Freitag, 30. Oktober 2020
Mittwoch, 25. September 2019

TORGAU

Sachsen ist im "Steinefieber"

Lustige Gesichter, bunte Tiere oder andere hübsche Bildchen. Bei den Sachsensteinen ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Hunderte Menschen im Freistaat sind begeister von den so genannten Sachsensteinen. Auch vor der TZ-Redaktion wurde bereits ein bunt bemaltes Exemplar gefunden.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Montag, 8 Uhr in Torgau. Als eine der Ersten erscheint Redaktionssekretärin im Haus der Presse. Gerade, als sie die Tür zur Redaktion aufschließen möchte, bemerkt sie ein kleines blaues Etwas auf dem Boden, direkt neben der Eingangstür an die Wand gelehnt. Bei näherem Hinsehen erkennt sie, was da neben der Tür steht: Es ist ein blau angemalter und golden verzierter Stein. Eine kurze Internet-Recherche später war das Rätsel gelöst. Bei dem künstlerisch gestalteten Kleinod handelt es sich um einen so- genannten Sachsenstein. Diese werden im gesamten Freistaat bemalt und verteilt.

Ein echter Selbstläufer

Seinen Anfang nahm das Internetphänomen, zumindest in Sachsen, vor nicht einmal vier Monaten. Im Juli entdeckte die Machernerin Anny Unger in ihrem Ostseeurlaub die Facebook-Seite „Ostseesteine“. Das Prinzip dahinter ist so simpel wie faszinierend. Menschen, die auf die Aktion aufmerksam werden, können sich einen normalen Stein nehmen, ihn bemalen und irgendwo in ihrer Region an einem öffentlichen Platz ablegen. Die Person, die den Stein findet, kann ihn entweder behalten oder an einem anderen Ort wieder ablegen. Und wer möchte, postet noch ein Bild seines gefundenen Steines bei Facebook. Unger war von dieser Idee so begeistert, dass sie direkt beschloss, sie mit in ihre Heimat zu nehmen. Aus den Ostseesteinen wurden die Sachsensteine und schon war der Grundstein für eine Internetbewegung gelegt, die mittlerweile Hunderte Menschen im gesamten Freistaat begeistert.

„Eigentlich war das ein Selbstläufer“, erzählt Anny Unger von den ersten Schritten der Sachsensteine. „Ich hatte am Anfang Freunden und Familie davon erzählt, die fast alle sofort begeistert waren und mitgemacht haben. Die haben es dann wiederum weitererzählt und weitere Freunde in die Gruppe eingeladen. Naja und umso mehr Steine dann ausgesetzt wurden, umso mehr ,Fremde’ haben dann den Weg in die Gruppe gefunden, die dann auch wieder Freunde eingeladen haben.“ Innerhalb kürzester Zeit waren über 200 Menschen Teil der Facebookgruppe, mittlerweile sind es über 800. „Ich hätte selbst nicht damit gerechnet, aber die Idee scheint nicht nur mich begeistert zu haben.“

Dieser schön gestaltete Stein wurde vor dem Haus der Presse platziert.

Farbe in den Alltag bringen

Und auch in Torgau werden bereits fleißig Steine bemalt. Das Exemplar, welches vor dem Haus der Presse lag, stammt von Matthias Jancke. Er selbst ist noch nicht allzu lange in der „Szene“ aktiv, ist jedoch bereits jetzt Feuer und Flamme für das Projekt. „Ich habe den Tipp zur Seite auf Facebook bekommen und fand die Idee einfach total schön. Erstens anderen eine kleine Freude zu machen und selber mit kreativen Ideen etwas Farbe in den Alltag zu bringen“, beschreibt er die Faszination. „Ich selbst bin kein begnadeter Maler und im Vergleich zu anderen Werken sind meine Steine Kreisklasse, aber darum geht es ja nicht. Es gibt schon viele Menschen, die dort mitmachen und Spaß am Auslegen, Finden und natürlich Suchen haben.“

