Mittwoch, 16. Januar 2019

 
Donnerstag, 8. November 2018

TORGAU

Torgauer Originale und der Leierkastenmann

Von Günther Fiege

Marktschreier und sogar Drehorgelspieler bestimmten das Stadtbild

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Torgau. In der Vorkriegszeit verkaufte Willi Kamp Eis und Würstchen. Von Weitem hörte man ihn schon rufen: „Hier kalt – Hier heiß! Hier Kamps Speiseeis!“ Auch Dora Beschoffs Fleischstand zog die Leute an. In der Scheffelstraße war der Fischmarkt. Hier verkauften Wolffs und Sickerts ‚Fischweiber‘ ihre Elbfische. Der Topfmarkt stand in der Breiten Straße und der Ferkelmarkt in der Königsstraße (heute Rudolf-Breitscheid-Straße).

Auch die Leipziger Marktschreier gaben sich in der Bäckerstraße ein Stelldichein. Mit von der Partie waren der ‚Aaalmann‘ und der unvergessene Seiferts Oskar. Unvergessen auch Familie Bierwirth. Herr Bierwirth hatte mit seiner Frau nach dem Zweiten Weltkrieg den Lebensmittelladen seiner Eltern in der Fischerstraße übernommen, den er bis zum Jahre 1983 führte. Als noch dem Vater Willi Bierwirth das Geschäft gehörte, waren auch andere Zeiten. Extra polizeilich angeordnet hing im Laden der Eltern ein großes Hinweisschild „Alkoholausschank verboten!“. Ab und zu muss da mal wohl ein Kunde zwischen Einkauf und Bezahlen einen Schnaps bekommen haben. „Das durfte do Poliziste nich mitkriejen“, erzählte mir der Sohn Werner Bierwirth. „Sonst hätte mei Vater Strafe zahlen müssen. Un wenn do Vater beim Alkoholausschank erwischt wurde, musste er 20 Mark auf‘n Tisch lejen. Dann war das Dienstliche beendet, do Poliziste setzte seinen Helm ab und bekam schnell einen Schnaps, was keener sehen durfte.“

Der Buchhändler Ernst-Günther Huth am Markt war damals in Torgau zum Fasching als Vater Zille und besonders als Musikal-Clown ‚Chapo‘ in der DDR sehr bekannt. Da gab es auch noch Gargatz, Luise, Kaffeehausmusiker Eddi Born, Aschefahrer Schröder aus der Schulzenstraße und Erna Schulz aus der Sternburg-Quelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg begegneten wir als Kinder auf dem Markt am „Goldenen Anker“ sehr oft dem Leierkastenmann. Eine Bekannte aus Lausa rief mich mal an und erzählte mir von ihrem Vater, der bei der Firma Jakobitz für seine Gastwirtschaft Schnaps einkaufte. Das nutzte die Tochter und fuhr mit der Pferdekutsche mit, um den Leierkastenmann zu sehen und spielen zu hören. Alle bekannten Lieder hat sie damals mitgesungen, wie „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“ oder „Zum letzten mal in dieser Stadt, da orgle ich nach Noten“. Die Drehorgel, oder auch im Volksmund Leierkasten genannt, ist ein trag- oder fahrbares Orgelinstrument.

Der Leierkastenmann betätigte mit der Kurbel gleichzeitig den Blasebalg und die Walze mit den Metallstiften, die die Pfeifenventile, gemäß dem programmierten Musikstück, steuern. Der bekannte Berliner Zeichner und Grafiker Heinrich Zille schilderte in vielen Zeichnungen voller Humor und erschütternder Tragik Menschen und Milieu der Berliner Armenviertel, auch von dort, wo die Drehorgelspieler dabei waren. Zille sagte mal: „Es tut weh, wenn man Ernst als Witz verkaufen musste.“
In dieser Zeit spielten sehr oft Drehorgelspieler auf Märkten oder in Kabaretts, so auch in Torgau. Besonders für Moritat, Couplets und Bänkelballaden ein wirkungsvolles Begleitinstrument. Auch in meinem Kabarett „Die Stechfliegen“, bei der HO Torgau, bastelten wir um 1960 einen Leierkasten aus Pappe, der im Hintergrund von einem Akkordeon begleitet wurde und spielten die Moritat ‚Vom dummen Landmann‘, der einfach nicht begreifen wollte, dass der Mais die Wurst am Stengel ist.


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