Umkreis die einzige ergotherapeutische Einrichtung, die sich auf psychische Krankheitsbilder und die Behandlung mittels Neurofeedback spezialisiert hat ...
Das stimmt. Ich komme aus dem psychiatrisch-neurologischen Bereich der Medizin. Neurofeedback ist eine sehr effiziente Methode, Menschen mit mentalen Störungen zu helfen. Das sind zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen wie bei Kindern das weit verbreitete ADHS-Syndrom, aber auch Epilepsien, Autismus, Suchterkrankungen, Depressionen oder Ängste. Ebenso die Volkskrankheiten Migräne oder Schlafstörungen können damit hervorragend behandelt werden.
Neurofeedback ist wissenschaftlich belegt und kann über ein herkömmliches Rezept für eine Ergotherapie verschrieben werden. Der große Vorteil ist, dass nebenwirkungsfrei behandelt wird und somit Medikamente im Idealfall überflüssig werden können.


Wie muss man sich die Behandlung mit Neurofeedback vorstellen?
Der Patient bekommt eine Haube mit Elektroden aufgesetzt, diese messen, völlig schmerzfrei, die aktuelle Hirnaktivität. Jedes Hirn-areal erfüllt verschiedene Aufgaben. Liegt eine Abweichung der Frequenzen in einem Bereich vor, können die dort lokalisierten Funktionen nicht störungsfrei ausgeführt werden. Nun schaut der Patient, zum Beispiel mit einer Angststörung, auf einem Monitor beziehungsweise einen Film. Auf einem zweiten Bildschirm kann ich die durch ein Computerprogramm sichtbar gemachten Hirnwellen ablesen. Diese sind dynamisch, ändern sich also fortlaufend. Sind nun die gewünschten Wellen in dem betreffenden Gehirnareal für weniger Angst vorherrschend, bekommt der Patient respektive das Gehirn sofort eine Belohnung in Form eines klaren Bildes. Sind die Wellen für mehr Angst und Flucht vorherrschend, wird das Bild auf dem Patientenbildschirm dunkel und schlechter sichtbar. Damit konditionieren wir direkt die Gehirnaktivität und bringen ihm bei, die Gehirnwellen, welche die Angst noch steigern, zu verringern, und die guten Wellen der Ruhe und Gelassenheit zu verstärken. Das Gehirn lernt sehr schnell das erwünschte Aktivitätsniveau zu halten und damit verringern sich schon nach wenigen Therapieeinheiten die Symptome des Patienten nachhaltig.


Was muss der Patient noch tun?
Den Prozess der Selbstregulation des Gehirns kann der Patient nicht willentlich beeinflussen. Es passiert durch die Unterstützung des Computers von selbst. Ich verfolge aber stets einen ganzheitlichen Ansatz, das heißt, für mich ist es nicht ausreichend, an der Hirnaktivität zu arbeiten. Zusätzlich finden Gespräche statt, ich halte die Patienten zur Achtsamkeit an, in sich hineinzufühlen, wo sich Verbesserungen zuerst bemerkbar machen.

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