Mitmachen bei den Sachsensteinen kann im Grunde jeder. Einfach einen Stein bemalen und irgendwo platzieren. Auch wenn das Prinzip ganz einfach ist, gibt Anny Unger auf der Facebookseite „Sachsensteine – mach mit, egal woher Du kommst“ eine kurze Anleitung, wie man im besten Fall vorgehen sollte. „Wir bemalen mit Acrylfarbe, Lacken (auch Nagellack,Wachsmalstiften, Wasserfarben) Steine, fixieren die Farbe mit Klarlack damit er witterungsbeständig ist und setzen diese an einem beliebigen Ort in einer beliebigen Stadt aus. Andere finden den schönen Stein, freuen sich, nehmen ihn ein Stück mit und setzen ihn an einer anderen beliebigen Stelle wieder aus. Vorher wäre es schön, wenn Ihr den Stein hier postet, damit der Künstler auch seine Freude daran hat“, schreibt sie.

Auch ein paar Regeln gibt es dabei zu beachten. So sollen die Steine weder an Hauswände oder dergleichen geklebt und unbedingt mit umweltfreundlicher Farbe bemalt werden. Das Platzieren der Steine auf privaten Grundstücken ist genauso tabu wie auf Fahrzeugen, Schienen oder sonstigen gefährlichen Stellen. „Jeder, der einen Stein findet, kann ihn danach behalten oder an einer erneuten beliebigen Stelle aussetzen, sodass der Stein die Welt und vor allem Sachsen kennen lernt.“

Nicht nur in Sachsen liegen Steine

Schon über 500 Bilder von bemalten Steinen wurden in den vergangenen Monaten in die Facebookgruppe der Sachsensteine gepostet und jeden Tag kommen neue hinzu. Da die Gruppe öffentlich ist, kann sich dort jeder Inspirationen holen, egal ob Facebook-Nutzer oder nicht. Um diese Community auch in Zukunft weiter wachsen zu lassen, empfiehlt Anny Unger auf der Seite, die Rückseite der Steine mit einem Hinweis auf die Facebook-Gruppe zu versehen. „So kann dann der Finder ihn in die Gruppe posten und der Künstler freut sich darüber.“

Neben den Sachsensteinen und den an der Ostsee verbreiteten „Küstensteinen“ gibt es auch noch in vielen anderen Teilen Deutschlands ähnliche Aktionen. So gibt es in Halle zum Beispiel die „Haller Steine“, im Harz kann man die „Harzer Steine“ finden und entlang der Elbe liegen zahlreiche sogenannte „ElbStones“. Das Vorgehen ist dabei überall das Gleiche, genauso wie der Hintergrund. Die Menschen leben ihre Kreativität aus und erfreuen sich an den vielen bunte Kunstwerken, die sie immer wieder entdecken können.

Vom „Steinefieber“ gepackt

Und auch bei Anny Unger ist ein Ende des „Steinefiebers“, wie sie es selbst nennt, noch lange nicht in Sicht. Nicht nur sie, auch ihre beiden Kinder sind Feuer und Flamme für das Projekt und haben schon über 80 Steine verteilt. „Die Große ist 14 und lässt dafür sogar mal das Handy liegen“, schwärmt sie. „Der kleine ist 4 und legt fast jeden Tag einen am Kindergarten früh aus und freut sich, das er gefunden wurde, wenn ich ihn nachmittags wieder abhole. Ich selbst habe mitllerweile immer ein oder zwei Steine in der Tasche und im Auto.“

Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern suchen:

Sachsensteine


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Verlademöglichkeiten im Hafen Torgau
03.11.2020, 15:00 Uhr - 18:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
04.11.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Treffpunkt für Unternehmen: Online-Bewertungen
04.11.2020, 09:00 Uhr - 10:30 Uhr
Informationsveranstaltung: Export für Einsteiger
09.11.2020, 09:00 Uhr - 17:00 Uhr
Ausbilder-Stammtisch der IHK zu Leipzig
23.11.2020, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr
Die neuen GoBD in der Praxis
23.11.2020, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Steuerliche Informationen für Existenzgründer
24.11.2020, 15:00 Uhr - 18:00 Uhr
So unterstützt der Staat bei der Fachkräftesicherung
25.11.2020, 16:30 Uhr - 18:00 Uhr
Workshop LinkedIn Marketing
30.11.2020, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
ÖPNV-Sprechtag: Mobilitätsberatung für Unternehmen
01.12.2020, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
02.12.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
10.12.2020, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

TZ-Probelesen

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga