Montag, 21. Juni 2021
Donnerstag, 10. Juni 2021

TORGAU

Stefanie Molnar und Nicole Primus: "In die Arbeitswelt eintauchen"

Stefanie Molnar (l.) und Nicole Primus vom Verein Arbeit und Bildung Torgau e.V.: „Wir sind froh, wenn wir wieder im Präsenzunterricht arbeiten könnten.“ Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Stefanie Molnar und Nicole Primus über Umbruch, Taschengeld und gute Instrumente

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Torgau. Der Verein Arbeit und Bildung Torgau e.V. feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Gründungsjubiläum. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch sprechen Stefanie Molnar, Pädagogische Begleitung Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Nicole Primus, Pädagogische Begleitung freiwilliges soziales Jahr (FSJ) über die Vorteile und Möglichkeiten von Freiwilligendiensten.

 

Wie fing im Jahr 1991 alles an und welche Ziele verfolgte der Verein Arbeit und Bildung Torgau e.V. (ABT)?
Stefanie Molnar
:  Der Verein wurde auf Initiative der Flachglas Torgau GmbH gegründet, um ehemaligen Flachglaswerkern die Möglichkeit der Beschäftigung, Umschulung und Fortbildung zu bieten.


Wie hat sich der Verein im Laufe der Jahre entwickelt?
Nicole Primus:  1993 erhielt der ABT e.V. den Status als Träger der freien Jugendhilfe im Freistaat Sachsen. 1995 startete der erste Durchgang des freiwilligen sozialen Jahres (FSJ), seit 2011 bieten wir auch den Bundesfreiwilligendienst (BFD) an und feiern in diesem Jahr dessen 10-jähriges Jubiläum. Mittlerweile besteht der Verein aus 20 Mitgliedern, von denen sechs hauptamtlich im Verein tätig sind.


Was ist der Bundesfreiwilligendienst überhaupt?
Stefanie Molnar: Der BFD ist eine Möglichkeit, sich in verschiedenen gemeinwohlorientierten Einrichtungen zu engagieren.


Wer kann ein BFD machen?
Stefanie Molnar: 
Generell ist der BFD für alle Interessierten von 16 bis 99 Jahre, wobei ABT e.V. sich auf die Betreuung und Begleitung der Ü27-Jährigen spezialisiert hat.


Was sind die Vorteile des BFD?
Stefanie Molnar: 
Er bietet eine gute Möglichkeit der Neu- und Umorientierung, aber auch der Überbrückung beruflicher und privater Umbruchsituationen. Zudem leisten die Teilnehmer einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl. Des Weiteren bietet der BFD die Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sich weiterzuentwickeln und neue Fertigkeiten und Kenntnisse zu erlernen. Zudem erhalten die Freiwilligen ein Taschengeld, sind sozialversichert und haben Anspruch auf Urlaub.


Gibt es weitere wichtige Informationen für Interessierte?
Stefanie Molnar: 
Ein BFD dauert in der Regel zwischen sechs und 18 Monate. Zum BFD gehören neben einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens 20,1 Stunden in den Einsatzstellen auch die Teilnahme an zwölf Bildungstagen pro Jahr. In den letzten Jahren hat sich das Angebot deutlich erhöht. So bietet ABT e.V. 100 Tage pro Jahr Seminare zu den verschiedensten Themen an, aus welchen die TeilnehmerInnen frei wählen können. Der BFD eignet sich sowohl für Erwerbslose als auch für Rentner. Da er in Teilzeit abgehalten wird, besteht auch für EU-Rentner eine Teilnahme-Möglichkeit.


Gibt es aktuell freie Stellen im BFD?
Stefanie Molnar:
  Ja, beispielsweise in Sportvereinen, verschiedenen Stadtverwaltungen, Gemeinden, Kultureinrichtungen und sozialen Einrichtungen in und um Torgau.


