Samstag, 4. April 2020
Dienstag, 24. März 2020

TORGAU

Torgauer Schüler werden "vom Glück besucht"

Insgesamt acht Stationen hat der „Glück sucht dich“-Bus. Vom 6. bis 18. Juli wird er im ganzen Landkreis Nordsachsen unterwegs sein.Foto: KRAUSSREINHARDT

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Suchtberater Pascal Iberl holt einen Präventions-Busnach Torgau. Damit sollen Schüler die Möglichkeit haben, sich interaktiv mit den Themen "Sucht" und "Glück" auseinanderzusetzen.

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Viele Torgauer kennen Pascal Iberl wahrscheinlich noch als den Streetworker von Torgau. 2018 zog er aus dem Schwabenland in die Elbestadt und kümmerte sich ein Jahr lang darum, ihren Bewohnern bei verschiedensten Problemen zur Seite zu stehen. Vergangenen Juni orientierte er sich dann um und ist seitdem als Suchtberater bei der Diakonie tätig. Im Rahmen seiner präventiven Arbeit wird er, gemeinsam mit einem weiteren Kollegen, vom 6. bis zum 18. Juli, ein großes Präventionsprojekt für den gesamten Landkreis betreuen.

Seit Juni letzten Jahres ist Pascal Iberl als Suchtberater für die Diakonie tätig.

Viel Erfahrung

„Schon während meines Studiums hatte ich immer schon vor, in einem Beratungskontext zu arbeiten“, erklärt Iberl seine Entscheidung, den Streetworker-Job an den Nagel zu hängen. „Und mit dem Thema Sucht hatte ich durch ein FÖJ (Freiwilliges ökologisches Jahr; Anm. d. Red.) in einer Fachklinik für suchtkranke Männer ebenfalls Erfahrung.“ So bewarb sich der heute 25-Jährige auf den Posten und hat nun tagtäglich mit Menschen zu tun, die von diversen illegalen, aber auch legalen Suchtmitteln abhängig sind. Normalerweise viermal pro Woche in der Justizvollzugsanstalt (JVA) und einen Tag im Büro, aktuell aber jedoch größtenteils im Homeoffice und nur noch einen Tag in der  Woche „hinter Gittern“.

„Das hat auch sein Gutes“, erklärt der gebürtige Schwabe optimistisch. „So habe ich mehr Zeit, mich um das im Sommer anstehende Präventions-Projekt zu kümmern.“ Das hört auf den Namen „Glück sucht dich“ und soll vom 6. bis zum 18. Juli in Nordsachsen und dabei vom 8. bis 10. Juli in Torgau abgehalten werden. Falls bis dahin die Corona-Krise überstanden und die Schutzmaßnahmen gelockert sind, versteht sich.

Glück sucht dich

Ins Leben gerufen wurde „Glück sucht dich“ von der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und ist ein Modellprojekt, das in diesem Jahr zum ersten Mal im Freistaat getestet wird. Es richtet sich dabei an Kinder und Jugendlich von 10 bis 18 Jahren – also an alle Schüler der weiterführenden Schulen.

Dort sei, neben den „klassischen“ Suchtmitteln wie Zigaretten, Alkohol und Cannabis, auch die Mediensucht ein wichtiges Thema. „Das Leben der Kinder und Jugendlichen richtet sich immer mehr auf ihr Smartphone aus und damit gehen natürlich auch zahlreiche Gefahren einher“, erklärt Iberl. Und genau diesen Gefahren soll mit „Glück sucht dich“ vorgebeugt werden. Dabei konzentriert sich das Projekt nicht nur  auf einen bestimmten Sucht-Typ, sondern handelt die komplette Bandbreite ab.

Projekt im Bus

Im Mittelpunkt des Modellprojektes steht ein bunt bemalter Doppeldeckerbus, in dem sich insgesamt acht interaktive Stationen befinden. „An denen können sich die Jugendlichen dann auf verschiedene Arten mit dem Thema Sucht und Glück auseinandersetzen.“ So stellen die Schüler bei einem Quiz ihr Wissen zum Thema Sucht auf den Prüfstand, erleben in der Blue-Zone mithilfe einer Virtual-Reality-Brille, wie sich das Bewusstsein im Rauschzustand verhält oder schreiben im Glückspostamt einen Brief an sich selbst, in dem sie sich unter anderem darüber Gedanken machen, welche Orte sie glücklich machen oder auf welche Menschen sie sich in ihrem Leben verlassen können. „Meine Lieblingsstation ist die Flowzone“, erklärt Iberl, der selbst auch schon einmal den kompletten Bus durchlaufen hat. „Dort kann man auf zwei Schaukeln über sich selbst nachdenken, während man via Kopfhörer durch eine entspannte Stimme auf eine Gedankenreise mitgenommen wird.“

Die Stationen sollen dabei nicht nur plump zeigen, dass Drogen etwas Schlechtes sind, sondern vor allem vermitteln, dass die Jugendlichen gar keine Suchtmittel brauchen, um glücklich zu werden. Anderthalb Stunden soll ein Besuch im Glücks-Bus dauern, anschließend besucht Iberl noch persönlich die Klassen und arbeitet dass im Projekt vermittelte Wissen auf.

Prävention in der Gesellschaft

Für Pascal Iberl ist „Glück sucht dich“ im Bereich der Prävention das erste wirklich große Projekt, das er für den Landkreis organisieren wird. Es sei jedoch nicht nur an Schulen enorm wichtig, Suchtprävention zu betreiben, sondern diese müsse auch in anderen Bereichen der Gesellschaft geleistet werden. „Wir wollen die Menschen für das Thema Sucht sensibilisieren. Es soll nicht mehr stigmatisiert, tabuisiert und verurteilt werden.“ Nur so bestehe eine Chance, dass möglichst viele Menschen Suchtberatungsangebote wahrnehmen. „Nicht jeder Konsument ist ein Junkie, auch wenn das oft so dargestellt wird. Auch eine Sucht ist eine Krankheit, die es angemessen zu behandeln gilt. Doch natürlich sollte man immer bestrebt sein, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Und genau deshalb braucht es gute Prävention.“


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