Können sich auch interessierte Einsatzstellen an ABT e.V. wenden. Wenn ja, was sind die Voraussetzungen?
Stefanie Molnar:
  Momentan betreuen wir etwa 60 Einsatzstellen vor allem in den Landkreisen Nordsachsen und Elbe-Elster. Jede gemeinwohlorientierte Einrichtung wie Verein, Stiftung oder gemeinnützige Organisiation kann sich bei Interesse melden. Voraussetzung ist, dass die Einsatzstelle für die Durchführung eines BFD anerkannt ist. Die Anerkennung läuft über das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Wir unterstützen interessierte Einsatzstellen auch bei der Antragstellung.


Warum sollte man ein freiwilliges soziales Jahr machen?
Nicole Primus: 
Freiwillige lernen Berufe im sozialen Bereich kennen und erhalten Einblicke in die Berufspraxis. Das FSJ wird auch gerne als Überbrückungsjahr genutzt und wird beispielsweise als Wartesemester für ein Studium angerechnet.


Wie viele Plätze hat ABT e.V. jährlich zu besetzen?
Nicole Primus:  40 Plätze in 60 unterschiedlichen Einsatzstellen.


Welche Einsatzbereiche gibt es?
Nicole Primus:  Unsere Einsatzbereiche umfassen Plätze in der stationären und ambulanten Altenpflege, der Krankenpflege, in Rehabilitationseinrichtungen und Arztpraxen, aber auch in der Behindertenhilfe. Wir bieten Stellen in Kindertagesstätten, Horten, Grund- und Mittelschulen sowie Kinder- und Jugendhäusern an.


Wo befinden sich die Einsatzstellen?
Nicole Primus: 
Neben Einsatzmöglichkeiten im Großraum Torgau haben wir Koordinationspartner in den Landkreisen Nordsachsen, Meißen und Leipzig, der Stadt Leipzig und in Brandenburg.


Was sind die Rahmenbedingungen?
Nicole Primus: 
Das FSJ ist ein Angebot für Jugendliche von 16 bis 26 Jahren, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Die Dauer beträgt in der Regel zwölf Monate und kann bis 18 Monate verlängert werden. Der Einsatz erfolgt innerhalb des FSJ-Jahrgangs vom 1. September bis zum 31. August des Folgejahres. Ein Einstieg ist auch im laufenden Jahr möglich. Das FSJ entspricht einer Vollzeitbeschäftigung mit 40 Stunden pro Woche, in Ausnahmefällen kann ein Teilzeit-FSJ beantragt werden. Die Jugendlichen erhalten ein Taschengeld und sind sozialversichert. Des Weiteren haben sie Anspruch auf Jahresurlaub. Auch im FSJ müssen die Freiwilligen an Bildungsseminaren teilnehmen. Bei einer 12-monatigen Dienstzeit sind 25 Bildungstage in Form von fünf Blockwochen vorgesehen.


Hat Sie Corona in irgendeiner Form ausgebremst?
Stefanie Molnar:
Anfangs waren viele im Bundesfreiwilligendienst durch Corona verunsichert, da Einsatzstellen in Museen oder Sportstätten nicht besetzt werden durften. Mittlerweile besteht wieder Bedarf. Wer neue Einsatzstellen anmelden möchte, kann sich gern melden.

Nicole Primus: Mit dem freiwilligen sozialen Jahr gab es anfangs Schwierigkeiten. Aber wir haben es geschafft, Seminare auf Digital umzustellen. Allerdings wären wir alle froh, könnten wir wieder in Präsenz arbeiten.


Abschließend gefragt: Sind BFD und FSJ gute Instrumente?
Nicole Primus:  Es sind auf jeden Fall gute Möglichkeiten, um in die Arbeitswelt einzutauchen und Erfahrungen zu sammeln.

 

Kontakt BFD:
Telefon 03421 704067 oder
E-Mail bfd@abt-torgau-ev.de
Kontakt FSJ
Telefon 03421 7042119,
0174 9647027 oder per E-Mail: fsj@abt-torgau-ev.de
Weitere Informationen unter: www.abt.torgau-ev.de


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